Kanada-USA-Mexico

Start 21.06.2018 in Halifax


...begleitet uns ein Stück des Weges und erlebt unseren Traum mit uns!


Kanada

01.05.2018

Vorfreude ist eine der schönsten Freuden. Und man kann stundenlang mit Wohlwollen seine anstehende Reise googeln, in der Fantasie Purzelbäume schlagen, sich Stück für Stück mehr packen lassen, von dem neuen Land, neuen Kultur bis man es nicht mehr abwarten kann, bis es endlich los geht. Und los geht es diesmal am 20.06.2018.Ziel ist diesmal KANADA/USA/MEXICO

 

Viel auf dem Alaska Highway, Panamericana , ein bissel auf der berühmten Rout 66

 

Oder vom Atlantik zum Pazifik einmal quer durch Kanada

 

Oder Belugawale, Grauwale, Delfine, Lachse, Grizzlybären, Braunbären, Elche in freier Natur in allernächster Nähe zu erleben.

 

Oder durch die unberührte Wildnis Kanadas Alaskas durch die Rocky Mountains die Wüste Nevada Arizona nach Mexiko in die Baja California

 

Oder Besichtigung NewYork, Washington, Niagarafälle, San Francisco, Las Vegas, New Orleans, Miami u.s.w.

 

Oder der erste Teil der längsten Straße der Welt ,die  PANAMERICANA  VON ALASKA NACH FEUERLAND

 

Oder einfach ausgedrückt, alles was auf dem Weg liegt, uns interessant erscheint und wo wir einfach Lust drauf haben anzuschauen, zu erleben, zu genießen.

 

Grober Routen Entwurf, mal so vorab, von dem wir aber reichlich nach rechts oder links abweichen werden.

 


 

1.Route

Halifax- Saint John- Portland- Bosten- New York- Philadelphia- Baltimore- WahingtonDC- Richmond- Pittsburgh- Buffalo- Toronto- Montreal- Quebec- Rimouski- Campbelton- Prince Edward Island- Halifax        6.311 km------ Bild 1 .

 

2.Route

Start: Tadoussac- Saguenay- La Dore- Chapais- Waswanipi- Val d Or- Thunder Bay- Winnipeg

Straßen Nr.   138-172-169-167-113-117-11-101-17

Bild 2    voraussichtlich  2.700 km

 

3. Route

Start: Calgary - Jasper - Edmonton - Jasper - Prince George - Prince Rupert (Pacific)- Stewart (Alaska, ganz kurz) - Watson Lake - Whitehorse - Dawson City - Tuktoyaktuk - Dawson City - Fairbanks

Straßen Nr.  A1 - 93 - 16 - 37 - 1 - 2 - 5 - 8 - 2

Bild 3 voraussichtlich 6.617 km

das wäre unser nördlichster Punkt

 

4 Route

Start:  Fairbanks - Anchorage - Homer - Anchorage - Tok - Whitehorse - Fort Nelson - Dawson Creek - Hinton -Kamloops - Vanncouver

Straßen Nr. 3-1-97-43-40-93-5

Bild 4 voraussichtlich 5.170 km

 

5 Route

Start: Grenze Washington-Oregon-Idaho-

Wyoming-Montana-Norddakota-Süddakota-Nebraska-Missouri-Kansas-Colorado-Utah-Nevada-Kalifornien-Arizona-Mexiko (Baja California)

Bild 5 voraussichtlich 10.103 km

Vorab gab es reichlich zu tun . Hierbei war das Visum für Kanada für ein ein halbes Jahr das einfachste. Online in 5 Minuten beantragt. Und nach fünf Minuten genehmigt. Das amerikanische B1 Visum hingegen war schon eine richtige Herausforderung, brauchten wir zwei bis drei Stunden am PC, + ein persönliches Gespräch in der amerikanischen Botschaft, alles in allem eine zeitaufreibende Herausforderung. Belohnt wurden wir mit einem 10 Jahres Visum, sodass wir jetzt mehrfach in Amerika ein und ausreisen können bei beim jeweiligen Grenzübertritt der Grenzbeamte die Aufenthaltsdauer neu festgelegt.

Nach wochenlanger Analyse stellte sich heraus, dass es erheblich günstiger ist mit dem eigenen Wohnmobil die Reise anzutreten. Somit war die nächste Herausforderung gefunden wie bekomme ich unser Wohnmobil nach Kanada? Gesucht gefunden, zwei bis drei Anbieter standen zur Auswahl.Wir haben uns für Seabridge entschieden. 2200 € für die Verschiffung +300 € Hafengebühren in Halifax(bei frühzeitiger Buchung ist es möglich auf dem Schiff mitzufahren).  Die Kosten werden aber allein durch die Ersparnis beim Benzin gegenüber amerikanischen Wohnmobilen um ein Vielfaches wieder reingeholt. Ja und wer fährt nicht sowieso lieber mit seinem eigenen auf sich zugeschnittenen Wohnmobil, da weiß man was man hat. Tja der unangenehmste Posten ist dann wohl die amerikanische KFZ Versicherung, für für ein halbes Jahr 2200 Dollar und gilt für Kanada und USA. Dagegen ist die für sich persönlich abgeschlossene Auslandskrankenversicherung über den ADAC ein Schnäppchen mit 220 € für ein halbes Jahr.

Ach ja für die amerikanische Kfz-Versicherung wird noch ein internationaler Führerschein gebraucht den man auf der Zulassung binnen fünf Minuten ausgestellt bekommt.

Dann gabs noch so einiges zu regeln z.b. wer kümmert sich um die Post eine Bankvollmacht für die Person des Vertrauens, ein Arzt Check , wer gießt die Blumen wer mäht den Rasen, lauter so Kleinigkeiten waren einfach im Vorfeld noch zu klären. Denn diesmal wird die Reise ja ein wenig länger dauern.

 

 

08.05.2018

noch 13 Tage bis wir unser Auto nach Hamburg zur Verschiffung bringen.Am kommenden Wochenende wird Probe gepackt, alles noch mal geprüft, denn was wir vergessen haben müssten wir 14 Tage später im Flieger mitnehmen. Dort wollen wir uns aber auf Handgepäck beschränken.In dem wir mit unsere Wertsachen wie Laptop,Fotoausrüstung die freien 2 x 10 kg schon reichlich strapazieren.

Eine leichte Anspannung ist jetzt zu verspüren, haben wir an alles gedacht ,wurde alles berücksichtigt .....

 

Bei den unzähligen Reiseberichten, die ich in den letzten Monaten studiert habe wurden viele aufmunternde Worte gefunden. Hier mal ein Auszug von anderen Wohnmobil reisenden.(unsere angedachte Reisezeit ist jedoch nicht so lang ,wie die der hier aufgeführten) 

 

Aussagen von anderen Reisenden :

Was ratet ihr anderen nach Euren gemachten  Erfahrungen/Erlebnisse ?

Was hat Euch am meisten beeindruckt ?

 

" Wie sehr wir uns in der Welt und in uns Zuhause fühlen. Dass die Menschen grundsätzlich überall freundlich sind. Welche Schätze diese Welt zu bieten hat. Wir möchten keine Sekunde dieser Reise missen. Es ist für uns die bisher schönste Zeit unseres Lebens. Und wir wissen schon jetzt, es wird nicht unsere letzte längere Reise sein. An alle, die noch darüber nachdenken, ob sie es wagen sollen, oder nicht: Tut es! "

(Andy und Sabine 1185 Tage unterwegs)

 

 

 "……….eine super Reise, die wir mit Nichts tauschen würden! Fast alles ist möglich, man muss es nur genug stark wollen! Den Luxus jeden Tag entscheiden zu können, WAS und WANN man was machen will, empfanden wir als sehr schön. Man hat viel mehr Freiheiten, als im alltäglichen Leben daheim."

 

(Michel und Ursi + 2 Hunde 910 Tage unterwegs)

 

" Das größte Abenteuer an unserer Reise ist in unserer Generation wohl das „Losfahren“. Dass wir überhaupt die Entscheidung zu dieser Reise getroffen und den Alltag hinter uns gelassen haben. Und dass wir jetzt die Erfahrung machen dürfen, dass die große, weite Welt so viel weniger beängstigend ist als wir von Zuhause häufig denkenDer Perspektivwechsel, der mit so einer Reise einhergeht und der uns einen Blick von außen auf unseren Alltag vor der Reise ermöglicht, ist extrem spannend."

 

(Ali und Malte unterwegs 395 Tage)

 

" Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele: Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur. Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist's! Reise, reise!

 man wächst mit seinen Aufgaben und wir haben viel gelernt für unser Leben.

Freiheit und eine Familie mit sehr viel gemeinsamer Zeit, dafür sind wir sehr dankbar. So richtig bewusst wird uns das wohl erst bei unserer Rückkehr werden, vor der es uns schon graust wieder bei Null anzufangen.

Auch wenn wir Deutschland den Rücken zugewandt haben um die Welt zu entdecken, es ist ein sehr lebenswertes Land und wir wissen es sehr zu schätzen, das Glück gehabt zu haben dort geboren zu sein. Zuviel Elend und menschenunwürdige Bedingungen sind uns begegnet und machte uns oft unser Privileg und die daraus resultierenden Möglichkeiten bewusst."

 

(Michi und Thorben +2 Kleine Kinder 730 Tage unterwegs)

 

" Die schönsten Teile der Länder zu bereisen und ihre Bewohner kennen zu lernen, an den herrlichsten Plätzen einige Tage zu verweilen, immer sein Zuhause dabei zu haben, Lagerfeuer an schönen Stränden zu machen, andere Reisende treffen und stundenlange übers Reisen tratschen...

Dass wir alle Situationen gemeinsam gemeistert haben. Dass alles irgendwie geht, wenn man es möchte und man zusammen hält."

(David und Claudia  690 Tage unterwegs)

 

"Man wird noch viel ehrlicher zueinander als man es vorher vielleicht schon war.

Wir glauben mit dieser Reiseart am meisten von einem Land und deren Einwohner mitzubekommen. Man hat seinen Reisealltag selbst im Griff und ist nur selten von jemanden abhängig. Wir könnten ewig so weitermachen."

(Sarah und Christian  547 Tage unterwegs)

 

"…. dabei haben wir unendlich viel Neues begriffen.

 Jetzt oder in der Zukunft! Der erste Schritt ist immer der Schwerste!

Zu wissen, dass wir mit unserer Entscheidung zu reisen, das Richtige gemacht haben. Die Zeit die uns bleibt ist beschränkt und zu kostbar um diese im normalen Alltagsstress zu verbringen.Dass alle Reisende das selbe sehen und es doch jeder ganz anders interpretiert/erlebt."

 

(Yasha und Jürgen 912 Tage unterwegs)

 

Ganz besonders viel mir in allen gelesenen Reiseberichten auf wie immer wieder betont wurde, das alle über die Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Offenheit der Menschen in den bereisten Ländern überrascht waren. Was sich auch in der von uns bisher gemachten Erfahrung wiederspiegelt, je Ärmer das Land desto Hilfsbereiter, waren die Menschen.

 


27.05.2018 km 53.007 Abfahrt Frankfurt 15 Uhr Richtung Hamburg Hafen  53.526446 , 10.010539 Ankunft 21 Uhr .Die Fahrt dauerte 4 Stunden länger als geplant, da durch die unzähligen Baustellen auf der A7 wir uns von Stau zu Stau gehangelt haben. (Hier wurde uns bewusst, dass wir bei unseren bisher gefahrenen 53.000 km wohl viel Glück gehabt haben, denn noch nie hatten wir solchen üblen Verkehr wie auf den heutigen 500 km). Übernachtet haben wir direkt vor dem Terminal O`Swaldkai, der übrigens rund um die Uhr besetzt ist.

28.5.2018 km 53517, Ab 6h morgens kann man im Gebäude eine Nummer ziehen und ab 6.50h wurde man aufgerufen. An Unterlagen benötigte ich den Führerschein, Fahrzeugschein und den Personalausweis. Nach 2 min bekam ich einen Beleg mit dem ich dann mit gelber Weste bestückt in den Zollbereich einfahren durfte. Das Auto wurde jetzt nochmal äußerlich kontrolliert auf Schäden und es wurde ein Protokoll erstellt. Es hat niemand in das Innere des Auto geschaut. Danach habe ich das Auto verschlossen, den Schlüssel abgegeben und das Hafengelände zu Fuß wieder verlassen. Dauer der ganzen Aktion ca. 40 min. ein mulmiges Gefühl, das Auto dort so alleine zu lassen  und sich umzudrehen und zu Fuß zum Zug zu gehen.Zurück sind wir mit dem ICE nach Frankfurt gefahren.. 


Die zwei wichtigsten Tage deines Leben sind ,der Tag an dem du geboren wurdest

und der Tag an dem du herausfindest warum .....

(Mark Twain)


18.06.2018 Km 53517

Noch 3 Tage bis zum Abflug ,es ist alles vollbracht.6 monatige Organisation, die es in sich hatte (es gibt wirklich 1000 zeitaufwendige Kleinigkeiten, an die man denken muss ). Nun sitzen wir gerade gemütlich, entspannt, voller freudiger Erwartung auf das kommende Abenteuer bei einem Glas Wein/Hefeweizen.

Das Womo wurde am 04.06.2018 planmäßig  auf die Atlantic Sail verladen (die Überfahrt hat 2500 € gekostet).Erwartete Ankunft in Halifax 19.06.208, 5 Uhr früh. Auf den Bildern ist das Schiff kurz vor Halifax (18.06.2018 20 Uhr).


Abflug 21.06.2018

 

Vielen Dank an Anthony für das Bringen zum Flughafen, das hat, besonders durch die riesige Hundebox einiges erleichtert.

Am Flughafen lief eigentlich alles problemlos. Jerry muss in die Box, ein Mitarbeiter von Condor prüfte, ob die Größe der Box ok ist. Zum Glück war sie das. Dann hatten wir nur noch 30min mit Jerry, danach wurden alle Dokumente fertig gemacht, die Box wurde durch einen weiteren Mitarbeiter überprüft, ob Jerry was schmuggeln will und er musste endgültig in die Box. Nun ging alles ganz schnell, Jerry rein geschoben, was wunderbar klappte, ganz gegen unsere Erwartungen und er wurde weggerollt. Unser Herz blutete und Jerrys Blick hat das noch verstärkt.

Dann waren wir alleine und es wurde auch für uns Zeit, zum Sicherheitscheck zu gehen, für Leute, die sich auskennen, Flugsteig B, absoluter Horror. 30Min, bis wir kontrolliert wurden.

Völlig überraschend für uns, dass es keinen interessiert hat, dass wir im Handgepäck eine Riesentüte Medikamente für alle Eventualitäten hatten.

Danach ging es direkt in den Flieger, allerdings verzögerte sich der Start um 20 min.

Der Flug selber, 7.5h, war sehr angenehm in Premium Economy, Obwohl der Flug relativ voll war, hatten wir einen Doppelsitzplatz und sogar noch die freie Dreierreihe eben uns zum Hinlegen, was Thomas auch gleich ausnutzte (was uns einige neidische Blicke eingebracht hat).

 

In Halifax, Ortszeit 20.40h angekommen, waren wir mit die ersten am Kontrollpunkt für die Einreise, der aus einem Computer bestand, an dem man zig Fragen beantworten musste. Und genau hier haben wir eine Frage falsch beantwortet, was wir später zu spüren bekamen.

Es ging weiter zur nächsten Personenkontrolle (davon gab es insg. 3 Stk.). Dann ging es zum Sperrgepäckschalter, dort wartete eine Hundebox mit Jerry auf uns, während die anderen noch auf ihr Gepäck warten mussten.

Jerry musste in der Box bleiben und wir waren zügig auf dem Weg zum Ausgang. Was wir erst später wahrgenommen haben, ab diesem Zeitpunkt waren wir schon in Begleitung eines Zollbeamten. Wir waren schon am Schlid „Exit“, letzte Kontrolle und hier hieß es Stop, bitte hier entlang und wir waren in der Zollkontrolle.

Jetzt wurden wir gefragt, mit Nachdruck“ Sind Sie sicher, dass Sie alle Fragen richtig beantwortet haben? Wir bestätigten das (in diesem Moment waren wir das auch 100%)

Der Zollbeamte zog ein Protokoll hervor, indem wir in der langen Auslistung nach eingeführten Gegenständen, wie Nüssen, Milch, Früchten..... lebende Tiere (ähhm....überlesen) und noch viele andere Dinge genau das verneint hatten. Das Gesicht der Zollbeamten verfinsterte sich, die Tonlage respekteinflössend, er zeigte auf den Hund und fragte, ob das ein lebendes Tier sei, uns rutschte das Herz in die Hose und ich stotterte....jjjaaaa... dann wurden wir darauf hingewiesen, dass eine falsche Angabe eine Geldstrafe von 1300$ nach sich zieht.

Jetzt wiederholte er die Frage: ist das IHR Hund? In sehr scharfem Ton, ich bejahte abermals. Dann sagte er, ist das Ihr erster Besuch in Kanada? Ich bejahte wieder.

Jetzt hellte sich das Gesicht des Beamten auf, er sagte, dass ist aber ein süßer Hund. Ich will mal nicht so sein, passen Sie beim nächsten Mal bitte besser auf, denn eigentlich gibt es keine Ausnahme.

Nach der Ermahnung und noch ein bisschen Papierkrieg, konnten wir einreisen und Jerry endlich aus seiner Box befreien. Letztendlich wurde nichts von uns oder Jerry (wie Impfungen, Papiere oder Chip) kontrolliert. Eigentlich haben sich alle Beamte nur gefreut, den Hund zu sehen, zu fragen welche Rasse er ist, wie alt. Wenn uns auch der Zollbeamte einen gehörigen Schreck eingejagt hat, wurde alles mit einer unglaublichen Höflichkeit, Freundlichkeit und Offenheit abgewickelt, wie wir es noch nie bisher erlebt haben.

So sehr, dass wir das Gefühl entwickelten, dass hier irgendwas nicht richtig ist, ich glaube, die Deutschen könnten mal bei den Kanadiern in die Schule gehen. Diese Erfahrung durften wir bisher bei jedem Kontakt mit Kanadiern immer wieder machen. 

 

Jetzt brauchen wir noch unseren Leihwagen, da das Wohnmobil ja noch im Hafen ist. Wir konnten es gar nicht würdigen, dass wir für 60€ einen Jeep Cherokee bekamen, ein Riesenschiff, versuchten nur noch schnell ins Hotel zu kommen und zu schlafen, eine kurze Nacht lag vor uns, morgen früh wollen wir die ersten beim Zoll sein, wenn das dort zu lange dauert, haben wir das Auto nicht vor dem Wochenende.


Tag 1+2, 22/23.06.2018, Peggys Cove, 53584Km

 

Direkt von Hotel morgens früh zum Spediteur, wir hatten das Hotel extra in der Nähe gewählt. Zu früh für Frühstück, mein Magen brummelte, aber mit Thomas war nicht zu reden, da er alles ganz schnell erledigen wollte.

Beim Spediteur um 7h angekommen, kam aus dem Office eine Frau auf uns zu mit Papieren in der Hand. Mit ihr hatten wir einige Tage zuvor Emailkontakt, und sie gebeten, alles schon im Voraus fertig zu machen und ihr den Zeitdruck erzählt. Sie hat das tatsächlich getan, unglaublich. Hätte es nicht rechtzeitig funktioniert, der Hafen schließt um 12h, hätten wir 3 Tage im Hotel bleiben müssen.

Die Spedition bekam für die Abwicklung 150$.

Durch unser Offline Navi Osmand haben wir den Zoll 10min später problemlos gefunden, hier wurden uns wieder die gleichen Fragen wie schon am Flughafen gestellt, wie z.b. haben Sie Lebensmittel an Bord, was Thomas verneinte. Nachdem er die Reiseroute sah, strahlte er glücklich uns wünschte uns viel Spaß.

Wir bekamen die Stempel. Weiter geht es zum Hafen. Im Auto wurde Thomas unruhig.

Wir haben Lebensmittel an Bord, ungefähr 1000 Kaffeetabs und noch einiges andere. Wir erinnerten uns an den Zollbeamten gestern Abend, der uns mit Nachdruck darauf hinwies, keine falschen Angaben zu machen.... oh je, was kommt da jetzt.

Zum Hafen geht es ganz schnell. Und wieder wurden wir von einem strahlenden Mitarbeiter, mit für uns ungewohnter Höflichkeit empfangen, mit Weste und Besucherausweis ausgestattet und genauer Wegbeschreibung. Auf dem Weg hinein sahen wir auch schon unser Wohnmobil (wir nennen ihn Rudi). Der Gedanke, dass wir falsche Angaben gemacht haben, rutschte erst mal in den Hintergrund als wir einen optisch unversehrten Rudi sahen.

Jetzt mussten wir erst mal weitere Zollformalitäten durchführen. Ja, wir wiederholen uns, aber auch hier wurden wir mit einer Herzlichkeit empfangen...

Es wurden Dokumente erstellt (hier geht alles noch von Hand) und jetzt wird es spannend, der Mitarbeiter sagte, er geht jetzt noch mal hoch zur Polizei/ Zoll und holt sich das ok. In Thomas Gesicht konnte man erkennen, wie ihn der Gedanke an die falschen Angaben wieder einholte und das Herz in den Fußzeh rutschte. Wir mussten ca. 5min warten. Es waren schlimme 5min., bis wir einen pfeifenden Mitarbeiter die Treppe runter kommen hörten, der uns die Schlüssel und Papiere gab und sagte, ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Aufenthalt in Kanada, keinerlei Kontrolle an und im Auto, wir konnten einfach jetzt raus fahren.

Nächster Auftrag: Leihwagen loswerden, wir dachten, wir schaffen es ohne Navi und verfuhren uns natürlich, Thomas fuhr das Wohnmobil, ich den Leihwagen. Als wir ein Polizeiauto am Straßenrand stehen sahen, fragten wir nach dem Weg. Erst zeigten sie ihn auf dem Handy, und dann sagten sie, ach wissen Sie was, wir fahren sie hin. Unsere Gesichter daraufhin hätte man sicher gut filmen können. Sie haben uns wirlich bis zu Avis geleitet.

Danach folgte der Großeinkauf, auch Gasflaschen, Hundefutter, der Weg zum Campingplatz in Peggy Cove. Das Wetter ist richtig schön, Sonne, ein paar Wolken, relativ starker Wind.

Ein großer Auftrag liegt vor uns, alles im Wohnmobil verzurrte Zeug und die Einkäufe müssen an den richtigen Platz. Da aber alles voll ist und an der falschen Stelle, muss erst mal alles raus und wieder rein, das hat Stunden gedauert und Nerven gekostet.

Die Fahrt zum Campingplatz war sehr schön, idyllisch, landschaftlich fast mit Norwegen zu vergleichen (Fjorde)

Angekommen sind wir so richtig noch nicht, weil alles wirklich sehr anstrengend war.

Aber das wird sicher bald der Fall sein.

 

Bilder folgen, wenn wir mal unsere Kameras gefunden haben :-), aber soviel vorweg, Kanada ist wirklich wunderschön, hier ist alles etwas größer, nein, falsch, etwas viel größerr, alles geht etwas langsamer, auch der Verkehr, der aber wahnsinnig rücksichtsvoll abläuft. Wir sind jetzt 6h in Kanada unterwegs gewesen und es ist alles und haben bis jetzt nur positive Eindrücke.

 

Und Jerry hat tatsächlich die Reisestrapazen am Besten von uns dreien überstanden, er hüpft hier rum wie ein junger Hund und hält uns auf Trapp.

Tag 3   24.06.2018 (54059km)

Wir starteten morgens, haben uns nochmal Peggy Cove angeschaut, leider im Nebel. Ein wunderschönes kleines Fischerdörfchen. Ganz nah dort ist das Memorial für das abgestürzte Swissair Flugzeug von 1998. Im Laufe des Tages hellte sich das Wetter auf. D.h. von 15°C an Peggy Cove (Küste) bis zu 30°C im Hinterland.

 Die Fahrt ging bis Hopewell, dort kann man eine Gesteinformation (vom Wasser unter-bzw. ausgehöhlte Steine) anschauen. Eigentlich wollten wir hier übernachten, was uns aber untersagt wurde. Daraufhin ging es weiter Richtung US Grenze, um auf dem Weg auf einem Walmart Parkplatz zu übernachten. Das Autofahren ist hier wirklich völlig entspannt, Höchstgeschwindigkeit 110km, so gut wie alle halten sich dran. Sehr entspannt, man kommt nur nicht so schnell von A nach B wie wir es normalerweise gewohnt sind. Die Fahrt ging über den Highway No. 1. Schließlich übernachteten wir auf einem Fernfahrerparkplatz. Auch hier waren alle äußerst zuvorkommend,  wir sollten sogar zum Essen eingeladen werden. 

Uns geht es nach wie vor sehr gut .

Tag 04      25.06.2018 (54267km)

Der Tag begann sehr regnerisch und kalt, es sind 11°C. Es ging weiter auf dem Highway No.1, Richtung US Grenze (zu Maine) bei St. Stephens.  Hier unterbrechen wir kurz unsere Kanadatour , um New York und  Washington und um Anthony in Richmond, Virginia zu besuchen. Danach werden wir wieder über die Niagarafälle auf unsere  Kanadaroute zurück fahren. 

Nach einer 2stündigen Regenfahrt auf dem Highway, je näher wir der Grenze kamen, waren wir fast alleine auf der Straße, kamen wir an der US Grenze bei St. Stephens. Wir wussten nicht, was uns erwartet,  nach einigen Erfahrungen mit Nicht EU-Staaten, waren wir schon etwas nervös. Erstmal waren wir die einzigen an der Grenze. Kurzer Check der Papiere, dann wurden wir rein gebeten. Im Gebäude saßen 5 Grenzbeamte, alle sehr entspannt und freundlich. Da wir die US Grenze mehrmals passieren werden während unserer Reise und auch ein 10 Jahresvisum B1 haben, was unbegrenzte Ein-und Ausreisen möglich macht, war jetzt die Frage, wie lange der Aufenthalt dieses Mal gewährt wird, was am Sinnvollsten ist. Uns wurde ein Jahresvísum angeboten, was ungewöhnlich ist, aber darauf hingewiesen, dass das ein Problem an einer anderen US Grenze machen könnte, aufgrund der Ungewöhnlichkeit. So haben wir uns für ein 6-Monatsvisum entschieden, und werden dieses dann  bei Ausreise aus Alaska wieder zurück geben, weiter durch Kanada und dann bei der Einreise in die USA, um die Ostküste entlang zu fahren, ein neues bekommen. Der Beamte hat sich unsere Reiseroute angesehen und richtig mitgedacht, was am meisten Sinn macht. Inzwischen waren von den 5 Beamten schon 3 bei uns und haben mit diskutiert. Immer wieder sind alle abgeschweift, Routenverbesserungsvorschläge gemacht, gefragt, was denn da mit der deutschen Fußballmannschaft los ist. wir haben viel gelacht. Alles hat 45min gedauert, aber nicht weil sie uns Probleme gemacht haben, oder das Auto gefilzt, sondern, weil wir einfach geredet haben und sie neugierig waren auf das was wir vor haben.    Auto wollte keiner sehen, Hund auch nicht. Das war wirklich einfach. Wer hätte das gedacht?  

Nun sind wir in Amerika, Maine, auf dem Weg Richtung New York und Washington und Virginia.

Wenn wir wieder Internet haben, melden wir uns,  ist nicht so ganz einfach. Thomas versucht noch ein paar Fotos hochzuladen, wir werden sehen, ob das Wifi hier ausreicht.                                                       

noch Tag 4, noch sind die Straßen leer und nur 2-spurig.Übernachtet haben wir auf dem Walmart Parkplatz in Brunswick (das ist in den USA/ Kanada erlaubt und kostenfrei) und da wir ja eine lange Reise vor uns haben, wollen/können wir nicht jeden Tag auf einen Campground. Campingplätze sind aber sowieso nicht unser ding, bisher haben wir meist überall frei übernachtet. Das Auto ist so ausgelegt, dass wir 5-7 Tage autark stehen könnten. Dazu später mal mehr.

 

9 a.m. , es geht jetzt weiter Richtung New York, Strecke machen


26.6.2018, Tag 5 (55240km)

Die Fahrt von Brunswick Richtung New York, knappe 600km liefen sehr gut, an Boston vorbei, ohne jeden Stau. Aus 2 Autobahnspuren wurden zwischen zeitlich mal 3, dann 4, das höchste, was wir bisher kennen gelernt haben, waren 5.

 

Das System funktioniert besser als bei uns. Höchstgeschwindigkeit waren 110 kmh/65 Meilen (hält sich keiner so recht dran, es pendelt sich bei 120-125kmh ein), da fast alle gleich schnell gefahren sind, lief es auch bei ziemlich starkem Verkehr. Daran dass hier beidseitig überholt werden darf/wird, hat man sich schnell gewöhnt. Wir sind im durchschnitt 110 kmh mit Tempomat gefahren.  

Nichts desto trotz haben wir den Campground direkt am Hudson mit Blick auf die Skyline von Manhattan und die Freiheitsstatue erreicht. Dieser Campground ist eigentlich immer voll ausgebucht und wir haben nicht reserviert. Wieder lernten wir die Flexibilität und Höflichkeit kennen, man schaffte Platz für uns, hinter dem platz liegt eine Werft für kleinere Boote, zwischen denen wir einen Platz gefunden haben.

 

Obwohl es jetzt schon relativ spät ist und bald dunkel wird, wurden die Fahrräder in Windeseile startklar gemacht und wir fuhren zu dem sehr nahen und wirklich perfekten Platz mit Blick auf die Skyline von Manhattan, von hier 5min mit dem Fahrrad. Es ist wirklich fantastisch, hier sitzen zu können und diesen Blick zu genießen während langsam die Sonne untergeht. Was für ein Geschenk!

Die Zeit ist so schnell vergangen, ohne dass wir es gemerkt haben, weil es so eindrucksvoll war und wir aus ständig wieder den Fotoapparat in der Hand hatten.

Gegen 23h sind wir schlafen gegangen, die Nacht hier mitten in New York war sehr ruhig und wir haben uns hier sehr sicher gefühlt.


27.6.2018, Tag 6, (55240km)

 

Kurze Nacht.....der Wecker klingelt um 5.30h, denn wir wollten die ersten in Manhattan sein und sehen wie diese pulsierende Stadt erwacht.

Direkt neben dem Campground ist eine kleine Fähre, die uns und die Fahrräder für 6$ mitten ins Herz Manhattans in nur 5 min bringt. Ich machs mal kurz: wir drifteten mit unseren Fahrrädern quer durch Häuserschluchten in Manhattan, besichtigten Ground Zero, beobachteten die Menschen auf dem Weg zur Arbeit, gönnten uns in einem Park einen Starbucks Cafe für 6$ und saugten das Flair der Stadt auf. Die Stadt ist selbst früh morgens, ohne dass viele Menschen unterwegs sind, laut, wie ein Grundrauschen. New York sehen und staunen, ja, aber hier leben? Nein, viele zu voll und hektisch und laut.

Wir haben noch nie so viele Jogger gesehen morgens früh, für uns war das Slalom fahren zwischen Joggern, die noch vor der Arbeit unterwegs waren überall.

Aber auch haben wir noch nie sooo viele Polizisten, teilweise schwer bewaffnet gesehen, wie in dieser Stadt. Wir haben uns noch nie irgendwo so sicher gefühlt wie hier, egal wo man steht, in Sichtweite ist immer Polizei. Man bekommt das Gefühl, die Hälfte der Einwohner New York muss Polizist sein.

Gegen 11 machten wir uns auf den Rückweg, die Zeit verging sehr schnell. Wir haben den Morgen sehr genossen, es ist es wirklich wert, sich diese Stadt anzuschauen, sie auf sich wirken zu lassen, man muss sich einfach nur irgendwo hinsetzen und den Leuten zusehen und staunen. Frankfurt ist ein Dorf gegen diese Stadt. Zum Glück ist es heute nicht so heiß, sondern etwas bewölkt, was zwar keine Topfotos bringt, aber für uns und den Hund wirklich angenehm ist. Die hohen Temperaturen liegen noch vor uns, bevor wir wieder Richtung Kanada fahren werden, in Richmond soll es bis zu 40°C werden.

Heute Nachmittag werden wir mit den Fahrrädern in die andere Richtung fahren, Richtung Freiheitsstatue und sie mal genauer unter die Lupe nehmen. Ich konnte Gott sei Dank Thomas die Idee ausreden , mit dem Wohnmobil quer durch Manhattan zu fahren. Schon auf der Brücke gestern beim Spurwechsel wären wir beinahe Opfer eines spurwechselnden Lasters geworden.

 

Morgen geht es dann weiter Richtung Washington. Wahrscheinlich werden wir erst danach, in ca. 3-4 Tagen wieder Internet haben bei Anthony.

Uns geht es wirklich sehr gut hier, wir freuen uns über jeden neuen Tag, den wir hier zusammen erleben dürfen und der uns immer wieder neue interessante, beeindruckende, manchmal nachdenklich machende Eindrücke bringt.


28.6.2018 Tag 7

 

Nachdem wir gestern noch die Statue of Liberty besucht haben und nochmal einen wahnsinnigen Ausblick auf Manhattan bekommen haben, haben wir uns zurück am Auto einen ruhigen Abend gemacht, den eigentlichen Plan, abends nochmal nach Manhattan rein zu fahren, haben wie uns geschenkt. Das Gefühl, was wir gesucht haben, haben wir gefunden, wir haben Manhattan auf uns wirken lassen.

Wir haben uns mit einem New Yorker unterhalten und ihn gefragt, was hier eine Wohnung zur Miete kostet, er sagte, Jersey City, gegenüber Manhattan, wo auch unser Campground ist, kostet ein 1 Zimmerapartment um die 3000€. gut, wir wollen hier nicht wohnen... aber was muss man verdienen, damit man hier leben kann, oder mit Familie in einer größeren Wohnung leben kann?

Wir saßen noch lange vor unserem Auto und haben den Tag nachwirken lassen.

 

Der heutige Tag bestand überwiegend darin über Washington nach Virginia zu fahren. Wobei er gleich mal mit einer 8-spurigen Autobahn begann (in eine Richtung, die gesamte Autobahn hatte 16 Spuren, mit relativ viel Verkehr, das hatte was, Thomas hatte Spaß dabei). Dann fuhren wir an Washington vorbei, wir haben uns vorgenommen, das auf dem Rückweg mitzunehmen. Beim Durchfahren konnten wir einen Blick auf das Capitol und den Obelisken erhaschen. Für mehr habt es noch nicht gereicht, man kann nirgends anhalten. Thomas will mit Onkel Trump mal über Zollbeschränkungen diskutieren, deshalb müssen wir da wohl nochmal hin.

Etwas überrascht haben uns die Temperaturen, die in den 550km von New York von ca. 20°C auf 35°C und aufwärts gestiegen sind hier in Virginia, kein Wind, im Auto mit Klimaaanlage gerade noch erträglich, aber sobald man anhält und aussteigt, oder im Auto bleibt, ist es wirklich schwer zu ertragen. Schatten gibt es kaum. Es mag ja sein, dass es Leute (und Hunde) gibt, die diese Temperaturen lieben, wir haben bisher unsere Reiserouten so gelegt, dass wir nicht mehr als 25°C hatten. Wenn man im Auto unterwegs ist, kann nicht nicht in ein kühles Haus flüchten.

 

Übernachtet haben wir wieder auf einem Walmartparkplatz in Stafford, 100km vor Richmond inmitten von Glühwürmchen.

Morgen werden wir Anthony und seine Familie treffen, der abends ankommt.


29.6.2018 Tag 8

Morgens haben wir vor der Weiterfahrt im Walmart eingekauft, das ist immer eine sehr zeitraubende Sache, weil Walmarts sehr groß sind und man ewig sucht, bis man alles hat. Die Preise sind, im Vergleich zu Kanada viel niedriger, fast wie in Deutschland. Die Auswahl, obwohl es z.b. Riesenkühltheken nur für Wurst, nur für Käse usw. gibt ist wirklich begrenzt verglichen mit Deutschland, es gibt eben 20 verschiedene Packungen gekochten Schicken, oder 20 mal Cheddarkäse. Aber für Cornflakes oder Chips gibt es drei Gänge mit sehr vielen verschiedenen Produkten.Und über Brot wollen wir lieber gar nicht erst reden. Da werden wir uns wohl schwer umgewöhnen müssen.

Bereits um 9 Uhr waren die Temperaturen wieder über 30°C. Wir sind auf dem Weg nach Richmond, aber einen Tag zu früh, wir müssen die Zeit totschlagen, fahren durch Richmond, schauen uns die Häuser und Wohngegenden an. Ein Großteil der Häuser sind Holzhäuser. Alles wirkt irgendwie gleich, einfach, aber praktisch, alles ohne Zaun, der Rasen ist überall top gemäht. Was bei uns wohl der dicke Mercedes vor der Tür ist, ist hier der perfekte Vorgarten.

Wir haben sehr, sehr, sehr lange nach einen schattigen Plätzchen gesucht, wo wir ein paar Stunden verbringen können. Wirklich schwierig hier.Gegen Abend hoffen wir Anthony zu treffen Schauen wir mal ob das wird, denn wir haben nur Koordinaten und keine Adresse, Tel. Nr..

Morgen wollen wir dann mit Hilfe Antonys Tochter uns nach einer Sim Karte schauen bei der wir reichlich Internetvolumen haben und auch günstig mal nach Deutschland telefonieren können ohne dafür gleich ein Vermögen ausgeben zu müssen.

 

Gestern Abend hatten wir auch unsere erste Erfahrung mit Schwärmen von blutsaugenden Mücken.

Binnen Sekunden 6 Stiche. Sofort NoBite ausgepackt eingesprüht dann hatten wir Ruhe vor den Mistviechern.

 

Unser weiterer Plan ist noch 1-2 Tage in Richmond zu bleiben, um dann über Washington zu den Niagara Falls weiter durch Kanadas Norden zu pilgern .


30.6.2018, Tag 9, 55815km, Richmond

Wir haben bei unseren Gastgeber wirklich super geschlafen, wir standen auf dem Grundstück unter Bäumen, es ist endlich mal erträglich nachts. Wir möchten uns bei Cathy und Fred McGann wirklich herzlich für dieses spontane und so freundliche Angebot bedanken, dass wir hier übernachten und das Wifi nutzen durften. We would like to say thank you for the hospitality of Cathy and Fred McGann, they spontanously invited us to spend the night at their property and for providing us Wifi. All the best for you both!!

Eigentlich wollten wir ein bisschen ausschlafen, aber dann kam eine Whatsapp von Anthony ob wir nicht schon um 8 Uhr da sein können, sie haben nicht viel Zeit heute, da sie die Geburtstagsparty seiner Schwester vorbereiten.

Der Tag begann damit, dass wir es uns zur Aufgabe gemacht haben, endlich unser Internetproblem zu lösen. Was sich aber als nicht ganz so einfach und auch als zeitintensiv erwiesen hat. Entweder brauchen wir für jedes Gerät eine Simkarte, denn die Simkarten können nicht als Hotspot genutzt werden, dann noch der Wunsch damit günstig nach Deutschland telefonieren zu können, plus dass wir ein gewisses Volumen für Internet benötigen, um den Laptop nutzer zu können und die Website aktuell zu halten. Dass alles als Prepaid. Erste Anlaufstelle Walmart1, angedachte Simkarte ist ausverkauft. Da wir uns vorab schon damit auseinander gesetzt haben, war die Entscheidung schon auf AT&T gefallen. Walmart 2 auch ausverkauft. Walmart 3 auch ausverkauft. Inzwischen ist es 11 Uhr, es wird schon wieder zur Qual aus dem Auto auszusteigen und zum Walmarteingang zu laufen. Auf der Straße barfuß laufen ist unmöglich, der Boden glüht. Zurück zu unserem Internetproblem, schließlich haben wir einen AT&T Shop gefunden, unsere Idee mit der Simkarte macht keinen Sinn, da man die Karte nicht als hotspot nutzen kann, stattdessen entscheiden wir uns für ein Extragerät mit Karte, das für bis zu 8 Geräte als Hotspot fungiert, 60$ (einmalig)plus 25$ für 2 GB/Monat kostet. Nur telefonieren geht nicht, aber man kann wohl nicht alles gleichzeitig und dann auch noch günstig haben. Aber dafür sind wir ab jetzt immer über whatsapp (auch Anrufe) erreichbar.

Auch heute wurde es über 40°C im Schatten. Wir konnten Anthonys Schwager den Platz auf seiner Wiese hinter dem Haus abringen ,es fiel ihm sichtlich nicht leicht, Amerikaner lieben ihre Wiese, und er hatte Angst, dass unser Auto Spuren hinterlässt. Wir hatten endlich einen Stromanschluss und konnten unsere mitgeführte Klimaanlage zum ersten Mal in Gebrauch nehmen. Wir waren guter Dinge, dass dieser Tag erträglicher wird, mussten aber sehr schnell feststellen, dass die Hitze so extrem ist, dass die Klimaanlage das überhaupt nicht bewältigen konnte. Den einzigen Schatten spendete unsere Markise.

Tagesaufgabe wird die Sonne zu beobachten, und zu überlegen, wann sie endlich hinter den Bäumen verschwindet.

 

Bei Anthonys Familie steht der ganze Tag vollkommen im Sinne der Vorbereitung der Party für den 50. Geburtstag seiner Schwester, zu der 200 Leute eingeladen wurden. Abends um 8 Uhr fahren wir zu dem Ort, einem für den Abend gemieteten Saal. Hier werden die Einladungen zeitlich begrenzt ausgesprochen, man fängt etwas früher an und dafür ist vor Mitternacht wirklich Schluss und aufgeräumt. Das hat irgendetwas mit dem Gesetz zu tun, aber die Hintergründe haben wir nicht durchblickt. Dafür ging die Post um so mehr ab innerhalb der begrenzten Zeit. Ein großes Buffet war aufgebaut, ein DJ legte Musik auf die Leute waren so ausgelassen und tanzten, wie wir es in Deutschland noch nie erleben haben, Nach der Intensität der Party dann der plötzliche Schluss, was dazu führte, dass wir schon um Mitternacht im Bett lagen, vor dem Haus von Anthonys Schwager. Wir waren die zwei einzigen Weißen bei dieser Party. Ein wunderschöner Abend, der wirklich Spaß gemacht hat und den wir nicht missen möchten.  


1.7.2018, Tag 10, 56004 km auf dem Weg nach Washington

Auf dem Weg nach Washington wiederholte sich wieder der traurige Anblick von toten Rehen, und Rehkitzen am Straßenrand, obwohl die Autobahn 4-spurig ist, stehen oft Rehe am Straßenrand und massig tot gefahrene Tiere in allen Größen, u.a. hatten wir auch 2 Situationen, in denen ein Reh direkt am Straßenrand stand und wenn es losgelaufen wäre, hätten wir auch Probleme bekommen.

Washington erreichten wir um die Mittagszeit, wieder bei glühender Hitze, 40°C im Schatten. Das perfekte Wetter :-( um Sightseeing zu machen. Nachdem wir uns etwas aus dem kühlen Auto heraus, Washington angeschaut haben, beschlossen wir aufgrund der Witterung und der Situation, dass man hier so gut wie nie anhalten oder parken kann,uns auf die 3 Hauptattraktionen zu beschränken.

Vorne weg, egal wo wir parkten, überall wo wir hielten, war es definitiv verboten auch nur anzuhalten, woran Hinweisschilder alle Meter ausdrücklich erinnerten.

Also wendeten wir dieses Mal folgende Taktik an: wir umrundeten das Weiße Haus, nachdem sicher gestellt war, dass Thomas immer wieder im Kreis herum fahren konnte, sprang ich aus dem Auto, Hitzeschock, laufen so weit ran wie es ging, Fotos machen, zurück laufen. Es sind sehr viele Touristen unterwegs, hauptsächlichen Chinesen und Inder. Es ist so hell, dass man die Kameradisplays kaum lesen kann. Das wiederholten wir bei dem Lincoln Monument und dem Obelisken. Das hat zwar gut geklappt, aber war extrem anstrengend, besonders bei Lincoln, wenn man in gleißender Hitze die weiße Treppe hoch laufen muss und eigentlich nichts mehr sieht und denkt, man fällt rückwärts wieder runter. Ich muss nicht erwähnen, dass es Fahrer und Hund bei diesem Sightseeing deutlich besser hatten im Kühlen.

In Washington ist alles 1/3 bis ½ teurer als in Virginia. Washington ist eine Stadt wie jede andere, hektisch, laut, überladen, voll mit Touristen,

Nach 2-3 Stunden ging es weiter Richtung Kanada über den Niagara Fall, den wir auch abends erreichten.. Ja, die 3 Monumente sind eindrucksvoll. An Lincoln kommt man, mal von den Touristenhorden abgesehen sehr nah ran, aber das Weiße Haus lässt mich nicht viel spüren, es ist so weit weg und wirkt unnahbar.

Übrigens, Thomas Versuch, mit Onkel Trump ins Gespräch zu kommen, bezüglich der Einfuhrzölle war von keinem Erfolg gekrönt, obwohl er da war (Fahne oben, er ist da, Fahne unten, er ist nicht da), da wir kein Mauseloch gefunden haben, um ins Gebäude zu kommen.

 

Dann machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Kanada, über die Niagara Falls. Da wir supergut durchkamen, es gab dieses Mal mal keinen Stau, wir waren fast alleine auf der Landstraße, fuhren durch unzählige urige Dörfer und Kleinstädte. U.a. standen wir vor einem Waffenladen, er war geschlossen. Gegen 20h erreichten wir die Niagarafälle auf der amerikanischen Seite.

Hier kostete das Parken 10³, wir hatten Glück, der am günstigsten gelegene Parkplatz wurde frei. Von hier bis zu den Aussichtspunkten 50m. Wie die Bilder belegen, ist es von dieser (amerikanischen) Seite weniger eindrucksvoll als von Kanada aus. Mit einem Auszug konnte man nach unten fahren und von dort aus auf ein Schiff. Obwohl es schon 20h war, kurz vor Dunkelheit, waren immer noch unglaublich viele Menschen aller Nationalitäten hier unterwegs- wie mag das wohl tagsüber sein,

 


2.7.2018 Tag 11, 56851km – Thomas begeht angeblich eine Straftat/ es gibt Ärger

 

Noch beeindruckt von gestern Abend, die Niagara Fälle auf der US Seite und natürlich auch geplättet von den Menschenmassen, die immer noch abends um 21h dort waren, obwohl es schon fast dunkel ist.

Deshalb haben wir uns vorgenommen, ganz früh die nahe kanadische Grenze zu überqueren nd dann dort die Niagarafälle von der kanadischen Seite anzuschauen.

Grenzübergang USA/Kanada, keine 5min, es wurde wieder nicht das Auto angesehen, sondern nur die üblichen 3-4 Fragen gestellt, und dieses Mal bekamen wir endlich auch mal einen Stempel in den Reisepass.

Direkt links nach dem Grenzübergang begann menschenleer der Aussichtsbereich auf die Niagara Falls, es ist 7.30h. Bisher sind nur Straßenkehrer unterwegs. Wir hielten einfach auf dem Seitenstreifen, Wir waren die einzigen und konnten ungestört Fotos machen und auf uns wirken zu lassen. Das Parken hätte hier übrigens 25$ für eine Stunde gekostet. So gegen 9 Uhr begann es lebhafter zu werden und wir fuhren weiter. Noch vollkommen beeindruckt von dem Anblick der Niagara Falls wollte Thomas gleich 2-3 Fotos hochladen. Und wir stellten fest, dass unsere amerikanische AT&T Karte nicht so funktionierte in Kanada wie sie sollte, nämlich gar nicht. Und hier beginnt das Unheil, dass uns den gesamten Tag verfolgen sollte und bis in den späten Abend auf Trap hielt.

Vorne weg, es ist uns dreien nichts passiert, wir sind gesund .

Da wir jetzt praktisch iinternetmäßig wieder blind waren, beschlossen wir in Kanada in einem Walmart das Problem zu lösen. Da aber in Kanada heute ein Feiertag ist und alles geschlossen ist, mussten wir ca. 20-30km zurück zu einem an der Grenze liegenden Walmart auf kanadischer Seite, der als einziger trotzdem geöffnet hatte. Und jetzt wird es richtig übel. Jeder, der uns kennt, weiß dass wir unseren Hund nie irgendwelchen Qualen aussetzen würden, wir sind viel zu besorgt, dass es ihm mal nicht gut gehen könnte. Es ist jetzt morgens 9.30h, es ist noch angenhem kühl, tagsüber hier auch 35°C. Wir öffneten unsere Dachfenster wie immer, Jerry nahm wie immer Platz auf dme Beifahrersitz und beobachtete die Leute und wir gingen in den Supermarkt. Nach ungefähr 25-30min ging Thomas raus zum Auto, um den Laptop zu holen und um nach Hund und Auto zu schauen. Er holte den Laptop, um zu testen, ob Internet hier auch funktionieren könnte. Es war alles in Ordnung mit Hund und Auto. 10Min später kamen wir zusammen aus dem Supermarkt. Es standen 2 Polizeiautos vor unserem Auto, 3 ältere Zicken schrieen rum und wir sahen, dass unsere Scheibe der Beifahrerseite eingeschlagen war. Tausende kleine Scherben im und außerhalb des Auto. Jerry saß zischen den Scherben, total verängstigt aber es ging ihm gut. Relativ schnell realisierten wir, dass das kein Einbruch war, sondern, dass die älteren Damen geglaubt haben, unserem Hund das Leben zu retten, indem sie die Polizei holten. Der Polizist, kam auf uns zu, nachdem er erkannte, dass das Auto uns gehört und sagte, dass wir eine Straftat begangen haben. Worauf Thomas total ruhig fragte, was wir falsch gemacht haben. Der Polizist wies noch relativ höflich darauf hin, dass es verboten ist in Kanada Hunde im Auto bei ungeöffnetem Fenster längere Zeit alleine zu lassen. Jetzt wird es wieder interessant, Thomas zeigte auf die offenen Dachfenster, zeigte auf den laufenden Ventilator im Auto und sagte, dass das Auto Aircondition habe und fragte wiederholt höflich, was er falsche gemacht habe. Der Polizist sagte: „Oh“, der 2. Polizist ( im Nachhinein haben wir erfahren, dass dieser die Scheibe eingeschlagen hatte), verzog sich in sein Auto. Wiederholt fragte Thomas, was er falsch gemacht habe, der Polizist antwortete, Sie haben den Hund über eine Stunde alleine gelassen, damit eine Straftat begangen und das kostet Minimum 300 Can$. Thomas fragte ihn, ob die Situation jetzt so besser sei für den Hund, der auf den ganzen kleinen Scherben der vertrümmerten Scheibe sass. Daraufhin guckte ins Auto, verzog das Gesicht und wiederholte, sind sie jetzt besser ruhig und ging auf Distanz.

Thomas sagte, dass er gerne mit zu der Verkäuferin gehen könne, es waren keine 10min, er war zwischenzeitlich am Auto. Er bat den Polizisten höflich, mit zu der Verkäuferin zu gehen, um sich das bestätigen zu lassen. Da Thomas wieder auf das Dachfenster zeigte, wurde der Polizist sauer und sagte barsch, seien ie jetzt ruhig, sonst müssen Sie das Land verlassen. Ich verstand die Welt nicht mehr und wollte die Hintergründe verstehen. Auch mir fuhren sie sehr unhöflich über den Mund, noch ein weiteres Wort und Sie reisen direkt zurück.

Um die Sache jetzt abzukürzen, die zeternden zicken warne plötzlich verschwunden, der 2. Polizist gab erst nach mehrmaligen Nachfragen zu, dass er das Fenster einfach auf das Schimpfen der Frauen eingechlagen hat. Die Polizisten zogen sich zurück und redeten miteinander, wir bekamen langsam die Situation wieder in den Griff und wollten wiederholt wissen, was wir falsch gemacht haben, worauf die Polizisten wieder sagten, seien sie jetzt sehr vorsichtig, sonst müssen Sie das Land verlassen und dann ganz schnell verschwanden und uns in den Scherben stehen ließen. Es gab kein Protokoll, keine Strafe nichts. Außer einem Fenster, was man hier nicht ersetzen kann, denn es gibt keine Fiats hier. Die Temperaturen nahmen zu, wie gesagt, es ist heute alles geschlossen in Kanada, keine Kommunikation möglich, da die amerikanische Simkarte nicht geht. Thomas klebte das Fenster notdürftig ab und wir entschieden uns, wieder zurück nach Amerika zu fahren, da dort die Geschäfte offen sind und die Simkarte wieder funktionieren wird. Zurück in Amerika versuchten wir in 3-4 Werkstätten Hilfe zu finden, u.a. auch eine Jeep/Chrysler/Fiat Werkstatt. Uns war bewusst, dass die Scheibe wohl aus Europa bestellt werden und per UPS hierher geliefert werden muss. Wozu aber niemand von den Aufgesuchten bereit war. Wir haben Fiat Europa kontaktiert,  und AAA (das amerik. Pendant). Keiner war bereit uns in irgendeiner Form zu helfen. Inzwischen ist es wirklich so heiß, dass der Hund jetzt wirklich Probleme hat, dank der netten Polizisten. Relativ schnell, nach 7 verschiedenen Anlaufstellen realisierten wir, so kommen wir nicht weiter. Wir suchten einen schattigen Platz auf, um zu überlegen. Blöderweise ist es jetzt in Deutschland schon 8 Uhr abends. Alles weitere müssen wir auf den nächsten Tag verlegen. Wir entschlossen uns, unserer Autowerkstatt in Frankfurt zu bitten, uns die Scheibe zu bestellen und zu versenden, selbst ist der Mann/ oder die Frau.

Da wir jetzt unsicher wurden, ob Thomas bei einem erneuten Grenzübertritt nach Kanada Probleme gekommen könnte, da er ja eine Straftat begangen haben soll, beschlossen wir, erst mal zurück nach Kanada zu fahren, und dabei auch zu testen ob man mit dem verklebten Fenster gut fahren kann.

Der Grenzübertritt war problemlos, es war in keinster Weise irgendetwas vermerkt. Wir vermuten, die Polizisten haben ihr vorschnelles Handeln wohl eingesehen und die Sache auf sich beruhen lassen (ein Ausrufen im Supermarkt wäre übrigens auch möglich gewesen).

Jetzt haben wir uns entschlossen, zurück nach Peggys Cove zu fahren (1900km, über Toronto, Ottawa, Montreal, Quebec) und das Fenster dorthin liefern zu lassen. Für die Fahrt werden wir ca. 3-4 Tage brauchen.

Wir hatten dann eine wirklich angenehmen Nacht auf einem leeren Walmartparkplatz (Feiertag), wobei wir bei einem Glas Wein und Bacardi Cola uns nochmal der Situation stellten und dann irgendwie schon ein bisschen stolz waren, die Situation cool gelöst zu haben, wir waren weder hektisch und haben es geschafft, die Situation zu lösen, ohne viel Hilfe und Unterstützung der Stellen,  Fiat, auf die wir eigentlich gezählt hätten.


 3.7.2018 Tag 12, 57198 km – Tag der Erholung vom Vortag

 Breaking News, morgens 7 Uhr in Toronto

Die Kontaktaufnahme mit der Autowerkstatt hat funktioniert, die Scheibe ist schon bestellt und bald unterwegs.

Auch der Campground hat geantwortet, sie bieten uns Ihre Hilfe an. Das fühlt sich alles sehr gut an.

Wir sind wieder unterwegs ab 7.30h. Durch Toronto sind wir nur durchgefahren, da wir z.Z. Keinen Bedarf haben, sämtliche Städte zu besichtigen. Auch das ist eine Großstadt wie jede andere.

Um und in Toronto ist der Straßenverkehr die Hölle, fast mit New York zu vergleichen. Jetzt ist es 14 Uhr, wir sind ca. 100km vor Montreal, wieder keine Wolke am Himmel. Wenn man in der Nähe vom Ontariosee ist, sind die Temperaturen erträglich, kommt man aber etwas weiter weg davon, ist es wieder unerträglich.

Nachdem wir uns jetzt 10 Tage in Amerika aufgehalten haben, wir waren in Maine, New York, Pennsylvania, Delaware, Virginia, Connecticut, Maryland hier unsere Erkenntnisse:

 Amerikaner reiten nicht mehr mit Cowboyhut und Pferd durch die Prärie, sie sind gut motorisiert mit ihren Jeeps, fahrne im grpßen und ganzen sehr entspannt und rücksichtsvoll, das Auto fahren ist hier erheblich sicher als in Europa. 110Kmh ist die Höchstgeschwindigeit, oft aber auch nur 90.

  • Tanken: zum Einen kostet hier der Diesel zw. 65-85 Cent, zum Vergleich in Deutschland geradec1.40€, zum anderen man tankt keine Liter, sondern Gallonen. Je nach Tankstelle, muss man angeben, wie viele Gallonen man tanken will, da man im Voraus bezahlt. Sehr schwierig. Tanken ist immer wieder ein Abenteuer, manchmal muss man das gewünschte Benzin erst auswählen durch Tasten

  • in großen Städten ist es sehr chaotisch, aber ort einmal heraus, ist man fast einsam auf der Straßen

  • zu den Amerikanern selber: erst dachten wir, sind die aber nett, offen, freundlich. Allerdings unsere Erfahrung gestern ,als wir wirklich auf Hilfe angewiesen waren mit der Scheibe, wenn es also wirklich um etwas geht, spiegelte sich nicht wider. Nicht viel und ich hätte gestern zwischenzeitlich in den Werkstätten oder Büros aus Hilflosigkeit geheult. Sie bleiben einfach kalt und unnahbar, einfach abgeblockt.

  • Oft haben wir sehr oberflächliche Äußerungen wahrgenommen, wenig Tiefgang.

  • Das größte Highlight ist hier wirklich, dass jeder, aber auch jeder seinen Rasen hier hegt und pflegt, als gäbe es keinen Morgen. In diesen 10 Tagen haben wir vielleicht 2 oder 3 ungemähte (und damit meine ich, der Rasen hatte ungefähr 3 cm mehr als die Statusgrashalmlänge). Ein sehr guter Job hier für uns wäre, einen Shop aufzumachen, der mit Rasenmähern zu tun hat. Totsicherer Job. Was uns aber auch auffiel, obwohl es hier erbärmlich heiß ist, konnten wir kaum irgendwo einen Swimmingpool sehen, entweder wegen der Wasserkosten, vielleicht wird ja aber auch das Wasser für den Rasen gebraucht ;-)

  • Brot: in einem Wort: schrecklich. Da ich wirklich ständig in einem Walmart war, wegen Simkarte, oder Vorräten, habe ich es irgendwann aufgegeben, jedes Mal jeden Gang abzulaufen, in der Hoffnung, doch noch irgendwo Baguettes zu finden. Das Brot ist so pampig, dass es sich am Gaumen festsaugt und man es kaum ohne Finger wieder ab bekommt.

  • Essen: hier herrscht eine andere Art der Esskultur, einige Dinge sind für uns wirklich ungenießbar. McDonalds und Co sind wirklich überall präsent. Und auch wir haben uns verleiten lassen, denn es ist zu heiß, selber zu kochen, und Alternativen als Burger gibt es oft nicht ohne langes Suchen.

  • Wie schon mal erwähnt, alles etwas Größer, weitläufiger, aber irgendwie, wenn man sich an die wenigen Veränderungen Europa gegenüber gewöhnt hat, hat man nicht das Gefühl, 8000km weit weg zu sein. Nur die allgegenwärtige überdimensionalen USA Flaggen erinnern uns, dass wir nicht in Europa sind.

  • Vom Gefühl her, hegen und pflegen die Amerikaner die Natur mehr als wir, was wir ganz anders erwartet haben.  

  • Was hat uns wirklich richtig gut gefallen?New York mal besucht zu haben, wirklich auch jetzt nach mehreren Tagen, ein schönes Gefühl, das Lincoln Monument in Washington, die Niagarafälle (besonders von der kanadischen Seite aus, landschaftlich kamen wir in ein Gebiet, das so weit das Auge reichten Blaubeersträucher hatte, Thomas hatte mal Spaß auf einer 24-spurigen Autobahn, irgend so ein Männerding...


 4.7.2018, Tag 13, 58583km -

Wir starten vom Vorort von Quebec... für die, die es nicht wissen, jetzt sind wir eigentlich in Frankreich, alle Leute sprechen nur und wirklich NUR Französisch, französischen Beschilderung, und wenn man sich unterhalten will, sprechen sie nur widerwillig englisch, wenn überhaupt. Ältere Menschen sprechen scheinbar wirklich nur französisch. Wir tuckern gemütlich zwischen 50, 70 und 90 kmh den Sankt Laurenz Strom entlang. Es ist noch immer dicht besiedelt, außerhalb von Quebec gibt es keine größeren Städte, einfach nur Dörfer mit kleinen Häuschen. Es ist sehr touristisch. Und wenn wir bisher keine Camper gesehen haben, hier sind sie. Aber nur kanadische/US. Wir haben noch nicht einen Europäer getroffen.

 Während der Fahr konnten wir mehrmals sehen, wie Polizisten mit einer Radarpistole die Geschwindihgkeit der Fahrzeuge kontrolliert haben und sich dann die Fahrzeuge geschnappt haben (es kommt ein Video darüber, weil es zweimal direkt vor uns passierte und wir es gefilmt haben). Die Geschwindigkeitsüberschreitungen sind hier extrem teuer.

 Wir hatten einen wunderschönen, eindrucksvollen Tag. Nachdem wir vom Sankt Laurenzstrom abgebogen sind, rechts weg zurück Richtung Halifax hatten hier zum ersten Mal einen Eindruck von einsameren Gegenden und davon, was hoffentlich bald auf uns zukommen wird. Wir freuen uns richtig darauf. Mit Glück, denn mal wieder ohne Internet, fanden wir einen Walmart zum Übernachten. Wir haben null Heimweh und sind gierig darauf, aus der Zivilisation in die Wildnis zu verschwinden. Dort werden wir oft kein Internet haben, das haben wir jetzt schon oft zu spüren bekommen. Das Land ist so groß und die 3-4 Provider, die es hier gibt haben keine Komplettabdeckung. Internet ist hier echt ein Problem, wenn man aus den Ballungszonen herausgeht, was unser Ziel ist.

Bezüglich der Scheibe, wissen wir momentan nicht, ob sie unterwegs ist, wir harren der Dinge, die auf uns zu kommen.


5.7.2018, Tag 14, 58.739km -

Jetzt mal nur kurz, oben ein kleiner Film, 4min, wer mag , kann mal mit uns durch Kanadas kleine Orte fahren, entlang des St. Laurenzstromes in New Brunswick. 

Unten unser heutiger Übernachtungsplatz an einem kleinen Hafen in Stonehaven. Wir sind jetzt knapp 60.000km mit diesem Auto unterwegs, sehr selten auf Campingplätzen. Heute ist es uns das erste Mal passiert, das ein Nachtwächter um 21h zu uns kam und sagte, wenn Sie möchten, können Sie gerne hier übernachten und dann noch ein freundliches Gespräch mit uns führte. Überhaupt machen wir das fast ausschließlich, seit wir hier seit 16h stehen, die Leute sind total neugierig wegen unseres deutschen Nummernschildes, fragen viel und geben Tips und sind sehr nett und offen.


6.7.2018, Tag 15, 58.975 km

Kein so wirklich guter Tag, der schon telefonisch damit anfing, dass die Autowerkstatt die Scheibe seit gestern hat, sie aber immer noch nicht verschickt hat und es klang auch nicht so, als würden sie das Freitagnachmittag noch schaffen, jetzt kommt das Wochenende. Gut, es ist nur eine Scheibe. Die uns aber jetzt seit genau einer Woche i einem Radius zum Lieferort hält und wir sind genervt und unruhig, weil wir so gerne endlich starten würden. was aber nicht geht, aber wir von fremder Hilfe abhängig sind und nichts forcieren können.

Wir versuchen uns zwar dauern wieder klar zu machen, dass es nur eine Scheibe ist, ein Warnschuß sozusagen zum "Üben", und wir versuchen uns gegenseitig zu motivieren, aber es ist zäh. Das Wetter tut sein Übriges dazu, es regnet. Wenn mir in Virginia jemand gesagt hätte, es wird regnen, hätten ich einen 3-stündigen Regentanz absolviert, die 40°C sind in den Hintergrund gerückt. Als wir nachmittags aus Langeweile auf dem Weg zur Brücke zur Prinz Edward Insel sind, fahren wir an einer Autoglaswerkstatt vorbei. Nach den Erfahrungen und den USA mit den Werkstätten, sind wir zwar erst skeptisch, ob  die uns irgendwie helfen können oder wollen. Aber es läuft direkt perfekt, alles sind so nett und fragen, was passiert ist, telefonieren, ob es vielleicht doch irgendwo hier eine Scheibe gibt (was nicht der Fall ist, inzwischen waren wir soweit, sogar hier eine weitere zu kaufen und ein Schild ans Auto zu machen, wenn jemand mal wieder den Drang verspüren sollte, hier eine Scheibe einschlagen zu müssen, dann bitte die vorne rechts, die haben wir dann noch als Ersatzteil). Jetzt haben wir die Zusage, sobald die Scheibe aus Deutschland eingetroffen ist, wird sie dort eingebaut (ein weiterer Punkt, vor dem wir Schiss hatten, wieder keine Werkstatt für einen Einbau zu finden). UND sie bauen uns morgen provisorisch eine durchsichtige Plexiglasscheibe ein. Aber das morgen früh um 7 Uhr. Direkt neben der Werkstatt liegt ein Campingplatz. Wirklich nur aus Vernunftsgründen bleiben wir hier, damit wir morgen nicht mehr so früh weit fahren müssen. Und ich nutze die Zeit, um das allererste Mal auf einem Campingplatz unsere in 14 Tagen angesammelte Wäsche zu waschen. Aber wir 3  sind nicht Campingplatz kompatibel, denn zum 1., jeder, aber auch jeder starrt auf das Nummernschild, sucht das Gespräch mit uns, wir haben keine Ruhe und erzählen immer wieder das Gleiche, was am Anfang ja noch ganz nett war, sich auszutauschen, aber inzwischen könnte man eine CD brennen und laufen lassen. 2. Jerry, er verteidigt das Wohnmobil, sobald sich jemand auf 5m nähert, bellt er.

 


7.7.2018, Tag 16, 59445km

 Hurra, wir sehen rechts wieder was, wenn auch nur notdürftig, wir haben eine Plexiglasscheibe bekommen, sieht fast aus wie echt. Für 75 Can $ und eine sehr freundliche und gewissenhafte Bearbeitung der Sache. Das hat noch nicht mal eine Stunde gedauert. Wir sind happy. Dann haben wir uns entschlossen, den Rest des Tages, die Prince-Edward-Island zu entdecken. Man kommt dorthin über eine 13km lange Brücke. Wir kamen durch viele kleine Fischerdörfchen, an manchen Stellen konnte man direkt ans Wasser, so verging die Zeit und irgendwie war es relativ schnell 18h, bei traumhaften Wetter, ca. 28°C,

Zum Thema Verschickung der Scheibe wissen wir immer noch nichts, es ist Samstag. Wir haben tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, so mit der Plexiglasscheibe weiter zu fahren, aber es ist eigentlich unvernünftig. Uns dreien geht es sehr gut. Einer der beiden einzigen Walmarts auf der Insel ist unserer heute. Verglichen mit dem vollen Campingplatz gestern eine Erholung.

Wir hoffen, bald gibt es wieder etwas mehr Spannenderes zu berichte, wir sind jedenfalls total ungeduldig endlich loszufahren Richuing Alaska,Pazifik

 Wir wünschen allen, die das lesen, einen guten Morgen, uns bald eine gute Nacht!!  


8.7.2018, Tag 17, 59828 km

 

Wir sind bei schönem Wetter zu unserem ursprünglichen Ankunftsort, Peggy´s Cove gefahren. Eine wirklich schöne Fahrt und Landschaft, die wir beim ersten Mal, direkt nach unserer Ankunft und übernächtigt überhaupt nicht so richtig aufnehmen konnten. Landschaftlich ist die Bucht mit am Schönsten von allem, was wir bisher in Kanada gesehen haben. Gegen 15h kamen wir auf dem Campingplatz an, der noch ziemlich leer war um diese Zeit, allerdings füllte er sich gegen Abend und auch hier standen sie wieder eng aneinander, wie in Deutschland. Wir haben uns etwas längs gestellt, so hatten wir ein bisschen extra Platz für den Hund. Da wir weiterhin nicht wussten, was mit unserer Scheibe ist, setzten wir alles auf eine Karte und schrieben eine lange Nachricht an die Werkstatt um zu klären, ob es generell Probleme mit dem Versand gibt. Thomas beschloss, die Nacht durch zu machen, damit er morgen ganz früh, in Deutschland mit der Werkstatt Kontakt aufnehmen kann telefonisch, damit nicht schon wieder der halbe Tag rum ist zuhause, wenn wir aufstehen wegen der Zeitverschiebung.

Und jetzt wird es wieder spannend, denn erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu, oder schlimmer geht immer. Soviel vorab, der nächste Tag wurde mal wieder aufregend, im negativen Sinne.


9.7.2018, Tag 18, 59828km,

 

Der nächste Tag begann bei uns um 2 Uhr früh, bei Euch war es jetzt 8 Uhr, das Handy blinkte auf und wir erhielten eine whatsapp, dass das Paket fertig gepackt sei, und es nur noch verschickt werden muss, er hatte sich das ganze Wochenende damit auseinander gesetzt, auf welche Art und Weise es verschickt werden kann und dabei festgestellt, dass es über UPS 900€, ja, in Worten, neunhundert Euro kosten soll. Scheibengröße Original 90x40cm, verpackt 120x60cm. Gilt als Sperrgut, deshalb der hohe Preis. Aber es kam sogar noch besser (oder schlimmer? oder teurer?), denn die Idee, mit DHL, was zum Beginn im Internet nach 300€ aussah, entpuppte sich nachher als 1200€. Demgegenüber steht ein Wert für die Scheibe von 140€. Somit war die anfängliche Euphorie verflogen, dass es jetzt voran ging und eine große Ratlosigkeit tat sich auf. Aber es geht noch schlimmer. So gegen 5 Uhr stellten wir fest, dass wir hinten rechts einen Platten haben und Thomas deutete schon an, dass das genauso ausgehen könnte wie mit der Schiebe, denn hier in Kanada sind diese Reifengrößen nicht unbedingt erhältlich. Das ist unser erster Platter, den wir mit Rudi erleben, wir sind über albanische, rumänische, russische und ukrainische Straßen gefahren, die in einem weitaus schlechteren Zustand waren als die Straßen in Kanada.

 

Für ca. 20-30 min war jetzt die Stimmung auf dem absoluten Nullpunkt, Wir saßen sprachlos in unseren Campingstühlen und irgendwann schauten wir uns an und begannen das Werkzeug aus dem Auto zu holen und wechselten gemeinsam das Rad, was super gut klappte, obwohl es unser allererster Radwechsel war, was wir jemals in unserem Leben gemacht haben. Gemeinsam sind wir stark ;-).

Die fehlende Scheibe rutschte total in den Hintergrund, denn nur mit 4 Rädern (ohne Ersatzrad) werden wir die Tour durch Kanada und Alaska nicht antreten, das Risiko wollen wir nicht eingehen. Um 8 Uhr standen wir vor der nächstliegenden Werkstatt und unser schlimmster Albtraum wurde wahr. Die Reifen gibt es hier nicht. Während die Leute von der Werkstatt krampfhaft nach Lösungen suchten, sie telefonierten, sie diskutierten, immer mal hellten sich kurz ihre Gesichtszüge auf, aber nur für kurze Zeit, dann sah man, dass der verfolgte Gedanke auch nicht erfolgversprechend war. Man bat uns, heute Nachmittag nochmal wieder zu kommen und den Reifen erst mal dort zu lassen.

Auf der 5 minütigen Fahrt zurück zum Campingplatz waren wir beide sehr angespannt, aber eins war ganz klar, wir geben nicht auf. Nachdem wir uns alle Möglichkeiten vor Augen geführt haben, schrieben wir ein langes Email an den ADAC, Fahrzeugschein, Fotos angehängt, die Situation genau geschildert und sogar nach einem kurzen Telefongespräch wurde uns das Gefühl vermittelt, dass sie sich der Sache annehmen, „wir machen das öfter, wir bekommen das schon hin“. Da es in Deutschland aber schon wieder kurz vor Feierabend war, müssen wir mit dem Ergebnis bis morgen warten.

Anthony, der ja momentan noch in Amerika ist, versucht parallel heraus zu finden, ob die Reifen dort verfügbar wären und hierher versendet werden können, aber auch dort gibt es sie nicht.

Zwischenzeitlich hat sich noch Anthonys Freundin Birgit aus Deutschland eingeschaltet und uns mit ihrem Elan, uns zu helfen wieder sehr motiviert, denn zwischenzeitlich waren wir so weit, dass einer von uns nach Hause fliegt und die Teile holt und mitbringt.

Irgendwie wird es weitergehen, es wird einen Weg geben, dass wir wieder alles repariert und abfahrbereit haben, aber uns ist bewusst, dass unsere ersehnte Abfahrt noch länger warten muss als gehofft.

Gegen 16h sind wir wieder zurück zu der Werkstatt gefahren, wo unser eigentlich kaputter Reifen, voll aufgepumpt und funktional auf uns wartete. Ich versuch es mal mit meinen Worten zu erklären, er wurde gepfropft, von innen heraus, aber er ist dicht. Wobei wir ein bisschen unsicher sind, ob wir damit noch 30.000km fahren sollten oder wollen, oder ihn nur als Ersatzrad nehmen werden. Wir vereinbarten, dass wir morgen wieder kommen, wenn wir vom ADAC eine Nachricht haben, in wie weit es zulässig ist, kanadische Reifen aufzuziehen, oder ein Verschicken aus Deutschland zu erschwinglichen Preisen. Dazu wieder mal morgen mehr.

Irgendwie genossen wir trotzdem den Abend und da die letzte Nacht ja kurz (bzw. gar nicht war) werden wir früh schlafen gehen.

60.000km hatten wir mit Rudi keinerlei Probleme und jetzt so zwei dumme Sachen direkt hintereinander.

Aber vom Gefühl her, werden sie uns nicht aus der Bahn werfen, wir sind beide nicht down, wir sehen es eher als eine Art Prüfung an. Viele Wege führen nach Rom, schauen wir mal welcher uns führt. Aber eins merken wir auch, wir haben Freunde. Das macht einen froh und das alleine jetzt hier zu spüren, macht es die Situation fast wert zu durchleben.

Unsere derzeitigen zwei Optionen sind

  1. ADAC findet einen günstigen Weg, uns Reifen und Scheibe hierher zu bringen oder

  2. einer von uns fliegt und holt die Sachen, sofern die Fluggesellschaft das als Gepäck zulässt.

     

    Schauen wir mal was der Tag morgen bringt.

 



10/11/12.7.2018   Tag 19,20,21, 59.828 km,

 

Die 3 letzten Tage lassen sich ganz kurz zusammen fassen. Der ADAC ist die Lösung, was soviel heißt, wir bekommen 2 neue Reifen und unsere Scheibe. Die Scheibe kostet 140€, die beiden Reifen 270€, der Transport nochmal ca. xxx€. Der Transport kommt über Air Canada, das Flugzeug landet am Samstag um 11.15h  in Halifax. Über das Procedere, wie genau wir an die Teile kommen und sie aus dem Zoll holen, werden wir uns morgen vorab versuchen zu informieren auf dem Flughafen. Das wird bestimmt wieder ein Abenteuer.

Wenn das wirklich alles so klappt, und wir bisher nie wirklich wussten, was der ADAC alles möglich machen kann, werden wir unser Leben lang immer Mitglieder bleiben :-)). 

 

Auf allen unseren Reisen, hatten wir immer unterschwellig das Gefühl, was ist ,wenn mal was mit dem Auto ist und wir waren auch schon weit von zuhause weg mit dem Auto. All diese Erfahrungen, die wir jetzt gemacht haben, sind für etwas gut, denn dieses Gefühl ist jetzt weg, wir wissen, man bekommt geholfen, wenn man selber nicht mehr weiter kommt. Es dauert zwar immer eine gewisse Zeit, aber der ADAC hilft, die nötigen Teile an den Ort des Geschehens zu bekommen. Und hakt auch nach, wenn man sich nicht meldet, wir hatten mehrere Emails, ob wir noch Hilfe brauchen, oder ob die Sache erledigt ist. Da wir aber kaum Internet hatten, konnten wir sie nicht zeitnah beantworten.

 

Ansonsten geht es uns sehr gut, wir liegen faul auf dem Campingplatz King Neptune in Indian Harbour , der zur Zeit nicht sehr voll ist und genießen die Zeit und Sonne, es sind ca. 28°C. 

Vorgestern Abend wurden wir von unserem kanadischen Nachbarn Josef Wieland (wie viele km muss man zurück legen, um jetzt hier jemanden zu treffen, der deutsche Vorfahren hat und fast unseren Namen trägt und dann auch noch direkt neben uns zeltet??) eingeladen, unseren allerersten Lobster zu probieren. Wir haben den ganzen Abend geredet und ein bisschen was getrunken (am anderen Tag hatten alle bis auf Jerry einen Brummschädel ). Es wurde sehr spät, war aber sehr schön, sich über sehr viele Themen zu unterhalten. 

Internet ist wirklich nicht so einfach, mal geht es hier, dann wieder lange Zeit nicht. Ich befürchte, daran werden wir uns irgendwie gewöhnen müssen. 

 

13.7.2018, 14.07 2018 Tag 22/23, die unendliche Geschichte der Lieferung einer Glasscheibe

 

Wir haben ganz einfach über Google heraus gefunden, wo die Cargo Abteilung ist. Dort bestätigte man uns, die Scheibe und die Reifen sind unterwegs, und auch die Cargoabteilung ist das Wochenende geöffnet, der Zoll ebenfalls im Flughafen selber. Total euphorisiert machten wir uns auf den Weg zum nächsten Walmart, einkaufen und übernachten.

Um jetzt im Zeitraffer:

 

Samstag 14.7.2018,

9 Uhr:

Stimmung gut, auf dem Weg zum Flughafen.

 

10 Uhr: die Scheibe/Reiben sind nicht an Bord, kommen mit einem anderen Flugzeug um 16 Uht, Stimmung fällt.

 

13 Uhr: Scheibe wird auch nicht in dem Flugzeug um 16 Uhr sein. Inzwischen sind wir mit dem Cargoangestellten fast per Du, sie kümmern sich sehr, kann uns aber nicht viel weiter helfen, da in Montreal niemand ans Telefon geht.

 

15 Uhr: man bietet uns an, hier zu übernachten  und uns auf dem Laufenden zu halten.

 

16 Uhr: wir sehen das Flugzeug landen....ohne unsere Sachen an Bord.

 

Morgen um 11 Uhr gibt es eine Konferenz, danach werden wir näheres erfahren.

 

Thomas wird langsam unleidlich und unkt schon rum, nachdem, was hier alles passiert, könnte es ja jetzt auch die falsche Scheibe sein oder die falschen Reifen...oder...oder...oder

15.7.2018, Tag 24

 Wir haben ausgeschlafen, die Telefonkonferenz ergab, dass unsere Sachen heute um 16h ankommen sollen. Und tatsächlich, um 17h bekommen wir die Frachtpapiere, mit denen ich zum Zoll gehen konnte, dort ging alles sehr einfach, da der ADAC in einem Schreiben darauf hingewiesen hat, dass diese Teile in Kanada nicht zu beziehen sind, mussten wir keine Zollgebühren von 270 Can$ bezahlen, sondern bekamen einfach einen Stempel, dass alles erledigt ist. Und wieder zurück zum Air Canada Cargo, unsere Sachen lagen schon bereit, schnell alles ins Auto beworfen und zurück Richtung Peggys Cove und der Werkstatt dort. Sie werden uns morgen die Reifen auf die Felgen ziehen und die Scheibe einbauen und wir dürfen dort auf dem Grundstück die Nacht vorher stehen bleiben. So langsam fällt die Anspannung ab.  

16.7.2018, Tag 25, 60188km

 Morgens um 7.30 fingen wir gemeinsam an, die Scheibe einzubauen, was sich eigentlich als relativ einfach erwies. Es mussten nur sehr viele Schrauben der Innenverkleidung gelöst werden. Parallel wurden die Reifen aufgezogen. Ca. um 9.30 war alles fertig und wie neu. Die Rechnung war wirklich nicht hoch für alles, 107€.

wir verabschieden und bedanken uns, auch dafür, dass sie den reparierten Reifen aufbewahren für uns, falls wir nochmal ein Problem haben sollten in den nächsten Wohen und uns in diesem Fall dann relativ leicht hinterher geschickt werden kann.

Dann ging es los, weiter richtung Alaska, Pazifik, endlich. Großartiges Wetter haben wir für unseren Start.

Da wir die Gegend ja jetzt genügend erkundert haben, entschieden wir uns den direkten Weg, über den Highway No. 2 zu nehmen, bis zur Fähre in Riviere du Loup (ja, wieder sind wieder in quebec und alles ist wieder französisch) über den St. Lawrence Strom. Der Highway hat fast die gesamte Zeit uns alleine gehört. Das erste Mal und selbst in dieser Gegend, noch nicht so weit weg von den besiedelten Gebieten spüren wir die Einsamkeit, die bald noch zunehmen wird. Wir konnten zwar leider noch keine Tiere sehen. Mit guter Musik und sehr entspannt legten wir 800 km zurück und wir erreichten den St. Lawrence Strom schon abends. Etwas zu früh gefreut kamen wir bei einer Fähre an, dachten die bringt uns über den St. Lawrence Strom. Etwas zu spät erkannten wir, dass es nur über einen See ging, aber in die Einsamkeit, am Rande eines National Parkes haben wir übernachtet mit ungefähr 1000 Glühwürmchen.

 Wir haben zwar inzwischen Hunderte von Schildern gesehen, die vor Elchen auf der Straße warnen, aber wir glauben fast nicht mehr dran, Das mit den Elchen ist bestimmt auch nur so eine Propagandageschichte für Touristen ;-)

Hier ist übrigens alles wieder französisch, vermutlich deshalb haben wir das mit der Fähre übersehen.

 

17.7.2018, Tag 26, 60955km

 Wir sind heute nochmal 100km den St. Lawrence Strom entlang gefahren und überqueren ihn bei Riviere du Loup, was ca. 1h dauert (Breite 30km).Bei der Überfahrt besteht die Möglichkeit, Wale zu sichten, schauen wir mal.

 Wenn wir dann den St. Lawrence Strom überquert haben, beginnt Route 2, siehe unten. Wir haben im Vorfeld viele gefragt, wie es mit der Straße bestellt ist auf dieser nördlichen Route, aber keiner kannte es, es scheint nicht üblich zu sein, dort entlang zu fahren, weil es nicht die direkte Route ist. Wir wurden nur mehrfach darauf hingewiesen, wenn man ein Schild sieht, jetzt hier volltanken, das dann auch zu tun. Wer sich auf der Karte damit beschäftigt, wird sehen, dass wir jetzt ein 2000km großes, fast menschenleeres Gebiet durchfahren wollen/ werden. Da wir davon ausgehen dass wir da oben nicht immer Internet oder Telefon haben, seid nicht unruhig, wenn wir und 3-4 Tage nicht melden.

 Wir sind voll bepackt bis unters Dach, so voll war das Auto noch nie. 

18.7.2018, Tag 27, 61343 km

 

Drei wirklich beeindruckende Dinge haben wir gestern noch erlebt

 

  1. Die Überquerung des St. Lawrencestromes im Nebel, leider konnte man nicht viel sehen bis auf wenige Meter Entfernung, also auch keine Wale. Die Breite des Stromes an dieser Stelle, obwohl wirklich hier nicht die breiteste Stelle, ist unglaublich, 30km, man kann das andere Ufer nicht sehen, es wirkt wie ein Meer. Das Wasser sieht aufgewühlt und dreckig braun aus. Die Fähre benutzt immer wieder das Nebelhorn, damit sie im Nebel nicht mit anderen zusammen stößt.

  2. Auf der nördlichen Seite des Stromes kommen wir relativ schnell in sehr einsames Gebiet, landschaftlich wunderschön, dichter Wald, sehr viele Seen und Flüsse, genauso, wie man sich Kanada vorstellt. Schon seit heute morgen sind die Strassen wie eine Achterbahn, nicht kurvig oder mit Serpentinen, sondern gehen sie 10-12% bergauf und dann wieder genauso bergab, Dadurch, dass sie so schnurgerade sind, sieht es aus, als ob man in einer Achterbahn sitzt.

  3. Der absolute Höhepunkt, das, was am Allerschwierigsten ist, ist uns gelungen. Wir haben einen Schwarm Belugawale direkt vom Ufer aus schwimmen sehen. Es ist faszinierend, diese Tiere zu sehen, sie sind wirklich strahlend weiß und heben sich total von der Farbe des Wassers ab. Es sah aus, als ob sie miteinander spielen, das ganze Schauspiel dauerte ca. 10 min, dann zogen sie weiter auf das offene Meer. Fotos haben wir so gut wie keine, da wir erstmal nur zugesehen haben und völlig hin und weg waren. Aber wir haben es in unseren Köpfen. Viele geben Geld dafür aus, um mit einem Boot extra raus zufahren, um sie hier zu sehen und das auf einem Boot, auf das 700 Leute passen. Da war unser Erlebnis 1000 Mal besser. Wenn man 10m vom Ufer weiße Belugawale schwimmen sieht, vergisst man komplett alles um sich herum und die Realität. Man ist so fasziniert von dem Anblick, es war ein absoluter Traum.

    Wir haben noch lange an der Stelle verweilt, aber sie kamen nicht mehr wieder zurück, man sah sie in der Entfernung immer noch mal als daumengroße weiße Punkte, und selbst das war noch eine tolles Gefühl.

    Der Einzige, der das Erlebnis im Auto verschlafen hat, war Jerry.

 

Übernachtet haben wir auf einem Parkplatz in Saguenay. Letzter größerer Ort vor unserer Route der „Einsamkeit“

18.07.2018  Tag 27 

Übernachtet haben wir auf einme Parkplatz in Saguenay. Letzter größerer Ort vor unserer Route der „Einsamkeit“

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Heute haben wir wieder drei Highlights erlebt.

Wir sind heute sehr früh wach geworden, um 5 Uhr als es hell wurde und dann ging es raus aus der Zivilisation. Wie das Bild belegt, ist die nächste Stadt 200km entfernt.

Bei schönem Wetter, ca. 20°C, fuhren wir überwiegend gerade Straßen, die wieder rauf und runter gingen mit starkem Gefälle.

Endlich haben wir unseren ersten Elch gesehen, ganz kurz, er war auf einem Feld und ganz schnell im Wald verschwunden ist, aber gut zu sehen und sehr groß. Im unteren Teil Kanadas, dem sehr stark bevölkerten Teil lagen sehr viele tote Tiere am Straßenrnand. Hier überhaupt nicht.

Für die 200km Einsamkwit brauchten wir 4 Std, weil wir auch viel kurze Stops gemacht haben, Die Landschaft ist wirklich unglaublich beeindruckend, genauso wie man sich Kanada vorstellt.

Dann angekommen in Chigomanau kamn wir auf die Idee, noch weiter nach oben zu fahren zum Hudson Bay, was ca. nochmal 300km gewesen wären. Da wir aber kein Internet oder Telefon haben, konnten wir nicht googlen, was hier im unteren Teil des Hudson Bay interessant sein könnte und ob es Wale zu sehen gibt. Also suchten wir ein Informationszentrum in dem kleinen Ort, was ein bisschen einen Expeditionscharakter hatte. Dann fanden wir einen Polizisten, dem wir alle unsere Fragen gestellt haben, er war unglaublich freundlich und hilfsbereit, er sagte, die Straße dort hoch ist zum Großteil nicht asphaltiert, sondern nur geschottert und dass es dort eigentlich nicht viel zu sehen gibt und man gute Reifen braucht... ok, Risiko... stattdessen schlug er uns vor, das in 56 km entfernte Indianerreservat, oder wie sagt man hier: First Nation Reservate zu besuchen. Er gab uns nochmal die hier ortsübliche Notfallnummer, wies uns eindrücklich darauf hin, mit der Geschwindigkeit vorsichtig zu sein wegen der Elche und war entsetzt, dass wir kein Satellitentelefon haben, was hier üblich und sinnvoll wäre. Was uns im nachhinein sehr stutzig machte. Aber gut,wir haben keins und der Notruf funktioniert trotzdem.

Es war ein echt cooles, freundliches Gespräch und auch lang, ungefähr 20 min, wir tauschten uns auch so über die Route und Europa noch aus.

Danach machten wir uns auf den Weg zu dem Indianerdorf Ouje Bougoumou . Dort angekommen versuchen wir irgendwie ins Gespräch zu kommen, aber es war nicht möglich, es war wie eine eigene Zone, eigene Polizeistation, eigenes Gericht, eigene Feuerwehr. Und obwohl wir dort einen Augenblick verweilten, sind wir mit niemandem ins Gespräch zu kommen . Etwas frustriert sind wir weiter gefahren und haben uns gefragt, woran es liegt. Nächster größerer Ort ist in 400km.

Da es jetzt schon ca. 18 Uhr war, stoppten wir an einen etwas größeren See und freuten uns schon , hier zu übernachten und noch etwas draussen sitzen zu können. Was sich aber als totaler Flop entpuppte, denn hier haben uns zum ersten mal so richtig die Moskitos eingefangen. Ein Schwarm um jeden und sie folgen einem in alle Richtungen, auch ins Auto. Da unser Bauchgefühl uns sagte, das ist nicht der richtige Ort, um zu bleiben, fuhren wir weiter. Wir kamen in ein kleines Indianerdorf Wasnanipi, Wie wir in Erfahrung bringen konnten, ist es der Stamm der Cree. Wir fragten höflich, ob wir für eine Nacht bleiben dürfen und wir bekamen die Erlaubnis, hier zu bleiben, es wurde bei der Polizei nachgefragt und wir wurden angekündigt.

Wir sind ehrlich überrascht über diese Trennung zwischen Indianern und den ehemaligen Eroberern, den Europäern, so extrem hatten wir uns das nicht mehr vorgestellt, getrennte Orte, die Menschen sind sehr vorsichtig, so als ob sie schlechte Erfahrungen gemacht haben, andererseits aber auch wieder sehr neugierig, bestimmt zum großem Teil wegen unseres deutschen Autos, es sind während wir hier stehen bestimmt 20-30 Autos vorbei gefahren und die Leute schauen uns neugierig an, grüßen auch. Dann kam auch die Polizei und sie waren wirklich super nett, wussten schon Bescheid. Wir konnten alle unsere Fragen stellen. Sie freuen sich, dass wir da sind, aber sie halten Distanz, wir gehen davon aus, dass inzwischen jeder aus dem Dorf seine Familie ins Auto geladen hat und an uns vorbei gefahren ist. Wobei alle wirklich freundlich geguckt und teilweise gewunken haben, aber nicht das Gespräch mit uns gesucht haben. Wir stehen hier auf dem Festplatz des Dorfes, es gibt hier einige Tipis, die Menschen wohnen aber in normalen Häusern, wenn diese auch etwas einfacher oder ärmlicher wirken, als das was wir bisher hier so gesehen haben. Die einzigen Möglichkeit zu sprechen war mit den beiden Polizisten, die extra nochmal zu uns kamen und die uns auch versichert haben, dass es unüblich ist, dass Kanadier die Nähe oder den Kontakt suchen. Wir haben das Gefühl, wir sind hier die ersten Europäer (was wir natürlich nicht sind, denn die waren ja schon früher hier und waren es sicher auch in den letzten Jahren), aber es macht sehr neugierig. Hoffentlich haben wir später noch irgendwann die Möglichkeit zu reden. Leider merkt man eine Distanz und das macht uns traurig, denn es ist so sinnlos nach so einer langen Zeit in der Geschichte. Eigentlich wirft dieser Besuch hier 1000 Fragen bei uns auf, die wir momentan nicht beantworten können. Es ist sehr eigenartig, irgendwie traurig, dass diese extreme Distanz immer noch so stark ausgeprägt ist.

Für uns ein sehr aufregender, ereignisreicher Tag, wir sitzen zusammen, sind sehr glücklich, aber auch sehr nachdenklich über die Situation, die wir hier erleben. Zum einem machen wir die Erfahrung, dass die Franzosen sich so separieren in Quebec von Rest Kanadas, teilweise die englische Sprache komplett verleugnen, andererseits hier oben auch so alles separiert ist von den Ureinwohnern und der eine schimpft so ein bisschen über den anderen. Landschaftlich ist deises Land einmalig, wie im Bilderbuch, wirtschaftlich scheint es ihnen auch gut zu gehen, aber wir spüren eine deutliche Zerrissenheit innerhalb der Bevölkerung.

19.7.2018, Tag 28 – 21.7.0,2018 Tag 30, 63071km

 

Es gibt nicht viel zu erzählen...

wir kämpfen uns Stunde ür Stunde gemütlich voran, man kann hier nur 90kmh fahren, Tempomat und man rollt vor sich hin auf einer meist guten, überwiegend geradeaus laufenden Strasse (es ist ein bisschen monoton). Alle 10-15 min kommt uns ein LKW entgegen, so einsam wie wir dachten ist es dann doch nicht. So sehr wir uns auch bemühen, wir bekommen keine Tiere zu sehen, ausser Warnhinweisschilder überall. Unsere „Tierausbeute“ bleibt also immer noch bei den Belugas und einem Elch. Wie die Bilder belegen sind die Abstände zwischen den Dörfern horrend, 200km, 400km war bisher unsere längeste Strecke, ohne eine Tankstelle/ Restaurant zu sehen. Die Orte, die man dann durchquert haben so ein bisschen einen Expeditionscharakter, klein, verschlafen.

 

Landschaftlich ist Kanada so wie wir es uns vorgestellt haben. Es wechselt ein bisschen, mal ist es Tundra, Sümpfe, dann kommt wieder dichter Wald, immer wieder kleinere und größere Seen, Flüsse. Die ersten zwei Tage, 19. und 20. war es wirklich sehr warm, 30°C, das haben wir hier nie erwartet, heute am 21. ist es bewölkt und regnerisch mit 15°C.

 

Übernachtet haben wir meist an einsamen Seen und uns morgens dann gewundert, dass sich doch noch 2-3 andere kleine Wohnmobile spät zu uns gesellt haben. Wenn es auch nachgelassen hat mit den Mückenschwärmen, so sind hier Mücken allgegenwärtig. Manchmal steht man 5 min ohne eine Mücke, dann kommt plötzlich ein ganzer Schwarm, den man nicht mehr los wird. Ich verstehe nicht, warum sie auf mich losgehen und Thomas in Ruhe lassen, an den Stichen hat man mind. 4 Tage Spass.

 

Da es ja wenig zu schreiben gibt, ein lustiges Erlebnis von vor ein paar Tagen:

wir kamen an eine Kreuzung mit einer Ampelanlage und wir wollten links abbiegen. Meistens ist das dann so, dass dann links ein grüner Pfeil leuchtet, wenn man fahren darf. Bei dieser Ampelanlage leuchtete keiner, sondern nur grün für geradeaus. Da Thomas verunsichert war, blieb er bei grün stehen, um zu warten, ob der Pfeil noch kommt, wir warteten wirklich 1,5-2 min bei grün, der Pfeil kam nicht und hinter uns standen inzwischen mind. 8-9 Autos. Und obwohl wir 2 Grünphasen dort gestanden haben, bis wir verstanden haben, dass wir fahren können, wenn kein Auto entgegen kommt, hat keiner gehupt, geschimpft, keine negative Reaktion. War uns ein bisschen peinlich, wir haben noch lange darüber gelacht. Wahrscheinlich haben die hinter uns gestanden und über die Ausländer gelacht.

 

Zurück zu heute:

wir sind jetzt gerade 200km vor Thunder Bay, was die nächste größere Stadt ist und 900km vor Winnipeg (von dort aus wollen wir schauen, ob wir eine Möglichkeit haben, nach Churchill zu fliegen, um dort mit Belugas zu schnorcheln) und wie oben schon beschrieben, rollen wir mit 90 durch eine landschaftlich wunderschöne Gegend. Wir hatten jetzt 2 Tage so gut wie kein Telefon/Internet, es ist hier so dünn besidelt, dass sich Sendemasten wohl kaum lohnen. Da es hier ausser Landschaft nicht viel angeschauen gibt, versuchen wir gerade Strecke zu machen und unserem Ziel Alaska etwas näher zu kommen. Ach ja, da gab es ja doch noch eine Kleinigkeit, die uns Widerfahren ist: so mitten im Nichts verließ uns erst die Musik, der USB Stick hatte sich wohl gelöst. Und beim Zurückschieben des Radios machte es Klick und die Hauptsicherung war raus. Thomas versuchte 1h das Teil wieder zum Laufen zu bringen, kontrollierte jedes Kabel, alles war an seinem Platz, konnte den Fehler nicht finden.

Ein bisschen genervt, fuhren wir dan die nächsten 200km ohne Navi, ich habe uns mit dem Offline Navi Osmand über das Handy versucht weiter zu bringen. Zum Glück gibt es hier ja nicht so viele Strassen. Als wir dann unseren Nachtstop eingelegt haben, haben wir uns dem Problem nochmal gewidmet und entdeckt, dass ein blaues Kabel unisoliert im Radioschacht war, was aber keine Verwendung hatte, es abisoliert, dann blieb auch die Sicherung drin. In solchen Situationen wird einem immer mal wieder bewusst, dass es zwar angenehm ist, mit seinen eigenen Sachen und eigenem Auto unterwegs zu sein, aber da hier alles etwas anders ist, ein solches eigentlich kleines Problem ganz schon groß sein kann.

 

Ansonsten geht es uns wirklich richtig gut, wir geniessen die Zeit, heute sind wir seit einem Monat unterwegs, der Fenster- und Reifenschock ist verarbeitet, seit Montag sind wir wieder unterwegs. Inzwischen sind wir in Ontario, das ist schon fast 1/3 der Strecke durch Kanada und vorallem aus dem französischsprachigen Quebec raus, was manchmal echt anstrengend war, die Mentalität der Leute ist oft anders, ein bisschen wie bei Franzosen in Europa, nur Französisch, etwas arrogant, ignorant. Wir haben übrigens noch keinen, ausser zwei deutschen Urlaubern, die sich hier ein Wohnmobil geliehen haben, anderen Europäer getrofffen, der in ähnlicher Art durch das Land reist.

Bis auf in Quebec, wo wir meist ignoriert wurden, ist die Neugier der Leute schon groß und wir werden sehr oft angesprochen, was wir machen. Inzwischen kann ich meinen Antworttext auswendig.

Ein Lagerfeuer hatten wir in dem ganzen Monat, den wir jetzt hier sind auch noch nicht, es gibt hier überall Anzeigen, wie hoch die Gefahr des Waldbrands gerade ist. Die Anzeige steht auf rot.

 

Hier ist es gerade 11h Vormittag, der Zeitunterschied sind 6h zu Deutschland. Wenn wir Thunder Bay hinter uns gelassen haben, kommt die nächste Zeitzone, dann sind es 7h früher als in Deutschland. Hell wird es momentan so um 5 Uhr, dunkel um 22h .

 

Hier sind die Koordinaten unserer letzten Übernachtung am Klotz Lake, N49.79917°, W85.86447° (einfach mal die Zahlen/Koordinaten copy/paste in Google Map eingeben, so sehen unsere Übernachtungsplätze aus)


21.7.2018, 15h

 

Gegen 15h haben wir eine kleine Pause eingelegt, nach einer Fahrt durch wunderschöne Landschaft. In jedem größeren Ortseingang gibt es ein Welcome Center, so auch in Thunder Bay. Uops, da stand ein Schweizer mit Namen Gianni vor uns, auch ein kleiner Weltreisender, der zusammen mit seiner Katze ungefährt das gleiche vor hat wie wir.

Gianni wartete gerade auf 2 andere Deutsche, die schon seit 3 Monaten in Kanada sind. Wir haben uns dann eine Stunde sehr angeregt unterhalten und Erfahrungen ausgetauscht und beschlossen, uns abends einen gemeinsamen Übernachtungsort zu suchen. Wir fanden eine kleine Bucht, perfekt, Parken direkt am See. Wir haben uns zu 5. bis in die Nacht angeregt ausgetauscht. Thomas und Yvonne kommen aus München, sind seit 3 Monaten unterwegs quer durch Kanada, ebenfalls mit Richtung Alaska. Könnte also sein, dass wir uns nochmal wieder treffen. Interessant war, dass wir teilweise die gleichen Erfahrungen gemacht haben, dass unsere Erwartungshaltung bei Ankunft sich mit der Realität nicht gedeckt hat, dass ein Kanada in Nova Scotia eben anders aussieht als das romantische Bild von Lagerfeuer am einsamen See mit Elch im Hintergrund.

 

 


22.7.2018, Tag 31, 63582km

 

Morgens wurde es dann mal ein bisschen kniffelig (nein, dieses Mal hat es mal nicht uns getroffen...), Gianni hat sich ausgesperrt aus seinem Auto, Schlüssel und Katze drin. Nach einer Stunde überlegen und tüfteln, ist es dann gelungen, über die Beifahrerseite an den Schlüssel zu kommen. Wir machen uns weiter auf Richtung Winnipeg (600km) und bekommen jetzt eine Stunde Zeit geschenkt, da wir in die nächste Zeitzone fahren, jetzt 7h früher als in Deutschland.

Unser Plan ist, kurz vor Winnipeg einen Übernachtungsplatz zu suchen und am anderen Tag dann Winnipeg zu erkunden/ einige Besorgungen zu tätigen, Telefonkarte aufladen, Wäsche zu waschen und Auskunft einzuholen, wie man von hier nach Churchill (am Hudson Bay) kommt, da es keine Strasse gibt.Hier ist die einzige Stelle, an der man mit Belugas schnorcheln kann. Hierfür werden wir uns 2-3 Tage Zeit nehmen und und voraussichtlich auch nochmal Gianni, Thomas und Yvonne treffen.

 

Uns geht es sehr gut, wir kommen immer mehr in diesme Land an. Dass wir schon 31 Tage unterwegs sind, fühlt sich so überhaupt nicht an, wir können es selber kaum glauben und werden beim Schreiben hier immer wieder daran erinnert. Vielleicht ist das so, weil wir noch so viel vor uns haben, worauf wir so neugieirig sind.

 



23.7.2018, Tag 32, 64180km

 

Auf dem Weg nach Winnipeg (20km vorher): uops, fast übersehen, wir sind ja schon in der Mitte von Kanada!!

Nicht lachen, aber wir wurden beobachtet von einem Reh am Straßenrand, was uns die ganze Zeit anschaut, als wir die Kamera holten, verschwand es natürlich. Dann hielt ein Kanadier an und fragte, ob wir eine Panne hätten und Hilfe brauchen. Das erinnerte uns wieder an diese Hilfsbereitschaft hier. Geplättet von diesen drei Ereignissen, fuhren wir nach Winnipeg rein, um eine Tourist Information zu suchen. Hier herrschte reger Verkehr, enge Straßen, das war nach 3 Wochen Wildnis und nur kleinen Dörfern echt anstrengend, sich hier durch zu arbeiten.

 

Von dort fuhren wir weiter zu Flughafen und zu Nebengebäuden, da wir Informationen von Calm Air (die Fluglinie, die als einzige nach Churchill, Manitoba, am Hudson Bay fliegt), haben möchten. Im Flughafen selber keine Auskunft möglich, im Nebengebäude schon. Von Winnipeg aus ist das ein 5h Flug mit Zwischenstop für ca. 1500 Can$ hin und zurück, von Thompson aus, was weiter im Norden liegt, sind es 2h, 760 Can$ hin und zurück. Wir wären gerne von Thompsen geflogen, aber es gibt nur dienstags einen Flug und erst eine Woche später wieder dienstags zurück. Nach den Erfahrungen mit den Leuten hier am Flughafen, wollen wir auf keinen Fall Jerry dort in dem Chaos abgeben, ich hatte das Gefühl, die Leute beim Check In waren völlig desinteressiert und unkoordiniert. Wenn der Hund dann auch eine Zwischenlandung machen muss, kommt er bestimmt in Timbuktu an und wir in Churchill. Eine andere Möglichkeit wäre, eine Chessna zu chartern von Gillam (etwas über Thompson), das kostet allerdings 3500 Can $.

Außerdem können wir uns auch nicht vorstellen, eine ganze Woche dort oben zu bleiben im Hotel, davon gibt es überhaupt nur 3 und einen Shop. Ein bisschen desillusioniert, da das eigentlich eins unserer Highlights werden sollte, beschlossen wir, das erstmal auf uns wirken zu lassen und wendeten uns unseren anderen Aufgaben für diesen Tag zu, wie Wäsche waschen und trocknen, Auto von innen reinigen, Internet neu klären, ob neue Karte, oder alte aufladen.

Abends wurden wir auf dem Walmartparkplatz von einem kanadischen Wohnmobilfahrer angesprochen, der uns ein paar wirklich interessante Tips gab, dass es in äußersten Norden von den North West Territories auch ein Möglichkeit gibt, Belugas zu sehen, dorthin geht die nördlichste Strasse Kanadas, die es noch nicht sehr lange gibt und es wohnen Inuit dort. Ab August könnten wir Glück haben, dass wir dann jemanden fragen können, uns mit dem Boot raus zunehmen. Aber so lange werden wir sowieso brauchen, um dort hoch zu fahren. Der Ort ist oberhalb der Goldgräberstadt Dawson City, nordöstlich von Yukon und heisst Tuktoyaktuk. Da die Strasse erst vor kurzen fertig gestellt wurde und auf unserer Karte noch gar nicht eingezeichnet ist, scheint das noch sehr unbekannt zu sein und wir werden dort hinfahren, statt nach Churchill, es liegt fast auf unserer Route, da wir sowieso über Dawson City fahren werden. Bis Tuktoyaktuk sind es nochmal 500km mehr.

 

Gegen Abend trafen dann unsere beiden Bekanntschaften auch auf dem Walmartparkplatz ein und hatten einen 19-jährigen Tschechen ab Bord, einen Hitchhiker, der quer durch Kanada unterwegs ist, sehr gut deutsch sprach und es wurde wieder ein sehr lustiger, interessanter und langer Abend bis um 2.30h nachts.

 

 

24.7.2018, Tag 33, 64301km

 

Heute morgen haben wir beschlossen, uns 100km entfernt in einem Provicial Park (Grand Beach Winnipeg Lake) zu treffen und einen letzten Abend zusammen beim Lagerfeuer und Grillen zu haben um dann ab morgen fürs erste wieder getrennte Wege zu gehen. Und wir wollen uns auch wieder unserem Rhythmus zuwenden, denn wir haben ein bisschen viel gefeiert die letzten Tage, wenig gefahren und wenig geschlafen.

Der Park war supergünstig, 18 Can $, Parkeintritt 5 Can$ und wirklich sehr schön, weitläufig mit separaten Slots mit viel Privatsphäre, aber es ist auch keiner sonst hier, wir sitzen mittem im Wald. Jerry ist an iener langen Leine draussen und fängt an aufgeregt in Richtung Wald zu ziehen, schnuppert, ist richtig starr. Wir dachten, er wittert bestimmt ein Reh oder einen Waschbären. Dann kam, während ich hier gerade sitze und schreibe eine Frau auf dem Fahrrad vorbei und warnt uns, dass sie gerade sehr nah eine Schwarzbärin mit 2 Jungen gesehen hat. Ok, das war dann wohl das, was Jerry gewittert hat. Beim vorsichtigen Abgehen der Umgebung konnten wir aber nichts sehen momentan. Mehr dazu später.

 

Ich bin neugierig, aber auch etwas unsicher, sensibel, denn das ist das erste Mal, dass ein Bär so nah ist und er hat Junge dabei. Wir sind sehr wachsam und hoffen, dass Jerry weiter so gut aufpasst und uns warnt. Aber wir haben gerade beschlossen, uns morgen ein Bärenspray zuzulegen. 

 

 

Die Bären sind nicht wieder zurück gekommen. Einerseits gut, andererseits hättenwir gerne endlich mal einen echten Bären gesehen. Um 18h haben wir unser erstes Campfire angezündet, wir hatten Unmengen Holz, das Feuer brannte bis 2h nachts. Wir haben Würstchen auf Stöcke gespiesst und gegrillt und Süßkartoffeln in die Glut gelegt. Dazu gab es einen Salat. Wieder war es so einfach zusammen mit allen, jeder hat einfach das, was er hatte in die Mitte gelegt, irgendwie braucht man hier weniger Worte und Absprachen als zuhause.

 

Wir haben noch sehr lange vor dem Feuer gesessen, geredet, Musik gehört und unseren Gedanken nachgehangen. Auf die Frage hin, was denkst du gerade, bekamen wir zur Antwort, "ich bin gerade richtig glücklich" und " kennst Du das Gefühl, Du platzt vor Glück"? 

Wir empfanden das genauso und dazu eine große Ruhe. Zuhause, im Alltag hat man so etwas selten. 

 

Irgendwann fragte wir uns, was der andere gerade denkt, einer sagte " ich bin richtig glücklich gerade" und ein anderer "kennst Du das Gefühl, wenn man vor Glück platzt?"

Ein Gefühl, dass man im Alltag zuhause wirklich selten hat.

Ein unvergesslicher Abend.

25.7.2018, Tag 34, 65235km

 

Um 10.30h fuhren wir los, unser Paln war, Saskatchewan einfach schnell zu durchfahren, wir haben auf der karte nichts interessantes gefunden, dass uns zu einem Stop oder Umweg bewegen würde. Das Land ist flach, es gibt sehr viel Landwirtschaft, Ackerbau, Viehzucht, große Strecken sehen fast aus wie Deutschland. Meine Vorstellung von Kanada passt hier überhaupt nicht rein. Ich dachte wirklich, es gibt ein paar Großstädte und der Rest besteht aus dichten Wäldern, Seen und Sumpfgebieten. Aber hier sieht man auch den Einfluss der Zivilisation, denn ganz sicher gab es hier früher auch nur Wald. Wir fahren sehr lange, bis um 20.30h und legen tatsächlich stolze 934km zurück auf einem fast komplett freien Highway. Nur um Winnipeg und 2h weiter ist es unangenehm, da es regnet und am Anfang noch starker Verkehr herrscht, aber je weiter wir uns entfernen, desto besser wird es mit dem Verkehr und dem Wetter. Wir überqueren die Grenze zu Saskatchewan. Die Strasse wird total einsam, sie ist schnurgerade, so weit das Auge reicht. Ein kleines Highlight in diesem flachen, etwas monotonen Gebiet sind ellenlange Züge, die immer wieder mal unseren Weg kreuzen, Manchmal haben sie vorne 3 Loks und hinten eine, dazwischen haben wir einmal 86 Wagons gezählt. Sowas haben wir in so einer Länge noch nie gesehen und auch nicht für möglich gehalten, dass so etwas funktionieren kann.

Zum Abend hin ändert sich die Landschaft allmählich, es wird etwas hügeliger, endlose Grasflächen, oft mit Kuhherden. Wir fahren ganz gemütlich in die untergehende Sonne.

Wir sind wirklich sehr schnell vorwärts durch Kanada Richtung Osten gekommen, letzten Montag sind wir in Halifax gestartet, 11 Tage später sind wir nur 1300km vor Vancouver und somit vor einem unserer Ziele, dem Pazifik. Aber vorher, in 500 km werden wir Calgary erreichen. Dort werden wir in die Rocky Mountains fahren, Richtung Norden. Der Highway 93 geht über 230km direkt durch die Rocky Mountains bis zu einer Höhe von 3000m, vorbei an Seen, wie dem Dow Lake, Peyto Lake, Waterfowl Lake oder dem Mistaya Canyon und zu den National Parks Jasper National Park und Banff National Park.

 

 

26.7.2018, Tag 35, 65745km

Wir sind heute bis Calgary gefahren, wir haben ein bisschen getrödelt, eigentlich wollten wir bis in die Rockies fahren. Aber dann kam ein Unwetter und wir wollten so nicht durch Calgary fahren und nichts sehen. 

Der Weg hierher war eintönig und immer schnurgeradeaus. So weit das Auge blicken kann Graslandschaft und Ölförderung. Noch nicht mal Rastplätze gibt es, nur ab und zu mal klitzekleine Haltebuchten.Auch einen Schlafplatz zu finden war nicht so ganz einfach, das Internet sagt zu fast allen Walmarts hier, dass sie kein Overnight Parking erlauben. Mal sehen, ob wir nochmal weiterfahren müssen. Wir wollen morgen ganz früh starten, um durch Calgary, immerhin die drittgrößte Stadt Kanadas, einigermaßen lebend durch zu kommen.

 

Wir haben unsere neue Route festgelegt. Das eigentliche Kanada, was jeder im Kopf hat, der Westen und Nordwesten bis nach Alaska, siehe Bild 4, unten, sind 6.617km, geht durch die Rocky Mountains, British Columbia, Yukon, North West Territories und Alaska. Hierbei werden wir unsere Füsse und Pfoten in den  arktischen Ozean und den pazifischen Ozean halten und wir gehen auch davon aus, dass jetzt die Highlightfotos und Tierfotos kommen. Unten Routenverlauf Route 3

26.7.2018, Tag 35,

 

Wir sind so gespannt darauf, endlich in die Rocky Mountains zu kommen, dass wir schon sehr früh wach sind und früh losfahren. Wir sind erstmal durch Calgary gefahren. Calgary ist die drittgrößte Stadt Kanadas. Nachdem wir jetzt 2 Tage durch das Nichts hierher gefahren sind, kann man sich das kaum vorstellen, dass hier jetzt auf einmal so viele Menschen leben sollen. Die Straßen sind schachbrettartig angelegt. Eine „Street“ verläuft immer von nord nach Süd, eine „Avenue“ von West nach Ost. In Downtown sind viele Bürogebäude und Einkaufszentren durch das „+15 Skywalk System“ miteinander verbunden. Dieses Wegesystem besteht aus verglasten Fußgängerbrücken und Passagen, die 15 Feet (4,57m) über den Straßen durch die Hochhäuser verlaufen. Mittlerweile verbinden mehr als 62 Fußgängerbrücken etwa 18km Fußwege miteinander. Grundidee des Architekten war es 1970 ohne Rücksicht auf Wetterkapriolen shoppen oder sein Büro in Downtown erreichen zu können. Über das Skywalksystem kommt man auch in die Grünanlage Devonian Indoor Garden mit Kinderspielplatz, Ruhezonen, und Teichanlagen.

Da wir nicht so die Städtereisenden sind, seitdem wir mit dem Wohnmobil unterwegs sind, da es oft sehr schwierig ist, in dem dichten Verkehr unbehelligt am anderen Ende wieder raus zu kommen oder das Auto sicher irgendwo parken zu können, machen wir kein Sightseeing. Wie schon in Calgary, was mal Austragungsort einer Winterolympiade war, sieht man auch in letzten Ort vor den Rocky Mountains, Canmore überall die Spuren des Wintertourismus, sehr viele Hotels und Chaltes, sehr viele Restuarants und kleine Shops, hingegen einen Supermarkt zu finden ist extrem schwer. Wir sollten uns noch mit Trinkwasser eindecken vor den Rocky Mountains und frisches Brot wäre auch gut.

 

Nächste kleine Stadt am Fuße der Rockies ist Banff, wieder extrem touristisch. Langsam wird klar, dass die Vorstellung, die wir von den Rocky Mountains hatten, nämlich, dass wir hier einsam abends am Lagerfeuer sitzen und die Würstchen, die wir eben noch in einer Euphoriewelle besorgt haben, grillen, nicht aufgehen wird.

Da es doch sehr touristisch hier ist, es gibt im Großen und Ganzen nur 2 Straßen, die durch die Rockies führen und hier reiht sich ein Wohnmobil an das andere, außerdem ist es Freitag, dummerweise hat für die Kanadier scheinbar schon das Wochenende begonnen und gefühlt jeder 2. fährt heute wohl hier durch. Es gelingt uns immer wieder Abstand zu gewinnen und einsam zu fahren. Es ist nicht so, dass hier 100.000 Menschen sind, aber für uns, die sozusagen aus dem Nichts kommen, sind 30-40 schon zu viel. Da sich hier eine Sehenswürdigkeit an die andere heftet und wir alle 5min anhalten, um Fotos zu schiessen, kommen wir nur ganz langsam voran. Wir sind total beeindruckt von dem klaren Wasser, türkisfarbenen Seen, Bergen, die noch schneebedeckt sind, dichten Tannenwäldern, dass wir nicht merken, wie die Zeit vergeht. Es war auf einmal 20h, als wir dann bei einer kleinen Ruhepause an einem See auf die Uhr schauten. Wir beschlossen, uns eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Hier im Park ist es nicht erlaubt, frei zu parken nachts, da sich hier ein Nationalpark an den anderen reiht, merken wir, dass es heute unmöglich sein wird, frei zu stehen. Gegen 21h beschlossen wir, die Nacht einfach auf einem Campground zu verbringen, die alle paar Km am Straßenrand ausgewiesen werden. Wir haben im Vorfeld nicht so darauf geachtet, weil wir sie eigentlich nicht nutzen. Wir mußten feststellen, dass tatsächlich alle belegt sind. Bei einem fragten wir trotzdem nach, obwohl voll, durften wir am Eingang parken, umsonst und mußten keine 22 Can$ zahlen und saßen wunderschön noch vor unserem Auto und genossen es, diese Nacht in dne Rocky Mountains zu schlafen.

Anmerkung: von Calgary unbedingt die 1A fahren, nicht den Highway 1. Nicht leicht zu finden, aber es ist eine einsame, sich durch die Berge schlängelnde Straße, die immer mal wieder an den Highway 1 rankommt. Die 1A mündet in den Highway 93, der auch Icefield Parkway genannt wird. Er ist DAS Highlight für alle Kanadabesucher. Diese Straße, die durchschnittlich auf etwa 1.500m Höhe verläuft, führt mitten durch die Rocky Mountains mit beiderseits mächtigen Felswänden, schnee- und gletscherbedeckten Bergggipfeln, breiten Flusstälern, endlosen Wäldern und traumhaft liegenden Seen.Entlang der Strecke gibt es Aussichtspunkte und Picknickplätze. Trails führen zu spektakulären Aussichtspunkten oder wunderschön liegenden Seen Die mächtigen Eisfelder des Columbia Icefields Bow Glacier und Crowfoot Glacier beeindrucken genauso wie die tosenden Wasserfälle. JA, wir wiederholen uns, aber es war wirklich ein Traum!! 

Da wir voraussichtlich auf dem Rückweg hier nochmal vorbeikommen, freuen wir uns schon jetzt darauf.  

28.7.18, Tag 36, 66371km

 

Wir sind wieder früh aufgestanden, weiter von Jasper auf der 16, vorbei am höchsten Berg der Rocky Mountains der kanadischen Seite, dem Mount Robson mit 3.954m, ein imposantes Ding, schneebedeckt liegt er vor uns.

Wir haben für die 230km von Banff bis Jasper 1,5 Tage gebraucht, es lag nicht an der Straße, die ist gut zu befahren, es war wohl eine der schönsten/ wenn nicht die DIE schönste Straße, landschaftlich gesehen, die wir je befahren haben. Unser heutiges Tagesziel in die Stadt Prince George. Da wir schon einen kleinen Augenblick unterwegs sind, ist es jetzt wieder einsam, aus dem Hauptgebiet der Rocky Mountains und den National Parks raus. Die Menschenmengen haben wir wieder abgeschüttelt, wir sind wieder so gut wie alleine auf der Straße unterwegs. Das Wetter ist wunderschön, blauer Himmel, 25°C, schauen wir mal, was der Tag bringt.

Inzwischen ist der Zeitunterschied zu Deutschland schon 9h.

 

Vormittags sind wir noch durch die Berge gefahren, nachmittags wurde es flacher, 2-3 Städte passierten wir, die menschenleer waren, wir lachten, es wirkte, als habe man das hier hingebaut, damit hier überhaupt etwas steht, nichts regte sich. Eigentlich wollten wir abends noch weiter fahren, weil es so schön war, in die Sonne, Richtung Westen zu fahren. Es ist hier unglaublich warm, 30°C auch um 19h noch. Dann fanden wir über unsere App einen Stellplatz am Lake Frazer, unglaublicherweise ein Campingplatz ohne Gebühr, direkt am See und fast leer. Hinter dem See sehen wir starke Rauchschwaden aufsteigen, aber es ist weit genug weg. Die Waldbrandgefahr wird nach wie vor überall mitgeteilt auf Tafeln an der Straße und sie ist hoch. Es ist hier total ruhig, es dämmert gerade, die Mücken sind auch wieder aufgewacht. eine richtige Idylle hier. 

Morgen wird es interessant. Voraussichtlich werden wir morgen den Pazifik erreichen. Die Internetrecherche hat ergeben, dass die vorgelagerte Insel Queen Charlotte Mountain einen Besuch wert wäre, dort lebt die Hälfte der Seelöwenpopulation in ganz British Columbia. Und man hat eine Chance Orcas und andere Wale zu sehen.

 

Wir haben auch heute während der Fahrt einen etwas längeren Bericht verfasst, was sich in der Zeit unserer Reise in uns verändert hat. Wir wollen uns aber noch ein bisschen beobachten, bevor wir es online stellen, aber man kann jetzt schon sagen, es hat sich einiges verändert in uns und unserer Einstellung. 

 

29.7.2018, Tag 37, 66920km

 

Nach einer wunderschönen Nacht, sehr ruhig und erstaunlich kühl nach der Hitze, die hier tagsüber war, startete wir heute etwas früher, weil wir versuchen wollten, heute noch bis zum Pazifik zu kommen über den Highway 16, der sich als eine der schönsten Straßen entpuppte, immer an einem Fluss entlang und schließlich durch die Coastal Mountains, überwiegend sehr kurvig. Interessant war, dass die Temperaturen wie zuhause 32-33°C waren (wir sind ziemlich hoch im Norden und auch in Kanada ist gerade ein viel wärmerer Sommer als normalerweise), bis 15 km vor Prince Rupert, dann fuhren wir durch eine Schlucht und es waren nur noch 17°C. Die Straße hierher war wunderschön, aber sehr anstrengend zu fahren für Thomas und er fiel abends, nachdem wir noch alles organisiert hatten für den nächsten Tag, innerhalb von Sekunden in den Schlaf.

Es gibt noch etwas sehr Interessantes zu berichten: so gegen 15h sind wir zum Fährhafen gefahen, da wir auf die vorgelagerte Insel Haida Gwaii, früher auch Queen Charlotte Island genannt, fahren wollen, dort gibt es Orcas und andere Wale und die Seelöwen. Nach den bisher gefahreren 13.000km wollen wir mal 2-3 Tage entspannen.Also sind wir frohen Mutes in das Büro gegangen, um die Fähre zu buchen und bekamen ein Schmunzeln mit dem Nachsatz, das ist nicht so einfach.

 

Fährt keine Fähre?

Doch, aber sie fährt nur einmal am Tag, 5 Tage die Woche, aber sie ist im Voraus augsebucht und es gibt lange Wartelisten, auf die wir uns auch eintragen könnten.

 

Sie sagte auch, wenn wir es jetzt schaffen würden, drauf zu kommen, wir müssen ja auch wieder zurück und die sind auch alle ausgebucht.

 

Wir fragten, wie hoch die Chancen seien, dann dauerte es aber je 10 min, die Buchungsdaten hochzuladen, in dieser Zeit haben wir viel geredet und Scherze gemacht, das Eis war gebrochen, sie setzte uns auf die Warteliste, über uns ca. 30 Leute, pro Strcke, hin und zurück. Thomas holte eine kalte Cola, legte 10 Can$ obendrauf. Später als ich nochmals in das Büro ging, strahlte sie mich an und sagte, sie hätte es geschafft, uns auf Platz 1der Warteliste vorzuschieben. Aber nix verraten ;-).

Wir durften sogar in dem Fährhafen schlafen. Wir haben dort wunderbar gschlafen, es wurde sehr nebelig und kalt, man roch den Pazifik.

 

Und was nicht zu kurz kommen sollte: JA, Hurra! Wir schlagen Saltos, wir sind tatsächlich am Pazifik angekommen und haben tatsächlich die Füße in den Pazifik gestellt, was hier echt schwer ist, da es keinen Strand oder leicht zugängliche Stellen gibt. Damit ist ein Teil unserer geplanten Reise, einmal komplett quer durch Kanada von West (Halifax) nach Ost (Prince Rupert) erledigt und sind total stolz und happy. Gefahrene Kilmoeter 13.000km quer durch Kanada. Für uns fühlt es sich an, als seien wir auf der anderen Seite der Welt.

Wir sind sehr glücklich, dass wir das alles bis hierher erleben dürften, dass alles so gut und meist easy ging. Der abendliche kleine Umtrunk fiel allerdings aus, da wir echt kaputt waren heute.


30.7.2018, Tag 38, 67364km

 

Lange geschlafen, dann um 10h haben wir bei BC Ferrys nochmal nachgefragt, wie es mit der Buchung inzwischen aussieht. Und wir sind wirklich die Hinfahrt gebucht. Die Rückfahrt noch auf Standby. Die angestellten dort sind wirklich locker drauf und lustig, so fiel es nicht schwer, ein bisschen weiter zu betteln, und er ging zu seinem Supervisor, der uns tatsächlich für die Rückfahrt Platz im Commercial Bereich frei machte für das Auto und wir waren auch dort gebucht. Was für ein Glück. Denn schon gestern und auch heute kamen immer wieder Leute rein, die auch buchen wollten, auch ihnen wurde die Warteliste angeboten. Aber was für einen Sinn macht es, als 20. auf einer Warteliste zu stehen?

Die Fähre geht heute Abend um 22h und kommt morgen um 5h an. Also haben wir jetzt Zeit in Prince Rupert, alles zu erledigen, was sich inzwischen wieder angesammelt hat an Aufgaben, großer Einkauf, denn wenn wir wieder hier ankommen am Samstag, werden wir Richtung Norden und Alaska fahren, dort werden wir 700km ohne größere Städte, also eher mit nix, haben, also einmal wieder alles vollstopfen. Wäsche waschen und trocknen, länger mit zuhause telefoniert, Tanken (es ist echt schwer hier eine Tankstelle zu finden, die Diesel verkauft, das machte uns kurzzeitig echt nervös), essen, Gassi, denn Jerry hat heute auch keine so schöne Nacht vor sich, ohne uns alleine im Auto auf der Fähre, Bericht schreiben, und während der ganzen Zeit von unserem Parkplatz vor einem kleinen Park auf den Pazifik schauen und sich freuen und Kaffee trinken :-)).

 

Thomas schwärmt, dass ein Traum von ihm in Erfüllung gegangen ist, einmal quer durch Kanada gefahren zu sein und den Pazifik zu sehen. Wenn wir hier jetzt weiter fahren würden/ könnten, würden wir in China raus kommen. Ich ahne jetzt schon, was da in ihm wächst, einmal die ganze Welt umrundet haben, also diese Reise von der anderen Seite aus fortzusetzen.

 

Als wir heute morgen wach wurden, hatte gerade ein Containerschiff angelegt, mit hunderten grünen Containern, auf denen stand „made in China“. Während in Halifax die europäischen Container ankommen, sind es hier die chinesischen.

 

Das Wetter ist wunderschön nach dem langen Nebel heute morgen, es ist jetzt 17h und wir machen uns mal so langsam auf den Weg zur Fähre.

 

ach noch was: DANKE an: Anthony , Birgit, Peggy, Ute, Mohammed und Brita, die uns den Rücken frei halten und uns helfen, wenn ein Handgriff zuhause nötig ist, oder einfach auf Zuruf schnell reagieren. Es ist schön, von zuhause zu hören, meist per whatsapp, oder Telefon, auch liebe Grüße an meine Tante Luise und Familie und meinen Bruder Michael, wir denken sehr oft an Euch alle.


31.7.2018, Insel Haida Gwaii/ Queen Charlotte Island, Tag 39, 67580km

 

Gestern mußten wir das erste Mal 150m RÜCKWÄRTS auf eine Fähre fahren. Es wurde 2h gepuzzelt, damit alle Autos Platz fanden, einzelne, kleinere aus den Reihen geholt und reingefahren, dann wieder die größeren. Das hat wirklich bis 22.30h gedauert, bis es los ging. Wir haben zwischen den Stuhlreihen auf dem Boden versucht, ein bisschen zu schlafen. Angekommen sind wir um 6h. Leider konnte man unterwegs nichts sehen, da es bis zur Ankunft dunkel war.

Die Neugier trieb uns gleich los, statt noch ein bisschen zu schlafen, haben wir schon gemütlich die Insel erkundet. Vorweg müssen wir sagen: eigentlich suchen wir das Ursprüngliche, das Unentdeckte, das Einfache, nicht das Touristische, nicht das Vollausgebaute und Durchorganisierte. Wir kamen an in der Mitte der Insel, ab hier von unten National Park, unbefahrbar mit unserem Auto, nach oben führt eine Straße, ca. 100km, an der 3 Orte angesiedelt sind. So fuhren wir direkt nach Norden, an die Inselspitze, nach Masset. Wir durchfuhren die wirklich kleinen, verschlafenen Orte und mußten feststellen, hier gibt es nichts auf dieser Insel, keinen McDonald, den es hier unterwegs überall immer gab, keinen Whale Watching Touroperator, keinen Surfshop, nichts. Im Gegenteil, viele verfallene, leerstehende Häuser, Autos, die nicht mehr gebraucht werden, vergammeln am Straßenrand. Vor den Häusern türmt sich der Müll und Sperrmüll. Die Einwohner sind nicht alle freundlich, 2/3 haben uns gewunken, 1/3 hat uns eher zu verstehen gegeben, was wollt ihr hier? Wenn man versucht, Auskünfte zu bekommen, war es sehr schwerfällig, oberflächlich, geht hier nicht, gibt’s hier nicht, hat nur noch die Frage gefehlt, wieso weißt Du das denn nicht?

Ganz anders, als wir es gewohnt sind, und bisher so gut wie überall erlebt haben.

Relativ schockiert und durcheinander sind wir den gleichen Weg wieder zurück (geht ja auch nicht anders) zu dem Ankunftsort der Fähre gefahren, der etwas aufgeräumter wirkte, aber nicht minder verschlossen. Das Erlebte hat uns ganz schön beschäftigt, jetzt noch immer. Diese Insel ist eine Perle, denn sie hat kilometerlangen ungenutzten Sandstrand, für Reisende wie uns, viele ungenutzte Nischen, in denen man den ganzen Tag stehen und auf das Meer schauen kann. Man sieht niemanden, auch keine Touristen, ab und zu ein paar Rehe. Aber es gibt hier nichts. Um in das Naturschutzgebiet zu den Seelöwen und Walen zu kommen, diese Tour findet nur einmal pro Woche statt und ist im Voraus ausgebucht. Es ist schwer dorthin zu kommen, nochmal eine kurze Strecke mit der Fähre, dann dort das Auto stehen lassen und 8h auf Tour gehen. Die nächste Tour wäre am 4.8., ist aber voll und wir fahren am 3.8. schon wieder zurück.

Wann immer wir Einheimische ansprachen, gibt es noch eine Möglichkeit, Wale zu sehen, war man hier wirklich desinteressiert und wenig offen oder hilfsbereit. Während wir bisher immer verspürten, wie Leute versuchten, immer irgendetwas noch für uns möglich zu machen, war das hier das genaue Gegenteil. Ein Beispiel: wir sprachen morgens einen etwas älteren Herren an: Sind Sie von hier?

Er antwortete: Ich bin hier geboren, was sucht Ihr hier?

Wir fragten nach Whale Watching und Seelöwen und er antwortete, das gibt es hier nicht.

So ein bisschen vermittelte er uns, ihr habt hier nichts zu suchen.

Ein anderer sagte, Whale Watching braucht man hier nicht, die Orcas sieht man manchmal von Ufer aus, wenn sie in die Buchten schwimmen.

Wenn wir in Europa an tollen Stellen, kleinen Oasen sind und stolz darauf, sie gefunden zu haben, ist immer schon alles touristisch erschlossen. Hier ist das genaue Gegenteil, hier gibt es alles Lebensnotwendige genau einmal, wie z.b. einen Supermarkt, die Hälfte der Gebäude ist stark runter gekommen, oder verfallen. Laut Google ist diese Insel eine Insel der First Nation. Vielleicht hängt das damit zusammen oder es gibt einen Interessenkonflikt mit den Kanadiern, aber das ist nur eine Vermutung von uns, denn so etwas haben wir bei unseren vielen Reisen noch nie so erlebt wie hier.

 

Aber wir fühlen uns trotzdem sehr wohl, stehen auf einem kleinen Campground mit 6 Stellplätzen im Wald, haben 16 Stunden geschlafen nach der Fährennacht. Und erholen uns von den letzten Wochen. Morgen sind wir wirklich schon 6 Wochen unterwegs.

 

Und auch über die hier gemachte Erfahrung sind wir wieder dankbar, weil wir ja den Ursprung suchen, auch wenn wir das erst verstehen lernen müssen.

 

Noch ein Highlight von der Insel ist, dass hier fast vor jedem Haus große Totems stehen. Bisher haben wir sie in dieser Anzahl in ganz Kanada nicht gefunden.

 

 

Und an Thomas und Yvonne, die auch auf die Insel wollen, falls Ihr den Bericht lest, Whale Watching von hier geht nicht. Es geht nur vom Festland, Prince Rupert, und da auch nur alle 2 Tage. Sich den Strand hier anzusehen, ist toll, aber viel mehr geht kaum.


1.8.2018,  Haida Gwaii, Tag 40

 

Den heutigen Tag haben wir damit verbracht, Bilder zu sichten, Berichte zu schreiben, das Auto zu reinigen, sich wieder zu sortieren und aufzuräumen und vor allem sehr lange zu schlafen. Wir bleiben noch eine weitere Nacht hier stehen. 

 

Wir haben den Aufenthalt hier genutzt, um uns Gedanken zu machen, um uns, um die Reise, um das Erlebte: 

 

Was hat sich verändert?

Wir fühlen uns glücklicher, freier, unbeschwerter, ruhiger, ausgeglichener und da wir nur ein Reiseziel haben, plant sich jeder Tag irgenwie individuell. Wir sitzen jeden Abend eigentlich zusammen, reflektieren den Tag, überlegen, wie wir den morgigen Tag gestalten. Dabei berücksichtigen wir das Wetter, Feiertage/ Wochenende und ob wir Lust haben, mal mehr oder mal weniger km zu fahren.

Jetzt, wo wir schon 40 Tage unterwegs sind, wird uns bewusst, wie sehr man zuhause in einem Hamsterrad lebt. Zuhause bewegt man sich im Kopf sehr oft in kleinem Radius, eigentlich unwichtige Dinge, werden als Problem angesehen, man ist gar nicht frei und offen, um sich mit wirklich wichtigen Dingen auseinander zu setzen. Hier relativiert sich das alles.

Im Moment ist jeder Tag ein Highlight. Jeder Tag ist eine Art Herausforderung, jeder Tag ist aber auch ein unbeschreibliches Erlebnis. Wir sind auch furchtbar glücklich, das miteinander erleben zu dürfen. Es ist überhaupt nicht zu vergleichen mit 14 Tagen Mallorca, oder,oder...Wir finden nicht die Worte, aber man kann sagen, es ist eine neue Art zu leben, die uns aber bis jetzt viel viel glücklicher macht. Uns ist auch bewusst, dass alles, was wir gerade fahren, auch wieder zurück gefahren werden muss. Z.Zt. 14.000km.

Wir möchten keine Sekunde von unserer Reise missen, selbst die Sache mit der Scheibe war wichtig als Lehrstunde, bevor wir wirklich in die Einsamkeit gefahren sind.

Obwohl wir schon 23 Jahre zusammen sind, bringt uns diese Zeit hier noch näher zusammen. Und auch, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, Jerry immer bei uns zu haben auf seine alten Tage, ist ein Geschenk, wir wollen jede Minute mit ihm/uns geniessen, die wir noch zu dritt zusammen haben.

Weniger ist mehr: die Erfahrung gemacht zu haben, dass man mit so wenigen Dingen, Klamotten und auf der reduzierten Vielfalt an Lebensmitteln, der anfängliche Beschränkung, da wir nur ein gewisses Maß an Platz haben, entpuppt sich als Befreiung. Wir haben entdeckt, dass man mit so wenig so glücklich sein kann, ohne etwas zu vermissen (ok, bis auf die Badewanne). Wenn wir jetzt an zuhause denken und den rauchenden Amazonaccount, worüber wir viel zu viele Dinge bestellt haben, die wir oft nur kurz benutzt haben. Das war wahrscheinlich eine Art Belohnung oder Ersatzbefriedigung, die eher zweiferhaften Erfolg hatte. Dieses Konsumieren gibt es hier nicht und wir vermissen es nicht. Wenn wir jetzt nochmal das Auto packen könnten, würden wir nur die Hälfte an Klamotten mitnehmen, es ist aber auch das erste Mal, dass wir regelmäßig unterwegs waschen.

 

Zum Thema Planung der Reise haben wir ja zu Anfang bis Winnipeg im Vorfeld alles geplant. Seit Winnipeg leben wir mehr in den Tag, alles findet sich, und auch hier hat sich in uns etwas verändert, denn wir hecheln keinem vorgefassten Plan hinterher, sondern entscheiden jedesmal neu, was richtig ist. Wir haben beschlossen, unsere nächste Reise genauso anzugehen. Nur noch das Ziel bestimmen und dann den Tag der Abreise kommen lassen. Das ist viel eindrucksvoller und freier.

 

Für alle, die denken, das hier ist nur ein Zuckerschlecken, ein bisschen harte Arbeit steckt hier auch drin jeden Tag, es fängt damit an, dass man alle Dinge, die man in die Hand nimmt, sei es nur eine Gabel oder Tasse sofort wieder an seinem Platz zurück legen muss und nicht wie zuhause einfach an die Seite legen kann. Alles was nicht an seinem Platz ist beim Losfahren, macht sich selbständig.

Da wir im Grunde mit dem Auto in der Natur leben, schleifen wir natürlich auch den einen oder anderen Dreckkrumen mit ins Auto (besonders Jerry kann das gut), sodass man ständig am Kehren oder Wischen ist. Man muss ständig darauf achten, dass alle Moskitonetze unten sind, denn sonst geht man später als gewünscht ins Bett. Man muss sich besser organisieren, da man nichts auf die lange Bank schieben kann, Wäsche waschen, einen Waschsalon finden, Wasser auffüllen, Klo entleeren, genug Proviant an Bord bei geringem Platz dafür.

 

Bis auf den blöden Polizisten an den Niagara Falls, gab es nicht eine negative Erfahrung, keine Angst, keine brenzlige Situation, sondern nur positive Reaktionen, Freundlichkeit. Es ist wirklich überraschend, wie offen die Welt zu uns ist. Wir brauchen nur irgendwo kurz stehen bleiben und werden sofort gefragt „Do you need help? Do you have a problem?“. In Deutschland erlebt man oft so viel negative Reaktionen, sei es Unfreundlichkeit im Supermarkt, Egoismus beim Auto fahren, Ignorieren von Notsituationen und so viel andere Dinge.

 

Wie verbringen wir die Zeit im Auto?

 

Wir reden sehr viel... viel viel mehr als zuhause. Dinge, die uns auffallen, oder interessieren, versuchen wir über Google schnell zu klären und zu verstehen.

Internet hat einen anderen Stellenwert für uns bekommen, nicht mehr als Ablenkung oder Shoppingmöglichkeit mit unbegrenztem Volumen, sondern, wir nutzen es, um Informationen (wie hoch ist der Berg, was ist der Hintergrund von, wo leben die meisten Bisons, Wettervorhersagen, Stellplatzsuche) zu bekommen, es ist nicht immer möglich, überall Internet zu haben, und unser Volumen ist begrenzt und leidet ein bisschen am Fotos hochladen,

 

Wir hören Hörbücher unterwegs, da fällt es nicht schwer, mal ein 14stündiges Hörbuch durchlaufen zu lassen. Wir haben sehr viel Songs dabei, die uns zum Glück auch bisher nicht langweilig werden.

Das Auto fahren ist hier anders als in Deutschland. Man fährt stundenlang mit 90-110kmh, einsam auf geraden Strassen vor sich hin. Wir sollten Jerry Skat beibringen, dann könnten wir während der Fahrt eine Runde spielen.

 

Was sich noch verändert hat:

  • ich weiß jetzt (zumindest ungefähr) in welche Richtung ich bei Walmart laufen muss, ohne erstmal ewig herum zu irren und eine Stunde zu brauchen, um 5 Sachen zu finden.

  • wir halten nicht mehr mit Vollbremsung an, um Schilder wie „ Achtung nächste Tankstelle in 250km“zu fotografieren, sondern lächeln kurz und achten immer darauf, dass der Tank mind. halbvoll ist, eher sogar mehr.

  • inzwischen ist das „wow, wo kommt ihr denn her, wie habt ihr das Auto hierher bekommen. Blabla blablabla“ zur Plage geworden. Thomas zieht sich inzwischen komplett zurück davon. Ausser den beiden aus München und dem Schweizer haben wir keine weiteren Bekanntschaften aus Europa gemacht.

  • Was auch auffallend ist, wie viele Menschen auf uns zu kommen und deutsch sprechen können und es auch wollen. Wir sind darüber überrascht. Meist gab es Vorfahren, die hierher ausgewandert sind. Fast täglich haben wir ein solches Erlebnis.

     

Wir haben absolut kein Heimweh und sind immer noch extrem neugierig auf das, was noch vor uns liegt, Alaska, die Westküste der USA. Wir sind überrascht, dass es so ist, aber auch froh, dass wir beide das gleich empfinden, sonst wäre es auch etwas schwierig. Wir wollen, weiter, weiter, weiter...

 

Hier ein kleiner Film, 5min, einfach mal mit Vollbildmodus abspielen, hier bekommt Ihr einen Eindruck von Kanada

 


2.8.2018, Tag 41,

Gestern abend/ heute haben wir eine wirklich interessante Erfahrung machen dürfen, die uns doch wieder sehr an zuhause erinnert hat für ein paar Minuten. 10m von uns, Nachbarslot, getrennt durch Büsche sind gestern 2 deutsche Paare angekommen mit geliehenen Wohnmobilen. Als Thomas versuchte, in Form von „ich höre deutsche Stimmen“ Kontakt aufzunehmen, blitzte er relativ unhöflich ab,“hören wir jeden Tag“. Wir sind hier auf einer einsamen Insel im westlichsten Zipfel Kanadas. Normalerweise tauscht man Erfahrungen, Tips aus, man ist neugierig und sammelt Ideen. Das war auch bisher unsere Erfahrung, mit Kanadiern, Amerikanern, Europäern, wer hat wo was Interessantes gesehen, das es Wert ist anzuschauen. Aber diese 2 Paare sind einfach typisch deutsch, ignorant, laut, überheblich (sie sprechen sächsisch), von sich überzeugt und während wir abends hier sitzen, erkennen wir, dass sie totale Anfänger sind, die sich das Wohnmobil gerade erst geliehen haben und noch mit einfachen Dingen überfordert sind. Es ist wieder typisch deutsch, großmäulig, aber von tuten und blasen keine Ahnung. Es fällt uns einfach schwer, weg zu hören, wobei wir mittlerweile lachen und schmunzeln, wenn wir so Sachen hören, wofür ist der Schalter oder wie lange hält der blaue Tab (fürs Klo). Irgendwie wirklich schlimm, weil wir ihnen sicher gute Tips geben könnten, weil wir schön länger hier unterwegs sind, aber das Interesse ist gleich 0. Auch wenn ich mich wiederhole, typisch deutsch.

 

3.8.2018, Tag 42,

 

Wir haben jetzt 3 Tage rumgelümmelt, ausgeschlafen, Seele baumeln lassen. Wir standen auf dem Campground im Wald. Somit wurde auch unser Solar nicht „befeuert“, jetzt nach 3,5 Tagen merken wir, wie uns der Strom ausgeht, mit anderen Worten, beide Batterien sind bald leer.

Da wir bisher noch nicht so oft so lange im Schatten standen, ist das das erste Mal. In Zukunft werden wir in solchen Situationen mehr Strom sparen müssen von Beginn an, das haben wir dieses Mal nicht getan.

Gestern abend mußten wir sogar über Nacht den Kühlschrank ausstellen :-(.

Jetzt wissen wir, dass wir 3 Tage autark sind, wenn wir nicht sparsam sind, vielleicht 4-5 wenn wir es sind.

 

Wir sind auf dem Weg zur Fähre. Machten einen kurzen Zwischenstop um Brot und Wasser zu kaufen. Ich gehe in den Supermarkt, den einzigen auf dieser Inselhälfte, sogar relativ gut bestückt. An der Kasse ergab sich folgendes Gespräch mit der alten Kassiererin.

Sie sagte: Ihre Co-op Nummer, ich : bitte was? Sie. Na, Ihre Co-op Nummer. Ich: habe ich nicht. Sie: macht nix, wir bedienen hier jeden (grinst). Es wird Sturm geben heute. Ich: Oh, nein, wir fahren heute mit der Fähre zurück aufs Festland. Sie: Ooooh, das ist nicht gut (tiefer Blick).

 

Ok, jetzt ist es echt windig geworden, und es regnet. Schauen wir mal, wir überqueren ja schließlich den Pazifik und nicht das Mittelmeer und erstmal muss die Fähre ja auch hier ankommen. Thomas sagt, hoffentlich waren das nicht unsere letzten Worte. Das Meer sieht zur Zeit auch schon beunruhigend unruhig aus. Ich denke mehr an den Seegang und Seekrankheit. Denn auch der Trick mit auf den Horizont schauen wird nicht klappen, da es die ganze Zeit über dunkel sein wird.

 

 

Ach ja: wir haben auch übrigens wieder Kontakt zu Thomas und Yvonne aus München und wenn alles klappt, werden wir uns morgen wieder treffen und dann zu viert die „Straße ins Nichts, Nr.37, 730km ohne irgendwas (laut Google), zusammen fahren, in Watson Lake raus kommen, kurz vor Dawson City.

5.8.2018, Tag 45, 68004km

 

Wir hatten eine sehr unruhige Nacht auf dem Schiff, der Wellengang war die ersten Stunden wirklich schlimm. Abends haben wir an der Fähre einen Kanadier kennen gelernt, der es sich zur Aufgabe machte, uns in kürzester Zeit alle Sehenswürdigkeiten in Alaska und in den USA auf der Karte zu markieren und Hintergrundinfos zu liefern, was sich lohnt, was zu überlaufen ist. Am nächsten Morgen haben wir uns wieder getroffen beim Rausfahren aus der Fähre und haben noch weiter geredet. Zum Schluß hat er uns noch zwei große Stücke frischen Lachs geschenkt.

Gut, ausgeschlafen sind wir wirklich nicht. Aber wir müssen nochmal einkaufen in Prince Rupert und schon wieder geraten wir auf dem Parkplatz des Supermarktes in die Fänge von neugierigen Menschen. Der erste ist auch wieder ein Kanadier, der uns ausführlichst auf der Karte zeigt, was im Süden British Columbias wirklich toll zu befahren ist, was wir nicht machen sollen, zum Schluß lädt er uns zum Lunch ein, wenn wir auf dem Rückweg von Alaska wieder vorbei kommen, gibt uns Telefonnummer und Emailadresse, wir lassen das alles mehr nur über uns ergehen, da wir wirklich müde und fertig sind, aber auch nicht unhöflich sein wollen. Und schon kommt der nächste, ein Deutscher, aus Kassel, der vor 40 Jahren nach Kanada ausgewandert ist. Als der erste Ratgeber und der Deutsche dann ins Gespräch kommen, hauen wir schnell ab und atmen durch. Wir fahren die 250km bis Kitwanga. Unterwegs schaffen wir es endlich ein Bärenspray zu kaufen. Bei Walmart sucht man danach vergeblich, im Canadian Tire (einem Baumarkt) werden wir fündig. Allerdings nicht ohne Staunen. Die überdimensionierte Angelabteilung passiert, komme ich durch die Abteilung mit Waffenölen, Schreckschußpistolen, Sprengladungen. Bärenspray ist hinter Glas eingeschlossen. Man muss explizit danach ftagen, alle Daten hinterlassen und wird dann tatsächlich vom Verkäufer, der das Spray höchstpersönlich an die Kassiererin übergibt, zur Kasse geleitet. Irgendwie fühle ich mich komisch, was habe ich da gerade gemacht?

Nachmittags fahren wir ab auf dem Highway 37, den Stewart Cassiert Highway, Richtung Norden, in 200km werden wir das erste Mal den Boden von Alaska betreten. Inzwischen haben wir erfahren, dass es dort gar keine amerikanische Grenzkontrolle gibt, sondern nur bei der Wiedereinreise nach Kanada dort eine Kontrolle ist. Der Bereich von Alaska, den man befahren kann ist sehr klein, eigentlich nur ein Gag, dass man schonmal in Alaska war, bevor man weiter oben im norden in den größeren Teil Alaskas fährt, hier unten ist Stewart und Hyder und der Hyder National Park, in dem wir hoffen endlich Bären zu sehen an einer Fischtreppe, wo die Lachse momentan sind und die Bären hoffentlich auch, um sie zu fangen.

Mit unserer App IOverlander finden wir den sensationellsten Stellplatz überhaupt, an einem See, mit Feuerstelle, die wir leider nicht nutzen dürfen, zwei Rangerinnen kamen vorbei und erinnerten uns daran, dass wir kein Feuer machen dürfen in ganz British Columbia wegen der sehr hohen Waldbrandgefahr. Sie waren sehr freundlich, aber auch sehr bestimmt, allerdings mit Recht. Zum Schluß fragten sie ob sie noch Fotos von uns allen mit unserer Kamera machen sollen. Auf unsere Frage, ob wir hier über Nacht bleiben können, erhielten wir die Erlaubnis, überall dort stehen zu dürfen, wo nicht Privatgrund ist. Das klingt alles sehr einfach hier auf einmal.

Thomas und Yvonne sind auch angekommen, zum ersten Mal wird die Angel ausgepackt, und es dauert nur wenige Minuten bis die erste Forelle dran hängt. Blöd, dass wir kein Feuer machen dürfen.

Es wird ein wunderschöner, zum Glück bärenfreier Abend, viel länger, als wir nach der kurzen vorherigen Nacht dachten. Weil es hier sooooo wunderschön und idyllisch ist, beschliessen wir morgen noch hier zu bleiben, das Wetter ist perfekt, nicht zu heiß, aber strahlende Sonne, blauer Himmel, über uns fliegen die Weißkopfseeadler und wir sitzen hier und können unser Glück nicht fassen.

Leider haben wir hier absolut kein Internet und Telefon mehr. Wir werden kurz nach Kitwanga zurück fahren, den Text und wenn ich es schaffe auch Bilder einstellen und ein paar Würmer kaufen zum Angeln und dann den geschenkten Lachs und die Forelle, leider nicht grillen, aber irgendwas wird uns einfallen.

 

Kann sein, dass wir jetzt ein paar Tage Funkstille haben, keine Ahnung, ob evtl Internet in den kommenden Dörfern möglich ist, vermute aber eher nicht.

 

 

6.8.2018, Tag 46, 68004km

 

Wie haben geschlafen wie die Engel. Dafür, dass wir voher eine Nacht so gut wie durchgemacht haben, sind wir verdammt spät ins Bett.

Wettermäßig kündigt sich ein wunderbarer Tag an und die endgültige Entscheidung ist gefallen, noch einen Tag hier zu bleiben. Wir haben einen wirklich tollen Platz (hier nennt man es Spot) gefunden, die Autos stehen direkt am Wasser, wir haben einen eingene Steg, ein Holzfloss. Der See ist groß, umrahmt von Nadelbäumen. Ausser uns 4 ist hier niemand. Beim Gassi gehen haben wir frischen Bärenkot gefunden. Nicht so ganz klar, ob von der letzten Nacht, könnte aber gut sein. Tiere sind allgegenwärtig. Wenn man abends draussen sitzt, hört man Koyoten, Wölfe, man bekommt ein Gefühl aus Spannung, Unbehagen, Neugier. Man knn es winfach nicht richtig beschreiben.

Den Tag verbrachten wir mit angeln, relaxen, einfach nur geniessen und abends haben wir mit der Forelle (es blieb leider bei der einen, obwohl so viele Fische im See sind) und dem geschenkten Lachs des Kanadiers, Kartoffeln unser Abendessen bereitet, es war soooo lecker. Statt Lagerfeuer gab es Kerzenlicht. Die allgegenwärtigen Mücken waren auch einigermaßen erträglich.

 

Gegen Mittag bin ich mit Thomas (nicht meinem, sondern dem anderen) losgefahren, um Internet zu suchen, und um Milch, Bier, Würmer zum Angeln zu kaufen. Das einzige, was wir gefunden haben, war Internet. Bier und Alkohol gibt es hier in den kleinen Shops nicht, Würmer auch nicht, nur irgendwas komisches, grellorange eingefärbtes, sieht aus wie Fischrogen (egal, gekauft). Dabei haben wir erfahren, dass man nur mit einer Lizenz fischen darf, die es aber natürlich nicht hier zu kaufen gibt, dafür hätten wir 2h zurück fahren müssen nach Terrace. Wir sind noch in einem General Store, für die einsame Gegend sehr gut bestückt. Als wir nach Angelzubehör fragen, werdne wir in das Untergeschoß geschickt und dort gibt es alles, was das Handwerker, - Angel-, Hobbybastlerherz begehrt, alles, was man auch nur irgendwie in dieser einsamen Gegend benötigen könnte, gibt es hier.

Auf dem Rückweg sehen wir noch ein Hinweisschild zu einem Ort, 2km von der Straße, jetzt ist es auch egal, wir sind für den und die paar Besorgungen sowieso schon 2h unterwegs, wir fahren ab und landen unerwartet in einem first Nationdorf, dass uns direkt am Dorfplatz in der Mitte mit mind. 10 Totems begrüßt. Auch hier im General Store nichts. Eine Angellizenz können wir im Nachbarladen bekommen, aber nicht heute, es ist Sonntag :-(

Während unserer schönen Zeit am See aben wir nicht mitbekommen, wie heiß es heute ist, in dem Dorf steht nicht ein Baum, es ist so warm, dass wir uns schnell wieder davon machen. Aber eine Überraschung war es schon, hier so zufällig reinzustolpern.

 

Dieser Tag verging wieder so unglaublich schnell, generell haben wir hier das Gefühl, sie vergehen schneller als zuhause. Hier an diesme Stellplatz sind wir völlig aus der Zivilisation raus, kein Internet, kein Whatsapp, kein Telefon, wir vermissen nichts. Dieser Ort ist einer der schönsten Plätze, an denen wir übernachtet haben, eine richtige Idylle, zu schön, um eigentlich wahr zu sein. Jerry ist die ganze Zeit an einer langen Leine und der eigentlich echt wasserscheue Hund geht ständig in den See.

Während wir gerade weiter Richtung Stewart fahren (6.8.), sehen wir am Straßenrand ENDLICH unseren ersten Schwarzbären. Leider zu kurz zum Fotografieren. Aber wir freuen uns total!!!

Es ist wirklich was anderes, ein Tier in Freiheit erleben zu dürfen, als hinter Gittern, es ist unbeschreiblich.

 

Hätte nicht der vorbeikommende LKW-Fahrer gehupt, hätten wir das Foto bekommen, aber der Bär ist durch das Hupen abgehauen in den Wald.

 

Kurz danach hatten wir dann das absolute Erlebnis, ein Schwarzbär ganz für uns alleine am Straßenrand, der dort ganz gemütlich, ohne sich stören zu lassen Gras gefressen hat. Wir hätten ihn fast anfassen können, der Bär trottete gleichgültig, langsam und gemütlich langsam neben uns her und dann überquerte er die Straße, Adrenalin war sehr hoch, wir haben einige Zeit gebraucht, das Erlebnis zu verarbeiten. wir hatten weiche Knie und keinen Blick mehr für die wahnsinnig tolle Landschaft total getrübt, weil wir im Kopf noch viel zu sehr beschäftigt waren. Das größte Glück war, dass nicht 20 andere Autos um uns waren und es stressig wurde. Kurz danach erreichten wir Stewart, ein ganz kleines Dorf, das letzte vor der Grenze zu Alaska, hier gibt es auch nur alles einmal als Shop. Und einen extrem engagierten Polizeibeamten, weil man hier nur 30kmh, teilweise auch nur 20kmh fahren durfte, fischte er ständig Autos raus. 

Kurz danach erreichten wir die Grenze nach Alaska.Hier ist Bärenland, hier sind sie wirklich allgegenwärtig und man ist sehr achtsam, wenn man aussteigt. Dazu später mehr, jetzt ist erstmal weiter fahren angesagt, Richtung Watson City. 

 

 

7.8.2018, Tag 47, 68.225km

Wir sind ganz früh aufgestanden, um nochmal zu schauen, ob die Grizzlies in ihrem Selbstbedienungsladen sind, aber wir haben wieder keinen gesehen.

Dann sind wir von Alaska zurück nach Stewart/ Kanada gefahren, haben uns wieder mit dem Notwendigen eingedeckt, wie man sehen kann, ein paar Bilder hoch geladen und sind zur Zeit durch die Coast Mountains auf dem Stewart-Cassiar Highway (37) über Watson Lake nach Dawson City unterwegs.

Wir haben schon die ersten 150km hinter uns, die Strecke ist genauso wie man sich Kanada vorstellt, ewig lange, geradeaus führende Straßen, wir sind seit 1h nicht überholt worden und es kamen uns auch nur 2 Autos entgegen.

Vor uns hat ein Schwarzbär die Straße überquert. Das war den Bär Nr.3, aber er war recht schnell. Zu schnell für die Kamera.

 

Etwas später konnten wir noch einen Luchs am Straßenrand sehen, man konnte ihn sehr gut sehen, aber er verzog sich auch schnell wieder im Gbüsch. Landschaftlich gesehen wunderschön hier. Das Wetter hat sich ein bisschen verschlechtert und es wird merklich kühler 815-18°C), je höher man kommt.

Ach ja, da war noch was, als wir in Alaska waren, hatten wir die höchste Zeitverschiebung, nämlich 10h, was heißt, wenn es in Deutschland 17h ist, ist es 7h in Detushcland. Wenn Thomas mit seiner Mutter telefoniert, ist es irgenwie lustig, sie geht ins Bett, wir stehen gerade auf.

 

Übernachtet haben wir an einem See, Thomas und Yvonne kamen ca. 1h nach uns an, wir verbrachten einen gemeinsamen, aber kurzen Abend, die letzten waren immer relativ spät.

Allerdings wird es hier schon merklich später dunkel.

 

8.8.2018, Tag 48, 68725km

 

Wir fuhren gegen 9h los heute morgen, Richtung Watson Lake auf der 37. Schon nach kurzer Zeit sahen wir vor uns riesige Nebelschwaden. Ein Waldbrand. Seit 2h, jetzt schon 100km fahren wir durch Rauch, man sieht leider von der schönen Landschaft nicht viel. Als wir bei einem Rangerposten nachfragten, wurde uns gesagt, dass die Straße frei ist und der Brand 100km entfernt. Wir sind überrascht darüber, wie weit sich der Rauch ausbreitet. Alles riecht nach Rauch, wir,die Klamotten, das Auto. Entgegenkommende sagen, dass es so noch 1h im Rauch weiter gehen wird. Im Norden von British Columbia sind gerade 31 Feuer aktiv, es herrscht absolutes Campfire Verbot, die Strafen werden mit bis zu 100.000 $ angegeben, im Falle eines Brandes und mit 1200 $ wenn man nur mit dem Campfire erwischt wird. Die Anzeige für Feuergefahr steht auf rot, auf „extreme“. Wir fahren durch die schönsten Landschaften, entlang eines Flusses, blaue Seen, aber wir können nichts fotografieren, weil alles durch einer dichte Dunstwolke verschleiert ist. Die Augen brennen. Schade, dass wir hier so durchfahren müssen, aber das gehört bei so einer Reise wohl auch dazu, das ist die traurige Realität. Solche staken Auswirungen eines Feuers, dass voraussichtlich 100km entfernt ist. Ich glaube, jetzt weden wir abends nicht mehr enttäuscht das Gesicht verziehen, wenn wir vor der Feuerstelle sitzen und sie nicht benutzen dürfen.

 

Nach unserer Recherche gestern Abend, als wir uns mit unserer Reiseroute beschäftigt haben, waren wir überrascht, wir entfernen uns immer noch immer weiter von zuhause und dass noch ca. 2500km. Dann haben wir unseren nordwestlichsten Punkt erreicht. Von dort reduzieren sich die Kilometer nach Hause wieder.

 

 Nachdem wir in Watson Lake den Schilderwald besichtigt haben, dort hat mal vor Jahren aus Spaß an der Freude einer einen Pfahl in die Erde gerammt und Vorbeifahrende konnten Schilder anbringen. Auf den Fotos kann man sehen, was daraus geworden ist, mittlererweile ist es eine Touristenattraktioon, oder das Highlight von Watson Lake. Da es noch recht früh war und wir alles erledigt hatten – inklusive einer Angellizenz – zog es uns weiter Richtung Whitehorse. Es war bewölkt und nieselte leicht, also beschlossen wir einfach noch ein bisschen Strecke zu machen. Am Schluß waren es dann 770km und wir sind in Whitehorse angekommen, wo wir auf dem Walmart (der erste seit langer Zeit in dieser Gegend) übernachten. Der einzige Walmart, der explizit Wohnmobilfahrer willkommen heißt und ihnen einen Zettel an die Windschutzscheibe hängt und sie auffordert, sogar gerne noch eine 2. Nacht zu bleiben. Wir gehen jetzt schlafen, was so viel heißt wie: Guten Morgen an zuhause!!

 

 

9.8.2018, Tag 49, 69.895km - Ein sehr ereignisreicher Tag

 

Da es bewölkt/ regnerisch war, machten wir uns von Whitehorse auf nach Dawson City über der Klondike Highway (Highway No.2). Was landschaftlich anfangs noch wirklich wie bisher atemberaubernd – trotz Wolken und leichtem Nieselregen – auf uns wirkte, entwickelte sich später zu einer Tortur, Slalom fahren, um heftige Schlaglöcher, sodass die Landschaft total in den Hintergrund trat und wir mussten hochkonzentriert und relativ langsam fahren. Zwischendurch waren wieder normale Straßenabschnitte, was wieder zum schneller Fahren verleitete und dann jetzt auf gleich wieder Strecken mit Schläglöchern. Der Fahrbahnbelag wechselte minütlich zwischen Asphalt und Schotter. Ihr ahnt schon, was jetzt kommt....erstmal begann es stärker zu regnen und man konnte die Schlglöcher nicht mehr sehen, weil eine Wasserschicht auf der Fahrbahn war. Und was kam???

Es erwischte uns. rechter Vorderreifen platt. Und was könnte noch schlimmer sein???

Keinerlei Telefon, Internet, wieder mal in einem toten Punkt.

 

Und was könnte noch viel schlimmer sein???

Von Watson Lake bis Dawson City sind es genau 550km und es traf uns genau in der Mitte. Also in der Mitte von Nichts, denn davor und danach ist Nichts.

 

Wir retteten uns noch 5km auf einen Rastplatz, Gott sei Dank hatten wir einen Drucksensor auf den Reifen, sodass wir gewarnt wurden, dass die Luft raus geht und konnten uns so noch auf einen Rastplatz retten. Es goss in Strömen, es war kalt, 8°C. Unser Versuch, die Schrauben von den Reifen zu lösen schlug diesmal fehl, sie waren zu fest für unser Werkzeug (jeder, der Thomas kennt, weiß, dass er körperlich gehandicapt ist). Also stellte ich mich auf die Straße und hielt den erstbesten vorbei fahrende Auto an, was ein paar Minuten dauerte. Und es hielt ein nette kandisches Pärchen. Sie boten sich an und versuchten die Schrauben zu lösen, was auch dauerte, denn eine der Schrauben war wirklich resistent und hatte etwas gegen uns. Nach ca. 20Min war unser Ersatzrad drauf.

Wir drückten den 2 Schutzengeln einen heißen Tee in die Hand und schenkten Ihnen unsere letzte Flasche Wein (auch sie waren durchgefroren und komplett durchnässt).

Wir bedankten uns noch vielmals und dann ging es weiter.

Das erste Auto, dass ich sah, hat angehalten und sofort geholfen. Was würde in Deutschland in so einer Situation passieren?

 

Auch die weiteren 250km war die Straße ein reiner Horror. Wenigstens hörte es auf zu regnen.

Uns verfolgte jetzt ständig die Angst, dss noch ein weiterer Reifen kaputt geht und wir kein Ersatzrad mehr haben.

Gegen Abend kamen wir nach Dawson City und da es für die Reifenwerkstatt leider schon zu spät war, werden wir morgen früh um 8h unser Glück versuchen, um ein neues Ersatzrad zu bekommen.

 

 

Wir haben auf der Suche nach einem Waschsalon die Stadt (Entschuldigung, das Dorf, die 30 Häuser) angeschaut, die auf Retro total toll gemacht ist, wie eine Westernstadt aus dem Film, mit Saloon und Schwingtür und vielen anderen Details. Und jetzt wieder ein Hammer, der erste, den ich fragte, ein alter Mann mit Kaffeetasse vor dem Saloon, wo es hier einen Waschsalon gibt, sagte, kommen Sie mit, setzte sich in sein Auto und leitete uns wieder aus der Stadt raus, durch ein Industriegebiet durch, an 2 Campgrounds vorbei und direkt zu einem Waschsalon. Als ich ihm als Dank eine Kleinigkeit geben wollte, lehnte er ab und wünschte uns eine gute Reise, setzte sich in sein Auto und fuhr wieder zurück. Auch hier wieder, der erste, den ich fragte, half.

 

Gegen 21h war das Waschen und Trocknen erledigt und wir suchten uns eine Übernachtungsmöglichkeit, da wir uns nach wie vor gegen Campingplätze sträuben. Dabei fuhren wir nochmal an der Werkstatt vorbei, zu der wir morgen früh um 8h wollen. Wir sahen jemanden sein Auto putzen und fragten, ob er hier dazu gehöre. Das bejahte er mit einem warmen Lächeln. Und auf die Frage, ob wir vor der Werkstatt übernachten können und ihm den Hintergrund erklärten, sagte er selbstverständlich und fragte, ob wir Strom brauchen (!), er schnappte sich sogar den Reifen, gab Luft drauf, fand das Loch und sagte, das sieht nach Nagel aus, markierte die Stelle für morgen. Er nahm den Reifen gleich mit, sagte, mal schauen, das bekommen wir schon wieder hin. Dies alles mit einer Freundlichkeit, Gelassenheit und Wärme.

Wir selber sind dieses Mal entspannter als beim ersten Mal. Inzwischen glauben wir auch daran, dass ein geflickter Reifen halten kann. Wir haben uns dann ausgerechnet, dass wir noch genau 1540km mit dieser Art von Straßen kämpfen werden müssen, bis wir wieder auf normale Straßenverhältnisse stoßen werden. Sollte ein weiterer Reifen kaputt gehen, muss der Reservereifen kurz herhalten und dann werden wir unseren freundlichen Herren vom ADAC; Herrn Saße bitten, uns z weiteren zu schicken. Sollten sie das lesen, Herr Saße, sind Sie vorgewarnt, wobei dieses Mal der Flughafen voraussichtlich Whitehorse, Fairbanks oder Dawson City wäre. Aber hoffen wir mal, wir benötigen das nicht ;-)

 

Wir freuen uns sehr darauf, morgen Dawson City nochmal genauer anzuschauen, wir können es nicht beschreiben, aber diese Gegend mit der Goldgräbervergangenheit strahlt etwas aus, man hat sofort diese alten Western vor sich, man kann das fast noch fühlen. Fast erwartet man, dass ein Cowboy um die Ecke kommt und den Colt zeiht. Man kann aber schon jetzt sagen, jeder, der mal in diese Gegend kommt, sollte sich das unbedingt anschauen. 


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