Fortsetzung von Blog 13. Mongolei

13.05.2019  137.729 km Tag 293                       

Danilo's Trans-Mongolian Border

50°19'25.3"N 106°29'20.7"E

50.323691, 106.489069

Wider Erwarten hat der russische Grenzübertritt tatsächlich 3 Stunden gedauert. 80% davon war Wartezeit bis wir dran kommen. Zuerst dieses Mal Passkontrolle und schon waren Jerry und ich raus aus dem Spiel und Thomas musste sich noch mit dem Zoll beschäftigen. Dieses Mal musste die Zollerklärung zweimal ausgefüllt werden. Das Auto wurde sehr intensiv inspiziert. Alles wurde gefilmt. Die Medikamente wurden von einer Doktorin und einem Drogenhund kontrolliert. Dann bekamen wir den 3. Stempel und konnten gehen. Zwei Beamte konnten englisch und haben sehr für Ordnung gesorgt, weil die Mongolen ständig versucht haben, sich vorzudrängeln. Eine dieser penetranten Vordränglerinnen wurde extrem zurecht gewiesen und musste nachher viel länger warten, bis sie dann dran genommen wurde. Alle Beamte dieser russischen Grenze waren wirklich super freundlich, aber auch hier war es ein leichtes Problem, dass wir Europäer sind und das scheint hier nicht häufig zu sein, dass sie es mit Europäer zu tun haben. Wir wurden wohlwollend behandelt, aber wir merkten dass sie ein organisatorisches Problem mit uns und auch mit dem Wohnmobil haben, was hier auch nicht häufig durchreist. Wir konnten wahrnehmen, dass sie darüber diskutieren, wie sie das Auto am Besten kontrollieren. Auch gibt es immer Probleme an der Grenze mit Drogenhunden und unserem Jerry. Dadurch, dass das Auto nach Hund riecht, geht der Hund nur schwer auf Drogensuche.

 

Es hat zwar lange gedauert, aber es war alles easy going. Wir hatten eher auch persönliche Gespräche und sie zeigten Interesse an unserer Reise. Wir verspürten Erstaunen und Freude und auch Wohlwollen, dass wir uns tief in das Russland hier rein gewagt haben als Europäer. Nach dem Passieren der Grenze waren wir schon erleichtert, da sich die Straßenverhältnisee von jetzt auf gleich spürbar verbesserten und entschlossen uns noch hier direkt hinter der Grenze einen Schlafplatz zu suchen und den Rest des Abends zu geniessen. Morgen geht es dann Richtung Baikalsee.  

50°22'17.0"N 106°27'21.2"E

50.371390, 106.455900


14.05.2019  138.163 km Tag 294

zurzeit aus dem weg zum Baikalsee   (319 km gemacht) 

 

14.5.-17.5.2019

Der Weg zum Baikalsee führt durch ein kleines Gebirge mit dichtem Nadelwald. Unsere Idee, unsere Füße in den Baikalsee zu stellen, den größten Süßwassersee der Welt, verpuffte, denn an der Stelle, auf die wir zuführen, war er noch zugefroren. ZUGEFROREN, der größte See der Welt. Die Schlittschuhe sind leider zuhause geblieben. Wir fuhren 200 km am Baikalsee entlang, aber an das Ufer zu kommen war so gut wie unmöglich, weil über die gesamte Strecke eine Eisenbahnlinie direkt am Ufer entlang führte oder die wenigen Wege, die es gab total schlammig waren. Temperaturmäßig liegen wir z.Z. bei ca. 12°C tagsüber, wenn kein Wind geht ist es auch ganz angenehm. Die Straßen sind weitestgehend richtig gut, bis auf kleine Ausnahmen, aber nachdem wir aus der Mongolei raus sind, sind für uns alle Straßen gut und ein Geschenk. Man darf nur 90 kmh fahren, was auch immer wieder, manchmal sehr extrem und oft, manchmal in längeren Abschnitten weniger, kontrolliert wird. Was uns gerade wirklich sehr bewusst wird, ist, wie weit wir auf unserer Reise in den Osten gekommen sind. Wir hatten bisher immer ein Ziel vor Augen, wohin wir wollten. Jetzt sind wir auf dem Rückweg, unser nächstes Zwischenziel ist Sankt Petersburg, wir werden 14 Tagen brauchen um dorthin zu kommen. Das bedeutet täglich mindestens 500 km. Da Russland nicht so klein ist und wir ständig auf unserer Straße durch kleine Dörfer kommen, in denen man nur 50 kmh fahren darf, schafft man auch wirklich nur 500 km pro Tag. Diese kleinen wunderschönen Dörfer faszinieren uns sehr. Es ist als ob man in ein anderes Jahrhundert eintaucht. Diese kleinen Holzhäuschen, dunkles Holz, mit meist grün oder blau verzierten Schnitzereien um die Fenster herum, sehen aus wie aus dem Bilderbuch. Es liegen riesige Mengen von Holz vor den Häusern, das wartet, von den Bewohnern klein gehackt zu werden für den nächsten Winter, der schon in ein paar Monaten kommt. Es gibt auch hier wie in der Mongolei keine Wasserleitungen, sondern ein Wasserhaus im Dorf, in dem sich die Menschen das Wasser für sich in großen Kannen und für die Tiere in Tankanhängern holen und eine geringe Gebühr dafür bezahlen. Geheizt und gekocht wird mit Holz. Stromleitungen gibt es aber. Hier ist so gut wie alles aus Holz, die Häuser, die Gartenzäune um die kleinen Häuschen, oft farblich auf die Farbe der Fensterumrandungen abgestimmt. Heute war ich in einem kleinen Supermarkt, der aus einem Raum bestand. Es gab so gut wie alles, in Regalen aufgereiht an den 4 Wänden. Dafür rundum ein sich durchziehender Verkaufstresen. Wenn man hier einkaufen möchte, muss man der Verkäuferin sagen, was genau man möchte, sie holt es dann und stapelt es auf der Theke. Mit Händen und Füßen und Lachen ging es einigermaßen. Ist aber ein sehr ungewohntes Gefühl, wenn man sein Leben lang bisher in Selbstbedienungssupermärkten eingekauft hat.

Unser Ziel ist es jetzt erstmal, wieder in den europäischen Teil Russland zu kommen bei Ekatarinenburg. Aber selbst dafür müssen wir eine Woche durch Sibirien fahren. Die Landschaft ist wieder flach inzwischen, die Birkenwälder sind wieder zu beiden Seiten der Straße. Wir genießen diese Landschaft, immer wieder unterbrochen durch die kleinen Dörfer und saugen es ihn uns auf.

 

Ja, Russland ist richtig richtig groß, das spüren wir gerade. Hörbücher machen uns die Zeit kurzweilig. Viel Abenteuer ist jetzt erstmal nicht mehr, sondern einfach nur gemütliches zurück reisen. Aber, auch wenn ich mich wiederhole, uns wird auch gerade bewusst, was für ein Abenteuer wir hinter uns haben. Wenn wir auf dem Weg nach Ulaan Baatar und der Chinggis Khan Statue gar nicht gemerkt haben, wie weit wir im Osten waren, wie weit weg von zuhause, und immer nur fokussiert auf das nächste Ziel waren, wird das jetzt schlagartig klar. Jetzt ist das Gefühl der Rückreise da.

@ Lena 10.721 km de frango piripiri

52°04'50.6"N 106°59'40.7"E

52.080710, 106.994650

ein Dorf in Sibirien


15.05.2019  138.482 km Tag 295

@ Lena 10.063 km de frango piripiri

54°05'47.7"N 102°01'54.6"E

54.096581, 102.031827

Bild 1: Baikalsee, in der Mitte noch zugefroren.

Bild 2 und 3: bei Irkutsk beginnt der See und ist hier nicht mehr zugefroren. Der Baikalsee ist der größte Süßwassersee der Welt. 

der Baikalsee, hier werden Fische am Straßenrand geräuchert mit den einfachsten Mitteln und zum Verkauf angeboten.

Bild 1: noch 1900 km bis Novosibirsk

Bild 2: so war die Straße, immer geradeaus

Bild 3: in jedem kleinen Dorf, in jeder Stadt gibt es Denkmäler zu Ehren der Gefallenen mit dem Datum 1941-1945. Wir haben Unmengen davon gesehen mit unendlich vielen Namen. Das ist selbst hier hinten in Sibirien der Fall.


16.05.2019  139.774 km Tag 296

@ Lena 9.429 km de frango piripiri

55°52'33.8"N 94°59'24.4"E

55.876042, 94.990117


17.05.2019  140.424 km Tag 297

xxx

@ Lena 8.684 km de frango piripiri

55.29390 85.68127

55°17'38.0"N 85°40'52.6"E

55.293900, 85.681270


18.05.2019  140.547 km Tag 298

xxx

@ Lena 7.939 km de frango piripiri

55°06'38.0"N 75°15'14.3"E

55.110560, 75.253970


19.05.2019  141.292 km Tag 299

 

17.-19.5.2019

Tag 5 unserer Rückreise. Oder 3000 km geschafft von 6000 km. Oder wir haben jetzt so ziemlich die Mitte geschafft von der Strecke, die wir durch Russland fahren dürfen. Oder noch 1000 km bis Perm, dann sind wir wieder in Europa und haben Asien/ Sibirien hinter uns gelassen. 5 oder 6 tagelang fahren wir jetzt immer geradeaus Richtung Westen. Die Landschaft ist immer gleich, flach, Birkenwälder, die aber jetzt im Gegensatz zur Hinreise ihre Blätter haben. Übernachten ist überall möglich, wobei wir uns in die Truckerrastplätze verliebt haben, weil dort immer alles geht und sie somit auch nutzen. Man bekommt Wasser, es gibt meistens einen kleinen Shop, Essen ist möglich, bei vielen ist Wäsche waschen lassen möglich. Das haben wir auch gestern getan haben, zwei große Tüten für ca. 5€. Abends abgeben und morgens sauber und getrocknet wieder bekommen. Das doch jetzt mittlerweile triste Abspulen von Kilometern wird langsam zu einer monotonen Eintönigkeit. Nichts ändert sich seit 5 Tagen. Wir lenken uns damit ab, wieder Hörbücher zu hören. Inzwischen sind wir bei den Krimis von Andreas Franz angekommen, die wirklich gut und spannend sind. Wir haben gerade sein Buch „Das Verlies“ beendet, was uns 3 Tage lang begleitete.

Ja, Russland ist groß, um nicht zu sagen sehr sehr sehr groß....jetzt nachdem wir tagelang geradeaus fahren und eigentlich das Gefühl haben gar nicht voran zu kommen, wird uns das überdeutlich. Wenn man z.b. von Polen nach Frankreich fährt schafft man das innerhalb eines Tages. Russland hat völlig andere Dimensionen.

Morgen ist unser 300. Tag im Auto. Wir sind zwar eigentlich schon etwas länger unterwegs, aber wir haben die Tage, die wir zuhause verbrachten aus organisatorischen Gründen, rausgerechnet. Wir sind uns aber beide einig, dass wir nicht einen einzigen Tag missen möchten, kein Erlebnis hergeben wollen. Gefahren sind wir ca. 100.000 km in diesen 300 Tagen.

Momentan legen wir zwischen 500 und 600 km pro Tag zurück, aber das Autofahren bestimmt auch jetzt auf dem Rückweg komplett unseren Tag, nur unterbrochen von ab und zu Einkaufen, Wasser auffüllen und meist einmal pro Tag Diesel tanken.

Ja eine Kleinigkeit haben wir noch: da man täglich 4-5 Mal von der Polizei kontrolliert wird, das ist hier normal und sie jedes Mal auf uns einredeten und wir aber nie verstanden, was sie wollten, haben wir uns inzwischen einen Zettel vorbereitet, auf dem auf russisch steht, wer wir sind, was wir machen, wie unsere Route aussieht und wie lange wir unterwegs sind. Seitdem verlaufen die Kontrollen total easy, die Polizisten lesen den Text, grinsen uns an und winken uns weiter.

Was unsere Gedanken betrifft, haben wir ständig Heißhunger auf viele unserer Leibgerichte, wie z.B. eine Pizza von unserer Lieblingspizzeria, eine richtig scharfe Currywurst, oder wieder wie schon in den USA, richtig gutes deutsches Brot, Wurst- und Käseauswahl aber auch schwelgen wir in Gedanken, welches Land besuchen wir als nächstes und wie ja schon ein fleißiger Mitleser per Whatsapp heute morgen bemerkte, ganz so viele gibt es ja auch nicht mehr und manche braucht man einfach nicht auf der Liste.

Auch mache ich mir Gedanken, gehe ich wieder arbeiten, oder hängen wir noch ein Jahr dran. Es kreiselt in meinem Kopf. Aber mir ist auch bewusst, dass ein Wiedereinstieg nicht so einfach ist, weil ich jetzt etwas völlig anderes kennen gelernt habe, was auch immer für Unruhe in mir sorgen wird, eine völlig andere Betrachtung der Welt und des eigenen Lebens und wie will ich es gelebt haben.

Für Thomas ist es einfacher, er ist in Rente und er kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten. Bei mir mit meinen 48 Jahren ist das schon ein Gewissenskonflikt.

Auf der einen Seite steht das schönste, abenteuerlichste und intensivste Jahr meines Lebens, ich habe so intensiv wie noch nie gelebt und erlebt, auf der anderen Seite steht die Tretmühle/ heimische Geborgenheit/ Sicherheit/ Routine/ Familie/ Freunde....und sicher noch vieles mehr, was einem den Start in so einen Aufbruch sehr erschwert hat.

 

Naja, wir haben ja noch ein bisschen Zeit, es geht ja noch ein paar Tage so weiter wie bisher, immer Richtung Westen. Momentan ist unser nächstes Zwischenziel St. Petersburg, was wir auch richtig besichtigen möchten. Dann geht es weiter zurück über Estland, Lettland, Litauen nach Deutschland. Wenn wir dann Zuhause sind, werden wir einige Dinge erledigen, Mutter knutschen, Freunde besuchen und dann geht es erstmal kurz nach Portugal, um uns klar zu werden, wie es weiter geht, um Lena und Sid zu sehen, und um uns mit dem besten Essen der Welt zu verwöhnen.

@ Lena 7.085 km de frango piripiri

57°03'58.6"N 64°39'26.7"E

57.066285, 64.657420


20.05.2019  142.146 km Tag 300

Hurra!! Wir sind wieder in Europa. Mit einem Foto können wir leider nicht dienen dieses Mal, denn es gab einen Platz mit einem Symbol, dass hier die Grenze zwischen Asien und Europa ist, es liegt aber direkt an einer, sagen wir mal, Autobahn und als wir es bemerkten, war ein anhalten nicht mehr möglich. Wenden auch nicht. Und die Schilder hier waren alle in russisch, was wir ja so gut lesen können. Ansonsten hatten wir heute auch kein gutes Wetter, es war sehr kalt und es regnete, bzw. schneite, als wir den Ural überquerten. Landschaftlich hat es sich verändert. Inzwischen fahren wir oft durch dichte Nadelwälder. Die Städte werden wieder europäischer. Je mehr wir Richtung Westen kommen, gleichen Die Städten den unsrigen. Eigentlich fühlen wir uns vom Optischen her, als wären wir schon fast Zuhause. Leider erleben wir gerade nicht viel, was ja auch was Gutes ist, wir fahren und fahren, wir sind mittlerweile bei Hörbuch Nr. 3, "die Bänkerin" von Andreas Franz. Er hat 19 Bücher geschrieben, also haben wir noch genug Stoff vor uns

56°49'54.9"N 60°21'02.0"E

56.831914, 60.350543          Europa-Asia Border                                    

@ Lena 6.522 km de frango piripiri

57°22'54.2"N 56°54'28.8"E

57.381731, 56.908002

 


21.05.2019  142.709 km Tag 301

Bisher fuhren wir rein Richtung Westen. Ab heute geht es Nordwestlich, weg von den großen Hauptstraßen. Was aber auch bedeutet, die Straße ist teilweise viel schlechter, Schlaglöcher sind auch wieder dabei. Die Straße ist viel weniger befahren, wir fahren teilweise sehr einsam, durch dichte Nadelholzwälder. Heute haben wir ein Bombenwetter, mal zur Abwechslung, 20 Grad und wenig Wind. Aber dafür wie auf Kommando die ersten Mückenschwärme, aber wir wollen uns nicht beschweren, die hätten, wäre es etwas wärmer gewesen uns auch schon in Sibirien das Leben zur Hölle machen können. Was uns auffällt, sind diese extremen Wetterschwankungen, einen Tag 20 Grad, einen Tag -5 Grad, starker Wind, das kennen wir so nicht aus Deutschland. Und obwohl wir den ganzen Tag fast einsam durch Wälder gefahren sind, wenig Dörfer, haben wir nicht ein einziges Tier gesehen, keinen Elch, keinen Bär, keinen Fuchs, kein Reh, absolut nichts. Warum ist das so? 

Jetzt, da wir nur noch 1500 km bis St. Petersburg haben und von dort nur noch 200 km bis zur Grenze nach Estland vor uns haben, und uns die ersten Gedanken gemacht haben, sagen wir, russland ist ein riesengroßes Land, ein sehr raues Land, aber für Wohnmobile super geeignet, alles ist viel einfacher als wir uns im Vorfeld gedacht haben, eigentlich sogar viel einfacher als bei uns. Es gibt überall Eurodiesel, man kann überall schlafen, wo man will, Die Polizisten sind sehr nett und lassen uns eigentlich in Ruhe, wir hatten lediglich 2 Kontrollen auf der Rückreise bisher. Naja, und die Menschen sind eher hilfsbereit. An das Sprachproblem haben wir uns mittlerweile so gewöhnt. 

Seit wir in Russland auf den  Truckerraststätten schlafen, kostet es, ganz egal bisher wo, immer die gleichen 100 Rubel (1,43 €) pro Übernachtung, als hätten sie sich abgesprochen. Optimal für uns, da wir hier gut stehen und ruhig übernachten können. Die Truckerparkplätze sind überwacht.  Obwohl wir das eigentlich nicht bräuchten, da wir nicht das Gefühl haben, dass es hier gefährlich ist.

 

@ Lena 5.889 km de frango piripiri

58°44'04.8"N 49°14'32.9"E

58.734670, 49.242470


22.05.2019  143.342 km Tag 302

Heute haben wir einen wunderbaren Tag, 23°C, blauer Himmel, wir durchfuhren eine abwechslungsreiche Landschaft. Wir haben einen unendlichen Blick über grüne Wiesen voller gelbleuchtender Löwenzahnblüten. Die Vögel zwitschern und singen. Wir kamen wieder durch viele kleine Dörfchen. Es ist immer noch ein Augenschmaus und irgendwie müssen wir beide dauernd an den Film „Dr. Schiwago“ denken.

Ganz im Gegenteil zu den letzten Tagen haben wir uns heute sehr viel Zeit genommen, längere Pausen eingelegt und alles hier nochmal intensiv auf uns wirken lassen. Dieses Land hat so eine atemberaubende Natur.

Innerlich spürt man jetzt, dass wir das Land bald verlassen, es sind heute Mittag noch 1100 km bis St. Petersburg, von dort nochmal 300 km bis an die estnische Grenze. Wir sind melancholisch, es war wirklich schön hier, obwohl es die meiste Zeit wirklich kalt war. Eins steht für uns fest, wenn sie uns nochmal rein lassen, dann werden wir wieder kommen und dieses Land noch weiter entdecken, die Landschaft und Natur bestaunen und uns wieder wohlfühlen.

Was die Mücken betrifft, sie sind jetzt allgegenwärtig, aber hier noch erträglich, es sind noch keine Riesenschwärme, was bei diesen Temperaturen aber vermutlich nicht mehr lange dauern wird.

Wenn wir an der Grenze zu Estland angekommen sind, werden wir voraussichtlich rund 2 Wochen gebraucht haben, um dieses große Land zu durchqueren.

Etwas für uns drei Lustiges, vor ziemlich genau 2 Jahren standen wir in Narwa in Estland an der Grenze zu Russland. Das war auf dem Rückweg von unserer Tour nach Norwegen zum Nordkapp. Damals standen wir da und träumten davon hier irgendwann mal nach Russland reinzufahren. Jetzt kommen wir durch genau diese Grenze wieder zurück in die EU.

Samstag werden wir wahrscheinlich in St.Petersburg sein und uns mit Elena treffen, sollte sie Zeit haben. Wir haben sie in der Mongolei getroffen, als sie mit einer kleinen russischen Reisegruppe unterwegs war und mit uns zusammen die Grenze überquert hat. Sie lebt und arbeitet in St. Petersburg und hat angeboten uns die Stadt zu zeigen.

Auch hatten wir vorhin die Idee, kurzzeitig von St. Petersburg nach Murmansk und dann über Kittilä zum Nordkapp zu fahren, alles nicht mehr wirklich weit. Aber die zurückliegenden 3 Monate hängen uns ganz gut in den Knochen, wir brauchen mal ein bisschen mehr Ruhe. Und wir merken auch deutlich, dass eine andere Macht uns nach Westen Richtung Portugal zieht. Für die, die es nicht wissen, in Portimao gibt es das mit Abstand beste Grillhähnchen der Welt.

@ Lena 5.187 km de frango piripiri

57°49'15.0"N 39°57'13.7"E

57.820830, 39.953810

einer der schönsten und idyllischsten Plätze, die wir in Russland hatten und die Temperaturen stimmen endlich mal

Der Kreis schließt sich - wir überqueren gerade wieder die Wolga, nur jetzt weiter oben im Norden, kurz vor St. Petersburg.

Bild 1-3: so kann Russland auch aussehen, in Jaroslawl

Bild 4: eine Kirche in Jaroslawl


23.05.2019  144.044 km Tag 303

Jetzt sind es noch 850 km bis St. Petersburg. Wir sind heute ganz früh aufgestanden, um heute abend in St. Petersburg anzukommen. Früh heisst 5h, da ist es hier schon lange hell. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, zum einen war das Wetter nicht so toll, es regnete sehr viel, zum anderen waren wir mittags richtig erschöpft und müde und legten eine längere Pause ein. Das war das erste Mal seit längerer Zeit, dass wir mittags stoppten, um ein bisschen zu schlafen. Aus einer Stunde wurden drei, gegen abend fuhren wir wieder los und schafften noch 100 km, aber bis St. Petersburg fehlten noch 260 km. Das einzig lustige, ich habe heute den ersten deutsch sprechenden Russen kennen gelernt, der uns auch frisches Wasser besorgte, was hier in Russland wirklich nicht einfach ist. Gegen Abend wurde das Wetter nochmal besser, wir konnten noch ein bisschen vor dme Auto sitzen, jetzt ist St. Petersburg für morgen angesagt. 

@ Lena 4.566 km de frango piripiri

59°38'27.2"N 33°35'02.4"E

59.640890, 33.583990


24.05.2019  144.665 km Tag 304

Besuch Sankt Petersburg   

Eigentlich war für heute ein Regentag angesagt, aber wir hatten Glück, denn bis gegen Abend war die Sonne noch da. Wir bekamen eine Einladung von Maxim, einem der vier Radfahrer, die wir an der Grenze zur Mongolei kennen gelernt haben, bei ihm im Hof ideal im Zentrum von St. Petersburg zu parken. Als wir davor standen, haben 5 cm an Höhe bei der Einfahrt gefehlt, Rudi passt nicht durch (siehe Bild unten). Dann fuhren wir ein bisschen durch die Stadt durch, die wirklich vor Stilbauten protzt (ich glaube Neoklassizismus, aber ich bin mir wirklich nicht sicher), ein Highlight nach dem anderen, Paläste, prunkvolle Stadthäuser, Kirchen, Museen, aber auch gut Verkehr, für uns mit dem Wohnmobil nicht so einfach. So griffen wir erstmal zu einer Notlösung, wir fuhren nach Peterhof, der ehemaligen Residenz des Zaren Peter, 30 km vor St. Petersburg. 

Hier parkten wir direkt seitlich auf einem bewachten Parkplatz für 200 Rubel (knapp 3€) für 3 Stunden. Der Eingang zum Palast und den Gärten ist direkt am Parkplatz. Man muss nicht weit laufen. Denn diese Anlage ist riesengroß, es gibt viele Eingänge, aber dieser hier war ideal. Binnen 2 Stunden kann man die Außenanlagen sehr gut anschauen. ich frage mich jetzt noch, wie viele Gärtner hier beschäftigt sein müssen, alles Bäume sind akkurat in Form geschnitten, riesengroße Rasenflächen müssen gemäht werden. Um den Palast herum sind großflächig goldene Skulpturen verteilt, sehr viele Wasserspiele überall. Es wirkt auf mich sehr beeindruckend, aber es sind so unglaublich viele goldene Skulpturen hier, dass ich denke, etwas weniger wäre auch gut. aber es ist beeindruckend. St. Petersburg ist einen Wochenendtrip mit dem Flieger ganz unbedingt wert. So eine wunderschöne Stadt. Richtig perfekt wäre ein Hotel direkt im Zentrum, denn von dort kann man alles sehr gut erreichen. 

Zum Übernachten sind wir nochmal einen Kilometer weiter gefahren, auf einen großen Busparkplatz, 10 Rubel/h (0,15 €/h), der eigentlich für die Busse gedacht ist, die die ganzen Asiaten hierher bringen. Wir stehen jetzt abends allerdings komplett alleine hier. Nur der Parkwächter ist noch da. 

@ Lena 4.287 km de frango piripiri

59°53'20.1"N 29°53'11.6"E

59.888921, 29.886553

eigentlich unser angedachter Parkplatz, total zentral gelegen, richtig gut, leider haben 5 cm für Rudi gefehlt und wir konnten nicht rein fahren und parken und wir mussten umdisponieren. Vielen Dank trotzdem nochmal an Maxim

den Palast hat Zar Peter der Große gebaut, der Alaska, was damals zu Russland gehörte, an die Amerikaner verkauft hat, um das Geld für seine monströsen, aber wirklich eindrucksvollen Paläste und unglaublich großen Gartenanlagen zu beschaffen. Es ist irgendwie im Stile von Versailles.

59.885008, 29.908780                                    Schloss Peterhof    Parkplatz direkt am Schloss

auf diesem Foto kommen die vielen Wasserspiele zur Geltung und auch die vielen glatt polierten, goldenen Stauen

Bild 1: Der lange Wassergraben, der an die Ostsee geht, von hier hat man den Blick auf den Palast und die Fontänen

Bild 2: Blick aus dem Garten auf den Palast

Bild 3: Blick seitlich auf den Palast

ein paar der goldenen Helden

die Palastbrücke der Eremitage, Bild ist nicht von uns, sondern von Maxim. Die Brücke wird nachts um 1 Uhr geöffnet und bildet damit eine wunderbare Einheit mit der Peter und Pauls Festung im Hintergrund. 


25.05.2019  144.944 km Tag 305

 

Als wir heute morgen wach wurden, regnete es in Strömen. Das sollte auch den ganzen Tag über so bleiben. Somit war der nochmalige Besuch von St. Petersburg buchstäblich ins Wasser gefallen. Was machen? 2 oder 3 Tage hier verweilen? Und dann entschlossen wir uns kurzerhand, erstmal weiter zu fahren. Aber wir kommen wieder, die Stadt hat was. Da sich das Wetter auf der Fahrt durch Estland besserte, musste halt Riga herhalten. Aber nochmal zurück, kurz nach St. Petersburg stand ja der Grenzübertritt in die EU bevor. Normalerweise beschreiben wir ja die Grenzübertritte sehr genau als Hilfestellung für andere, die das auch mal machen wollen. Aber das ist hier nicht notwendig, denn es war einer der einfachsten, der gemütlichsten, der entspanntesten Grenzübergänge, die wir je hatten. Man fährt an den LKWs vorbei, vor uns war kein PKW und wir wurden direkt durchgewunken, parkten direkt im Zollbereich, stiegen aus, gaben das Dokument für den Zoll ab, 2 min später nächster Schalter, Passkontrolle, Auto 5m vor fahren, Drogenhund hüpft durchs Auto und schon standen wir vor der estnischen Grenze, Dauer der Prozedur 20 min. Die estnische Grenze war die bestorgansierteste Grenze, die wir bisher in unseren ganzen Reisen erleben durften. Man fährt mehrspurig bis zu einer Ampel vor, immer wenn sie auf grün schaltet, kann das nächste Auto vorfahren. Man fährt vor ein kleines Häuschen, davon gibt es 6 Stück, es kommen 2 Beamte raus, die alles in einem Schritt erledigen, Auto anschauen, Ausweis anschauen und schon öffnet sich das Außentor und man ist durch. Gedauert hätte diese Aktion 10 min, wir hatten nur das Pech, dass wir uns nicht im Vorfeld informiert hatten, dass man von Russland aus nur 4 Päckchen Zigaretten mitnehmen darf. Wir hatten aber 10. Was wir auch ganz freiwillig zeigten, weil wir dachten das ist kein Thema. Somit mussten wir 6 Päckchen verzollen, was 30€ kostete. Diese Prozedur dauerte nochmal 20 min und wir haben dabei noch was gelernt, einfach die Zollbestimmungen vorher lesen, denn wir hätten die Zigaretten auch bequem im Auto, sagen wir mal, verstecken können. Für den Grenzübertritt hatten wir bewusst die Grenze bei Narwa ausgewählt, denn hier standen wir genau vor 2 Jahren bei einer unserer ersten Wohnmobiltouren auf der estnischen Seite und haben damals gesagt, irgendwann werden wir hierdurch mal so richtig nach Russland rein fahren, das wäre doch eine gute Idee. Naja und jetzt, nachdem wir 6800 km durch Russland gefahren sind und hier raus kommen, macht uns das richtig stolz. Wir bleiben eine kleine Weile hier und dachten da sehr intensiv drüber nach, wie positiv sich die Sache mit dem Wohnmobil für uns entwickelt hat. Als wir vor 2 Jahren hier standen, waren wir noch richtig blutige Anfänger in diesem Bereich, jetzt mit den gesammelten Erfahrung, mit den Ländern, die wir mit dem Auto schon besucht haben, sind wir gerade richtig glücklich, uns damals für das Auto entschieden zu haben und nicht weiter kurze Flugreise unternommen zu haben. Die Welt hat sich auf eine interessantere Art und Weise für uns dadurch geöffnet.

Da wir jetzt aus Russland raus waren, was wirklich super unkompliziert lief, noch ein paar abschließende Worte zu Russland.

Das Komplizierteste war eigentlich, sich an die Sprache zu gewöhnen, bzw. dass man nicht mehr so einfach kommunizieren kann. Wenn wir wieder nach Russland fahren, was wir vorhaben, werden wir uns im Vorfeld Standardsätze, wie zum Beispiel „Können Sie mir sagen, wo ich Wasser bekommen kann?“ vorbereiten und so diese sprachliche Barriere wenigstens ein bisschen einzudämmen. Man trifft zwar hier und da mal jemanden, der ein bisschen englisch kann, aber das ist eher die Ausnahme. Es ist aber nicht nur die Sprache, sondern auch die Schrift. Man kann z.B. nicht jeden Geldautomaten auf englisch umstellen. Das mit dem Google Übersetzer ist zwar schon eine Lösung, aber sobald jemand mit Dialekt spricht kommt nur Blödsinn raus und man muss furchtbar aufpassen, dass keine Missverständnisse entstehen.

Was den Diesel betrifft, im tiefsten Sibirien gibt es Euro 5 Diesel. Besonderheit hier beim Tanken, man muss vorher sagen, welche Menge man tanken möchte und diese vor dem Tanken bezahlen. Hat man sich verschätzt, bekommt man das Geld zurück.

Die Straßen sind weitestgehend wirklich in Ordnung, sehr gut zu befahren. Wie ja schon ein paar Mal beschrieben, man kann überall schlafen und anhalten. Auch waren die Russen sehr hilfsbereit, wobei man aber auf sie zugehen muss, sie sind sehr zurückhaltend. Dafür, dass wir so viele Denkmäler, mit denen man den gefallenen Soldaten des 2. Weltkriegs gedachte gibt (dort sind oft Hunderte von Namen aufgelistet), in jedem Ort gibt es ein Denkmal, selbst im tiefsten Sibirien, sind die Russen erstaunlicherweise deutschfreundlich.

Übernachten: man kann sich hier überall einfach in die Wiese/ den Wald schlagen, was wir auch das eine oder andere Mal taten. Da aber zu der Zeit, in der wir jetzt Russland besuchten, die Feldwege oft sehr matschig waren, wichen wir auf die LKW Rastplätze aus und haben uns sehr daran gewöhnt, weil es total easy ist, 100 Rubel pro Nacht (1,43€), wir verglichen es mit den Walmartparkplätzen in den USA. Es gibt sie überall und sie sind bewacht. Wenn die Infrastruktur gegeben war, z.b Wasserleitungen vorhanden, gab es Duschen, Waschmaschinen oft auch Restaurants. Wenn nicht, gab es nur Plumpsklos.

Was hier ein bisschen schwieriger ist gegenüber den anderen Ländern in denen wir waren, ist Brauchwasser zu bekommen. Lebensmittel zu kaufen ist überhaupt kein Problem, ok, manchmal kauft man was, von dem man denkt, es ist etwas anderes, z.b. dachte ich, die kaufe ein Konservendose mit Kondensmilch, was sich aber als Rinderbrühe entpuppte. Oder Streichkäse, der für mich aussah wie Margarine. Die meisten Lebensmittel kosten die Hälfte wie in Deutschland, aber es gibt auch wieder andere, die genauso teuer sind. Man kann sich gut mit Lebensmitteln versorgen, allerdings ist oft die Auswahl eingeschränkt. Ganz besonders fällt das auf bei Obst und Gemüse, ganz besonders in Sibirien oder in ländlichen Gebieten. Es gibt wirklich nur wenig Auswahl dort und eigentlich immer das gleiche, es gibt nie Salat, sondern nur Weißkohl, es gibt Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten und meist verschrumpelte Karotten, mehr nicht. Also muss man auch beim Kochen umdenken und das nehmen, was es gerade gibt. Als Obst kann man Äpfel und Orangen kaufen, das wars. Deutlich wird einem bewusst, wie sehr uns unsere EU-Norm, wie Obst und Gemüse zuhause auszusehen hat, beeinflusst. Denn hier sieht nichts genormt aus.

Das Thema Internet: wir waren bei Megafon, kostet 7€/ Monat, es gibt keine Beschränkung. Und wir hatten auch weitestgehend überall Internetempfang.

Was das Wetter betrifft, hatten wir mittags 20°C plus Sonne und abends -10°C. Es gibt extreme Temperaturschwankungen. Dazu der eiskalte Wind, den es sehr häufig gab. In keinem Land mussten wir so auf die Wetterprognosen achten wie hier, um die richtige Kleidung parat zu haben. Wir hatten viele schöne Tage, aber man muss schon ein bisschen vorbereitet sein und auf das Wetter reagieren, mehr fahren, wenn das Wetter nicht gut ist, und mehr verweilen, wenn man mal gutes Wetter hat.

Dann ist Russland verdammt groß. Landschaftlich ist es nicht unbedingt so abwechslungsreich. Entweder fährt man tagelang durch Birkenwälder, in Sumpfgebieten, oder durch dichte Nadelholzwälder. Die Landschaft verändert sich, je weiter man nach Osten kommt, desto karger wird es.

Das Gas für die Gasflaschen kann überall problemlos aufgefüllt werden.

Die anfänglichen Kontrollen (bis zu 7 mal an einem Tag), als wir das erste Mal nach Russland rein fuhren, ließen in anderen Gebieten komplett nach. Die Polizei ist allgegenwärtig, es gibt eine unglaublich große Anzahl an Blitzern überall, manchmal im Abstand von wenigen Kilometern, die Polizisten achten nach wie vor darauf, ob man über durchgezogenen Linien fährt. Die Straße, die durch Sibirien bis Irkutsk führt, ist stark frequentiert, besonders durch LKWs. Aber alle fahren 90 kmh (bis auf ein paar Idioten, die es aber überall gibt), also kein Problem.

Uns hat Russland außerordentlich gut gefallen. Es ist allemal einfacher und viel unkomplizierter, als man von zuhause aus denkt. Wir kommen wieder. Ganz besonders St. Petersburg hat uns richtig geflasht, diese Stadt ist eine Reise wert, auch mit dem Flugzeug.

Zurück zu unserem heutigen Tag:

Nachdem wir Estland ca. 200 km durchfahren hatten, standen wir in Lettland, es gab keine Grenze mehr, es war nach den vielen Grenzen, die wir in letzter Zeit hatten, eine wunderschöne Erfahrung, wie einfach alles sein kann. Auch brauchte man keine spezielle Handykarte, wir mussten kein Geld wechseln. Die EU hat wirklich viele viele Vorteile, die wir jetzt wieder genießen konnten. Von der Grenze zu Lettland ging es nach Riga mit einer kleinen Stadtbesichtigung. Riga hat einen sehr schönen touristisch erschlossenen Ortskern, aber wer etwas weiter drumherum schaut, sieht noch die Einfachheit. Ausser der der Tourizone, hatte man teilweise das Gefühl, der Krieg ist gerade zuende und jetzt kann es in der Entwicklung wieder weiter gehen, so einfach waren die meisten Häuser. Aber auch das hatte was, das so gesehen zu haben. Es wirkte nicht abschreckend, sondern interessant. Natürlich merkten wir wieder mal, wie privilegiert wir sind, in Deutschland leben zu können.

Da die Sonne schien und wir noch Zeit und Lust hatten, fuhren wir noch weiter bis Litauen. Wir besichtigten nochmal den Berg der Kreuze bei Siauliai. Das ist ein wirklich interessanter Ort, Ein Wallfahrtsort. Hier ist ein kleiner Hügel, der zugepflastert ist mit Tausenden und Abertausenden von Kreuzen. Es ist eine Revolte/ stiller Protest gegen die russische Föderation, denn vor vielen vielen Jahren hat man hier gefallenen Soldaten Kreuze zum Gedenken errichtet, die aber von der russischen Politik wieder entfernt wurden. Über Nacht wurden sie wieder neu aufgestellt. Es wurden immer mehr. Heute kommen Menschen aus aller Welt, um hier nochmal verstorbenen Verwandten oder Freunden ein Zeichen zu setzen. Es kostet keinen Eintritt, es ist einfach ein Hügel, den man besuchen kann und sein Kreuz hier lassen kann. Ich denke, die Bilder sprechen für sich.

Anschließend dachten wir, wir hören mal auf den IOverlander und fahren an einen See, setzen uns nochmal ein Stündchen vor das Auto und übernachten hier. Aber als wir dort ankamen, fand dort im Wald ein Militärübung statt und wir standen zwischen Hunderten von voll ausgerüsteten Soldaten, sodass wir auf den nächstgelegenen Rastplatz auswichen.

Jetzt sind es noch 1750 km bis Frankfurt. Wir haben uns entschlossen, jetzt doch schon nach Hause zu fahren, wir werden voraussichtlich Montag oder Dienstag dort ankommen, nach einer 3- monatigen, wirklich sehr interessanten Rundreise durch die Türkei, Iran, Aserbaidschan, Georgien, Armenien, Kasachstan, Mongolei, Russland, Estland, Lettland und Litauen. Es wird Zeit, mal zuhause nach dem Rechten zu schauen, einige Dinge in Ordnung zu bringen und dann weiter zu fahren nach Portugal.

Vor zwei Jahren auf der Rückreise vom Nordkapp kamen wir das erste Mal durch die 3 Balikumstaaten, Estland, Lettland und Litauen. Damals waren wir total beeindruckt und begeistert, wunderschöne Länder. Jetzt, nachdem wir so viel gesehen haben, wirkt es gar nicht mehr so außergewöhnlich. Was diese Länder nicht abwerten soll, im Gegenteil, sie sind alle drei wunderbar geeignet, um sie mit dem Wohnmobil zu entdecken, sich treiben zu lassen, es gibt überall Orte, an denen man übernachten kann, Aber es ist auch alles ein bisschen wie Deutschland, keine wirklich Herausforderung. Weil wir gerade bei der Herausforderung sind. Wie geht es bei uns weiter? Ein festes Ziel haben wir derzeit nicht, wir wollen uns erstmal ein bisschen bei Lena in Portugal erholen und uns dann damit beschäftigen, welche Länder wir als nächstes angehen. Das ist ja mittlerweile nicht mehr ganz so einfach, neue zu finden. Aber man munkelt, dass man ja doch mal über die Türkei in den Irak rein schaut, der wiederum an Jordanien grenzt, was übrigens ein wunderschönes Land zum Bereisen ist und auch ungefährlich. Von Aqaba/ Jordanien aus geht eine Fähre nach Nuweiba/ Ägypten, weiter durch Libyen, Tunesien und mit der Fähre nach Sizilien. Das wäre etwas für die Winterzeit. Für die Sommerzeit wäre eine Reise über das Baltikum, Russland / Murmansk, Nordkapp eine Idee, die uns reizen würde. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

@ Lena 3.589 km de frango piripiri

56°11'39.9"N 23°34'11.0"E

56.194414, 23.569714

59.939871, 30.328645                                    Church of the Savior on Blood, Sankt-Peterburg

unsere Rückreise durch Russland, 6800 km, 14 Tage, durch 6 Zeitzonen, durch 2 Kontinente, Asien und Europa. im hinteren Teil, in Sibirien ist russland noch so wie man es sich vorstellt und je mehr man Richtung Westen kommt, desto moderner und zivilisierter wird es. Das war sehr eindrucksvoll zu spüren. Das war wie durch zwei Welten zu fahren. 

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26.05.2019  145.642 km Tag 306

Heute machten wir Strekce, wir sind auf dem Rückweg, wir durchfuhren den Rest von Litauen, fuhren durch Polen. Natürlich genossen wir weiterhin ein Grenzübertritte, einfach durchfahren. Und dann stellte Thomas mir spontan eine Frage: „Was hat dir diese Reise gebracht, bzw. was hast du auf dieser Reise gelernt?“

Ich dachte kurz nach. Aber ganz klar, ich bin geschockt, dass wir in Europa und Deutschland so sehr in unseren Vorurteilen leben, dass wir damit aufgewachsen sind, dass z.b. Russland unser Feind ist, alle Russen zwielichtig, dass Russland nicht wirklch ein erstrebenswertes Reiseziel ist. Klar, viele Menschen fliegen mal nach St. Peterburg oder Moskau, aber das war es auch schon. Und das gleiche gilt für den Iran. Ich schäme mich dafür. Denn im Gegenteil, wir Deutschen könnten uns eine Scheibe abschneiden, in Bezug auf Hilfbereitsschaft, Wärme, Offentheit, die man bei diesen Menschen hier spürt.

Wenige Minuten später stellte ich Thomas die gleiche Frage. Er antwortete sofort, weil er sich schon im Vorfeld viele Gedanken gemacht hatte. Wie eindrucksvoll, aber auch sicher das Reisen mit dem Wohnmobil eigenlich ist, wie intensiv man die Welt hierduch erleben kann und wie hilfsbereit die Menschen auf der ganzen Welt bisher zu uns waren, die uns nicht kannten. Aber ob wir eine Frage hatten, ob wir eine Panne hatten, ob wir irgendetwas brauchten. 95% der von uns angesprochenen Menschen ließen alles stehen und liegen, um uns weiter zu bringen, zu unterstützen, zu helfen. Niemand wollte dafür irgendeinen Euro. Wir haben diesbezüglich so viele tolle Sachen erleben dürfen. Lediglich, wenn man in Tourigebieten ist, spürt man, dass man am Geld interessiert ist.

Jetzt sind s noch 700 km bis nach Hause.

Wir werden den Blog zuhause noch etwas überarbeiten in den nächsten Tagen. Aber wirklich Neues gibt es erst, wenn wir erneut auf Reisen gehen. Auch die Entscheidung ist gefallen, was meine berufliche Situation betrifft. Zuerst war ja ein Jahr geplant und ich dann wieder Arbeiten gehe. Ich werde um ein Jahr verlängern, mein Entschluß ist, dass ich noch ein weiteres Jahr dran hänge, in dem wir uns weiter die Welt anschauen werden. Derzeit gibt es zwei Termine, für die wir in Deutschland sein müssen, einmal August/September aus oragnisatorischen Gründen und von Januar bis April, in der Zeit liegt Thomas jährliche Untersuchung.

 

Eine Reise steht auch schon fest, wir können sie nur jetzt noch nicht antreten, der 2. Teil der Panamerica, der mittel- und südamerikanische Teil bis nach Argentinien, aber das geht erst, wenn Jerry nicht mehr bei uns ist, dafür und für den langen Flug ist er zu alt. Also hoffen wir mal, dass wir noch lange darauf warten müssen. Und dann gibt es noch unseren Wunsch, nach Island und die Faröer Inseln zu fahren. Auch das geht nur ohne Hund wegen der strikten Quarantänebestimmungen darf kein Tier das Land betreten.

@ Lena 2.544 km de frango piripiri

52°18'50.8"N 15°46'54.6"E

52.314100, 15.781840


27.05.2019  146.696 km Tag 307

 

wieder in Frankfurt seit 15 Uhr