Russland

Türkei-Iran-Aserbaidschan-Georgien-Armenien-Kasachstan-Mongolei-Russland

 Fortsetzung von Block 11. Kasachstan

Добро пожаловать в россию

Willkommen in Russland

erster Grenzübertritt nach Russland siehe 19.04.19  Block Aserbaidschan-Georgien-Armenien+kurz Rus

Bild 1: Immigrationskarte (man sollte sie sich im Vorfeld im Internet ausdrucken und ausfüllen)

Bild 2 und 3: Zollerklärung für das Auto (wichtig sind die 2 Stempel)


27.04.19   132.056 km  Tag 277  ----wieder zurück nach Russland----Teil2  (Teil1 siehe Block Kasachstan)

Einreise nach Russland bei Ilek, ging sehr schnell, es gab nur ein kleines Häuschen, Stempel in den Pass, kaum Kontrolle, nur mal kurzen Blick ins Auto, wieder leichtes Staunen. Anmerken sollten man hier: hier wurde mal versucht, die Fotos unserer Kamera anzuschauen, was wir bisher fotografiert haben. Eine Art Kommissar kam nach der Fahrzeugkontrolle deshalb zu uns.

Nach ca. 10km, die wir uns von der Grenze noch entfernten, suchten wir uns ein gemütliches stilles Plätzchen abseits der Straße und genossen den Abend

51°31'34.6"N 53°32'13.2"E

51.526287, 53.537009


28.04.19   132.056 km  Tag 278

Heute fuhren wir über Orenburg, Ufa Richtung Tscheljabinsk weiter Richtung Mongolei. Thomas hat Urlaub, denn bis auf ein paar ganz geringe Ausnahmen von ein paar Hundert Metern, fahren wir auf Straßen, die wie unsere Autobahnen sind. Dafür ist das Wetter heute nicht so schön, bewölkt, leichter Regen, 15°C, aber alles fühlt sich wieder entspannter an und wir genießen die Fahrt.

Die Wetterprognose sagt, dass es morgen -5°C sein sollen, wir fahren gerade bei 15°C und können das kaum glauben. Wir kommwn gut voran und fahrne so im Schnitt 80kmh (90 ist zulässig), wir frueen uns auch wieder Polizisten zu sehen, die freundlich sind und winken. Alles fühlt sich endlich wieder richtig entspannt an und unser Reisefieber ist wieder aufgewacht. Die Landschaft ist flach, schöne, leuchtendweiße Birkenwälder säumen die Straße. Die Straße sind nach wie vor in einem sehr guten Zustand, aber auch stark befahren, wir sind ständig dabei LKWs zu überholen. Es ist wider erwarten sehr dicht besiedelt hier. Unsere Vorstellung, romantisch alleine durch die Steppe zu fahren deckt sich überhaupt nicht mit der Realität. Da wir Wasser benötigten für unseren Tank, hielten wir an einer Raststätte an, die sich auch zum Übernachten sehr eignete, ruhig und sogar überwacht war, entschlossen wir uns hier zu bleiben. Von dem netten Security bekamen wir Wasser, was er extra für uns aus der Küche holte (was mehrmaliges hin und her laufen erforderte, denn wir hatten nur leere 5l Flaschen zum Transport), da es in Russland keine Außenwasserhähne gibt. Da es im Restaurant so gut roch, entschlossen wir uns, hier zu Abend zu essen.

 

 

54°12'01.0"N 55°53'17.6"E

54.200290, 55.888220


Eindrücke von Dörfern, die am Straßenrand liegen

das sehen wir während der Fahrt, es ist flach, sehr viele Birkenwälder


29.04.19   132.677 km  Tag 279               ---- Überquerung Ural  -----                   noch 3.000 km bis Mongolei

 Als wir morgens aufwachten traf uns der Schlag. Es war über Nacht bitterkalt geworden, ein kurzes Gassi gehen mit Jerry und man konnte die Hände nicht mehr bewegen, das Schlimme zur Kälte war der starke absolut eisige Wind und das Schneetreiben. Es waren zwar nur -5°C, aber uns kam das vor wie -20°C. Hey....gestern hatten wir fast 20°C plus und jetzt sowas. Da die Wetterprognose für die ganze Woche das Gleiche voraus sagte, kamen wir so langsam ins Zweifeln, schauten uns an und hatten beide den gleichen Gedanken. Eigentlich wollten wir ja jetzt mal einen Platz finden, an dem wir endlich mal 2 oder 3 Tage verweilen können, uns vors Auto setzen, ein bisschen räumen und uns erholen können. Denn uns steckt noch das kasachische Abenteuer in den Gliedern, wir brauchen ein bisschen Ruhe. Und jetzt das. Wir überlegten 2 oder 3 Stunden, was wir tun, uns fiel es total schwer eine Entscheidung zu fällen, Blinker links oder rechts. Links hieße, über Moskau und St. Petersburg nach Hause, rechts, weiter Richtung Mongolei, aber weiterhin sibirisches Wetter.

So sehr wir auch in uns gingen, eine Entscheidung zu treffen war nicht möglich, wir waren unserem Ziel, der Mongolei jetzt bis auf 3000 km so nahe gekommen, aber wie soll man sagen, durch das Kasachstanerlebnis auch durch den Wind und möchten endlich mal eine entspannte, ruhige Zeit erleben. Jetzt kam Thomas auf die blöde Idee, wir machen das anders, wir lassen etwas anderes für uns entscheiden. Unsere 3. Gasflasche war jetzt leer (die türkische, die wir jetzt eigentlich entsorgen wollen). Wenn man an der Gastankstelle die Gasflaschen anstandslos füllen kann, fahren wir weiter, denn wir werden viel heizen müssen die nächsten Tage, wenn nicht, drehen wir um und fahren nach Hause. Eine 11 kg Gasflasche hält bei uns im Grunde 4-6 Wochen, außer, wenn man sie zum Dauerheizen benutzt, dann reduziert sich das auf ca. 1 Woche. Also, Entscheidung abgenommen, unsere Flasche wurde im Nullkommanichts befüllt, ein Adapter dafür war vorhanden an der Tankstelle, es kostete 3€.

Somit war die Entscheidung gefallen, wir wissen, wir haben es jetzt eine Woche warm im Auto, ohne an unsere Reserve zu gehen. Und so geht es weiter Richtung Mongolei bei sibirischer Kälte und dichtem Schneetreiben. Nur der Husky findet es toll und hüpft, mich hinter sich herziehend durch den Schnee. Und eins haben wir gelernt, -5°C heißt in Russland nicht einfach -5°C durch den eisigen Wind, der durch alles durch geht, man hat das Gefühl, man ist nackt und der Wind bläst einem die Haut vom Körper.

Wir überquerten den Ural bei dichtem Schneetreiben. Wir sind jetzt im asiatischen Teil Russlands, in Sibirien. Wir sind tatsächlich in Sibirien angekommen!! Die Fahrt verlief aber gemütlich und problemlos und so langsam kam das Gefühl zurück, dass es richtig war, weiter gefahren zu sein.

Gegen Abend wollten uns wegen der schlechten Witterung nicht irgendwo einsam hinstellen, sondern irgendwo zwischen LKWs parken, falls wir Probleme mit dem Auto und der Kälte bekommen sollten, damit im Notfall jemand helfen kann. Wir fanden nach Tscheljabinsk einen bewachten LKW Parkplatz, der eine große Halle hatte, in der LKWs gewaschen wurden. Auch Rudi wurde eingeladen für eine Tafel Schokolade und ein paar Rubel, ein Schaumbad zu nehmen, sie haben ihn so ausführlich gewaschen, dass er strahlt wie noch nie. Der Security kümmerte sich sehr nett um uns und wir konnten uns über Google Translater unterhalten.

Jetzt sind es noch 2500 km bis zu unserem Ziel.  

 

55°14'51.8"N 61°48'02.0"E

55.247730, 61.800560

traumhaft für das Auge, diese Weite, die Steppe, die Birkenwälder

Fahrt durch den Ural, jetzt noch mit wenig Schnee

Eindrücke aus Tscheljabinsk. Die Straßenbahnen sehen urig aus, es wimmelt von Straßenbahnen, die Fahrer steigen komischerweise an jeder Kreuzung aus, um am Boden Weichen zu stellen

Überquerung des Urals bei -5°C und extremen Schneefall

der eisige Wind macht das Gassigehen für den Gassigeher fast unmöglich, der Husky kann nicht genug bekommen. In Sekunden kann man die Finger nicht mehr bewegen.

Das sind die Straßennummern, die wir gefahren sind.R335,P240,M5,E30. Die Straßen sind einspurig und wie man sieht weitestgehend guter Zustand, aber sehr stark von LKWs befahren, das Überholen ist immer nicht so einfach. Bis 200 km vor Omsk ist viel Verkehr, danach ist es ruhiger. 

Die Städte sind genauso modern wie bei uns, nur bei einigen Fahrzeugen kann man noch die Vergangenheit erkennen. Wobei der Straßenverkehr hier sehr geregelt abläuft. 

Rudi wird hübsch gemacht für die Mongolei


30.04.19   133.187 km  Tag 280                                noch 2.500 km bis Mongolei

 Heute morgen waren wir etwas eingeschneit, es ist kalt, -5°C, sogar unser Abwassertank, den wir ablassen wollten, ist eingefroren. Im Auto ist es zum Glück kuschelig warm. Wir hatten solche Temperaturen ja schon mal in Tuktuyaktuk in Kanada und denken gerade an unsere beiden schweizer Freunde Marlis und Sandro, die keine Heizung im Auto hatten (ganz liebe Grüße in die Schweiz!!).

Landschaftlich blieb es heute gleich, flach, links und rechts Birkenwälder. Es wird langsam einsamer, es kommen nicht mehr ständig Städte und Dörfer, aber die Straße ist richtig stark befahren.

Wir haben sind jetzt 2 Monate unterwegs und haben 18.300 km hinter uns, bis zu unserem Ziel waren es heute morgen noch 2500 km. Um von dort nach Hause zu kommen über Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, werden wir noch weitere 10.000 km benötigen. Wir haben in den 2 Monaten bisher durchschnittliche Ausgaben von 48€ pro Tag. Diese Ausgaben beinhalten absolut alle Kosten, wie Diesel, Lebensmittel, Maut, Übernachtungskosten, Reparaturen. Visagebühren.

Als wir dann feststellten, dass wir bereits in Sibirien sind, haben wir uns riesig gefreut, dass wir das in unserem Leben mal erleben dürfen. wer kommt schon nach Sibirien? Und dann noch ein Highlight: da es ja derzeit so kalt ist, haben wir das Besichtigen von Städten gerade mal eingestellt und machen das auf dem Rückweg und machen stattdessen einfach mal Kilometer. Wegen der Kälte haben wir entschieden ,nachts in der Nähe von LKWs zu stehen, also auf abgesicherten Rasthöfen, falls etwas mit dem Auto sein sollte, ist Hilfe verfügbar. Und wir können es nicht glauben, hier ist alles auf LKW Fahrer ausgerichtet, es gibt ein kleines Hotel und unverhofft kommt oft, es gibt tatsächlich einen Wäscheservice, nach 4 Wochen endlich mal wieder!! Eigentlich sollte die Wäsche 24h Stunden brauchen, aber nach ein bisschen reden und erklären, dass wir morgen Vormittag weiterfahren möchten geht es schneller. Endlich können wir das Bett neu beziehen und fühlen uns richtig wohl, klar haben wir noch genug Ersatz, aber wir wollten uns auch nicht ganz blank machen, man weiß nie, wann die nächste Möglichkeit kommt. Ab morgen sollen dann auch die Temperaturen langsam wieder ansteigen, bis auf 20°C in 2-3 Tagen. Aber irgendwie hatte das auch was, Sibirien in dieser Witterung zu erleben, wer weiß, was hier im Winter los ist. Der wind ist jetzt schon so eisig, mit unserem wirklich nicht zu vergleichen.

56°17'01.3"N 70°25'56.1"E

56.283700, 70.432250


01.05.19   133.819 km  Tag 281   ---------- wir sind in Sibirien-------  noch 1.900 km bis Mongolei

Die heute gefahrenen 700 km verliefen stressfrei, gute Straßen, die Sonne ist wieder da. Die Landschaft einfach nur zum Genießen. Die vielen Seen in der Tundra hier, lassen erahnen, was hier im Sommer für ein Mückenparadies ist. Für uns ist die kühle Zeit jetzt vorbei, es soll wieder bis auf 20°C ansteigen morgen, übermorgen und den Rest der Woche. Dafür werden wir aber keine Mücken haben, dafür ist es zu früh. 

Ich wollte immer irgendwann mal nach Sibirien  und Thomas nach Nowosibirsk, jetzt ist das Realität geworden und eigentlich war es total einfach und es ist ein unsagbar tolles Gefühl, jetzt hier zu sein. Und so wie die Menschen uns hier anschauen/ Warnblinkanlage/ Lichthupe/winken/Daumen hoch usw. haben das wohl auch noch nicht allzu viele gemacht. Das einzige Problem ist wirklich die Sprache. Russen sind sehr deutsch freundlich, aber eine Kommunikation kommt so gut wie nicht zustande, weil man sich nicht unterhalten kann. 

Ansonsten ist Russland das perfekte Wohnmobilland um es zu bereisen. Übernachten ist überall möglich, es ist sicher, die Straßen sind gut, es gibt alles, was das Herz begehrt, Sibirien ist nicht so weitläufig und einsam wie man denkt. Alle 30-40km gibt es größere Rastplätze, die gut ausgestattet sind. Auf den Straßen herrscht viel Verkehr. Mehr gibt es für heute nicht, wir sind beide sehr glücklich hier zu sein und nicht umgedreht zu haben und genießen jetzt mal einen sibirischen Abend mit angenehmen Temperaturen.  

 

Nachtrag: Hochgelobtes Deutschland? 

Wir sind in mitten in Sibirien im Nichts, aber alle 40-50 km kommen große Rastplätze für 30-40 LKWs mit Kantine (sehr große Essensauswahl), moderne Duschen, kleiner Lebensmittelladen, alles sehr günstig. Nicht für utopische Preise wie in bei uns, sondern für LKW Fahrer kostet das alles nur 1-2€, die Parkplätze sind bewacht und sehr sauber. Was haben wir immer wieder auf den Autobahnen in Deutschland gesehen, die LKW Parkplätze sind überfüllt, die LKWs müssen kilometerlang dahinter auf dem Seitenstreifen parken. 

55°19'11.2"N 79°35'56.9"E

55.319780, 79.599130

Lebensmittelladen/ Metzger, alles in einem

mal eine Frage, um welche Städte geht es hier? Wir wissen es nicht ;-))

Omsk haben wir nur "angekratzt" auf dem Weg erstmal in die Mongolei, hier kommen wir aber auf dem Rückweg nochmal vorbei und müssen dann auch komplett durch

Wir sitzen hier im Auto und können es nicht fassen, dass wir wirklich hier in Sibirien sind. Ca. 219 km vor Nowosibirsk. Wie man sieht, ist das Wetter jetzt auch wieder besser. wir sind hinter dem Ural, seitdem verläuft die Landschaft so wie auf den Fotos.

Sibirien ist eine weitläufige Region in Russland, die einen Großteil des russischen Nordasiens umfasst und deren Landschaft aus Tundra, Nadelwäldern und Bergketten wie dem Ural, dem Altai und dem Werchojansker Gebirge besteht. Der Baikalsee im Süden Sibiriens ist der tiefste See der Erde


02.05.19   134.537 km  Tag 282                  noch 218 km bis Nowosibirsk  1200 km bis Mongolei

Die Straßen sind bis hier weiterhin sehr gut. Damit haben wir nicht gerechnet. Jetzt werden wir schon langsam nervös. Wir werden schon morgen Abend an der mongolischen Grenze stehen.

Der Verkehr lässt etwas nach. Wir haben damit nicht gerechnet, dass so viele Menschen hier unterwegs sind. Auch ist es jetzt wieder dichter besiedelt hier unten, aber es sind ärmlich wirkende Dörfer. Einzig zwischen Omsk und Nowosibirsk hatten wir mal 200- 300 km ohne größere Ansiedlungen. 

Heute standen wir an dem Fluss Ob, er ist unglaublich breit und noch immer zugefroren. Dagegen ist der Main oder der Rhein ein Bach. 

52°25'18.1"N 85°42'49.0"E

52.421700, 85.713610

Rudi bekommt einen Segen. Kirche am Stadtrand von Nowosibirsk

Der Fluss Ob bei Nowosibirsk fließt durch ganz Sibirien und mündet in die Karasee (Arktischer Ozean). Er ist noch zugefroren und extrem breit.

xxx


03.05.19   135.165 km  Tag 283                 579 km bis in die Mongolei

Während die letzten Tage immer nur gerade aus, durch flache Landschaft gingen, gehen die letzten 500 km durch das Altaigebirge, die Straße ist sehr kurvenreich und führt entlang des Flußes Katun. Auf dem Weg passiert man immer wieder kleine Dörfchen, dadurch zieht sich die Strecke sehr in die Länge. Optisch ist es wie in der Schweiz, grüne Weiden mit Kühen, schneebedeckte Berge. Es ist sehr schön zu fahren. Wie wir gestern Abend erfahren haben, war hier vor nur 2 Wochen alles noch eingeschneit. Und in 2-3 Wochen soll dann die Mückenplage erwachen. Da wir für die nächsten 14 Tage voraussichtlich Sonne haben und bis zu 20°C, je nach Höhe, haben wir wohl gerade ein gute Zeit erwischt, einen „Zeitslot“ sozusagen, zwischen Schnee und Mücke. So wie es aussieht, erreichen wir heute Abend die russische Grenze zur Mongolei auf einer Höhe von 2000m und die nur geöffnet hat von Mo-Sa von 9-18h (mit 2h Mittagspause). Laut Internetrecherche kann es sein, dass wir hier sehr lange brauchen, um über diese Grenze zu kommen. Wenn wir richtig Pech haben, kommen wir erst Montag rein und stehen dann 1,5 Tage im Niemandsland. Die Checkpoints sind 20km voneinander entfernt. Die mongolische Seite hat die gleichen Öffnungszeiten wie die russische. Schaun wir mal wie es jetzt ausgeht. Die Vorfreude ist riesengroß!!

Und an Bärbel und Herbert aus Amerika: wir können sehen, dass Ihr uns fleißig verfolgt anhand der Statistik. Russland ist eine Reise wert, es ist ganz easy eigentlich. Viele liebe Grüße nach Florida!!!

Rest später, noch sind es 200 km bis zur Grenze

17.30h, wir schaffen das noch, kein Auto vor uns....wir kommen an die Grenze, die Tür geht auf und ein netter englisch sprechender russischer Grenzbeamter fragt uns, ob wir rüber wollen. Wir bejahen, relativ glücklich, dass wir das zeitlich sogar noch hinbekommen. Und er sagt, Ihr wisst aber, dass die mongolische Grenze bis auf weiteres geschlossen ist? Heute ja, und morgen früh geht es da weiter?, fragten wir. Er sagt: Nein, die Grenze bleibt bis Montag geschlossen, dann kommt weitere Information. Wenn Sie wollen, können Sie von unserer Seite aus die Grenze passieren, aber Sie kommen drüben nicht mehr weiter. Wir fragen, warum dauert das so lange? Und er sagt, dass es dort zwei Pesttote gibt, und zwar in dem Ort Ögliy und vorsorglich die Grenze gestern geschlossen wurde. Wir sind geschockt. Wir sind 20.000 km gefahren, um die Mongolei zu sehen, stehen vor dem Gate und kommen nicht rein. Der nächstmögliche Grenzübergang ist 3000 km von hier. Was heißt, von hier zurück nach Nowosibirsk und dann nach Krasnojarsk und über den Grenzübergang Tes. Jetzt stehen wir erstmal ziemlich ratlos vor der Grenze und überlegen. Nach eigener Recherche sieht die Sache jetzt so aus, dass die Pest in der Mongolei endemisch ist, sie taucht immer mal ab und zu auf. Hauptsächlich deshalb weil Menschen Murmeltierfleisch essen, ein Überträger der Pest. Obwohl das inzwischen verboten wurde, passiert es immer mal wieder. Und die Situation im Moment ist jetzt, dass ein Ehepaar, das auch gestern gestorben ist, Murmeltier gegessen hat.

Derzeit werden 160 Menschen überwacht, mit denen sie gegebenenfalls Kontakt hatten. Es ist davon auszugehen, dass am Montag, 6.5., die Grenze wieder normal geöffnet sein wird, sollte nicht ein weiterer Mensch erkranken. Da wir nun 20.000 km gefahren sind und sowieso mal Ruhetage brauchen, warten wir hier an der Grenze (der Ort heißt Tashanta), beobachten die Situation und schauen mal, was die nächsten Tage bringen. Thomas meint, wenn die Situation so eskaliert wäre, würden auch die Russen die Grenze dicht machen und niemanden rein lassen und ein Aufgebot an Ärzten her bringen. Die Russen sind total entspannt, sie hätten uns raus und wieder rein gelassen.

Da das Wetter für die nächste Woche gut aussieht, wir werden hier auf einer Höhe von 2000 m 15°C haben, nutzen wir jetzt mal die Zwangspause, um unsere Sachen ordentlich zu räumen, zu putzen und mal die Seele baumeln zu lassen.

 

Mehr, wenn wir wieder Neuigkeiten haben.

49°42'38.7"N 89°12'03.1"E

49.710761, 89.200849

04.05.19   135.735 km  Tag 284  

Was gibt es an Neuigkeiten:

wir stehen nach wie vor vor der Grenze und wissen, dass direkt hinter der mongolischen Grenze 17 Menschen unter Quarantäne stehen. Diese Information kam von jemandem, der es gewagt hat, rüber zu fahren. Wir hatten Glück, dass wir 4 russische Radfahrer bei uns hatten, die perfekt englisch sprachen und somit uns immer auf dem Laufenden gehalten haben und sie haben uns Zeitungsberichte/ Bilder aus der russischen Presse gezeigt, dass Leute in Schutzkleidung rum laufen und aus denen hervor geht, dass die beiden Toten aus Russland kommen und wirklich das Murmeltierfleisch gegessen haben. Sie wollten auch rüber, haben aber leider gegen Nachmittag aufgegeben und sind zurück nach Nowosibirsk gefahren. Auf ihren Rat hin haben wir uns impfen lassen heute. Wir sind jetzt gegen die Pest geimpft. Da es auch schon hier, wo wir uns befinden als ratsam gilt. Fotos kommen später, da das Internet zu schwach ist.

Morgen ist die Grenze sowieso geschlossen, weil Sonntag ist und wir werden bis Montag warten.

 

Wir haben übrigens die deutsche Botschaft in Ulan Bataar und das Auswärtige Amt angeschrieben, mal sehen, ob von dort neue Informationen kommen.

 

Wenn wir neue Informationen haben melden wir uns.  


05.05.19   135.735 km  Tag 285

Wir stehen nach wie vor noch in Kontakt mit den 4 russischen Radfahrern, die ein Dorf weiter auch noch pausieren und alle hatten wir eine sehr schlechte Nacht. So leichtes Fieber, Verkrampfung und sehr schlecht geschlafen. Das kommt daher, dass der Körper jetzt arbeitet nach der Impfung. Die 4 haben sich gestern auch impfen lassen wie wir. Jetzt geht es uns aber viel besser. wir sind ein bisschen weiter in die Steppe rein gefahren, vom Dorf weg, die Sonne scheint, es sind 15°C und es ist mal nicht windig, wir können sogar draußen sitzen. Leider ist das Internet nach wie vor sehr schlecht und wir können momentan leider kein Bilder hochladen. Wir sind aber total entspannt und genießen einen schönen Tag vor dem Auto und hoffen, dass sich morgen das Problem in der Mongolei löst.

 

hier ein Link zu einem Zeitungsartikel aus der Siberian Times über die Lage in Ölgii:

https://siberiantimes.com/other/others/news/alert-on-russian-border-with-mongolia-after-two-deaths-from-bubonic-plague/

 

https://siberiantimes.com/other/others/news/town-in-mongolia-closed-for-quarantine-after-bubonic-plague-claimed-two-lives/

 

Da wir durch unsere Zwangspause gemütlich vor dem Auto in der Sonne sitzen, resümieren wir gerade das Jahr, seit wir unterwegs sind. Wir haben jetzt den 5.5.2019, in 6 Wochen sind wir ein ganzes Jahr unterwegs. Und stellen dabei fest, weniger ist mehr, wir fühlen uns viel glücklicher, nachdem wir dem heimischen Konsumrausch mal entgangen sind in der Zeit.Die Welt ist viel netter, freundlicher und hilfsbereiter als man denkt. Wir haben sehr lange darüber nachgedacht, was unser unangenehmstes Erlebnis in diesem Jahr war. Und trotz kleiner Pannen, kommen irgendwie darauf, dass es Kalifornien war. Das müssen wir nicht nochmal haben. Der Staat war sehr unangenehm, mit seinen ganzen Reglementierungen, Verboten, Überwachungen, hohen Preisen. Es war einfach nicht schön. Was nicht nur uns so ging, sondern vielen anderen Reisenden auch. Oder New Hampshire, wo das Übernachten ein Problem wurde, da Wohnmobile überall unerwünscht waren, selbst auf Walmartparkplätzen. 

Eine andere unangenehme Situation war die Geschichte in der Sahara, als das Auto nicht mehr ansprang, wir auf einem alten Friedhof fest steckten und weit ab von der Straße waren. 

Dann ist da noch Kasachstan mit den korrupten Polizisten, die wie Hornissen von allen Seiten auf uns stürzten, um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. 

Das war es aber eigentlich schon, was wir an unangenehmen Dingen erlebt haben. 

Wir wendeten unsere Gedanken den positiven Erlebnissen zu. Und wir sind beide der Meinung, dass es unser schönstes Lebensjahr war, unser intensivstes, wir haben so viel gelernt, auch über uns. Wir haben so viel erlebt. wir können im Grunde nur dazu raten, dass man seine Ängste überwindet und mal aus dem Hamsterrad, in dem man sich in Deutschland befindet, ausbricht. Wo zwar vieles sicher und reglementiert ist, aber es kostet gar nicht so viel Mut, sich einfach mal die Welt anzuschauen, die so schön ist, unbeschreiblich. 

Schön, abwechslungsreich, vielfältig. wir haben Bilder im Kopf, Erfahrungen gesammelt, die uns den Rest unseres Lebens sehr nachhaltig positiv beeinflussen werden. 

Da sich das Jahr, was wir uns als Auszeit genommen haben, jetzt bald dem Ende zuneigt und uns dieses Jahr so unser altes Leben beeinflusst, kreisen unsere Gedanken, wie werden wir unser weiteres Leben jetzt gestalten. Zurück in die Tretmühle? Noch ein Jahr dran hängen? Vielleicht eine zeit lang in Portugal leben? So langsam beginnt das Kopfkarussel, was der richtige Weg ist. So schön das alles war, was wir erlebt haben, so schwer macht es uns das jetzt, wieder in das "normale" Leben zurück zu gehen. 


06.05.19   135.735 km  Tag 286

Wir stehen vor der Grenze mit anderen und werden wohl heute rüber fahren. Wir werden dann erstmal kein Internet haben. Wir sind gesund, uns geht es gut, wir sind voller Vorfreude, wir sind natürlich trotzdem vorsichtig und sensibel. Einfach kann jeder ;-))

Was ist langsamer als langsam?

 

Als wir uns um 8 Uhr wieder zur Grenze bewegten, standen schon 5 Autos dort vor uns und gegen 9 Uhr öffnete die russische Grenze. Als man uns zusicherte, dass wir auch wieder zurück können, falls die mongolische Grenze nach wie vor geschlossen ist, entschlossen wir uns, die russische Grenze zu passieren. Das dauerte ganze 15 min. Wir mussten in ein separates Gebäude, die Ausweise wurden gecheckt, wie immer wurden wir nach unserem Reiseziel gefragt, alles wurde kopiert, das Auto wurde vorher „ausgereist“ (wir haben aber nach wie vor unser Zolldokument, da wir ja wieder nach Russland zurück kommen) und dann waren wir schon ausgereist. Die Kontrolle des Autos verlief oberflächlich, 3 Fächer geöffnet, Hund fand kein Interesse. Selbst unsere Medikamente wurden nur kurz beäugt, aber da wir ja Atteste dabei hatten, wurde es anstandslos durchgewunken. Dann durften wir 26 km weiter fahren. Kamen an einen Checkpoint, kurzer Blick ins Auto und dann ging das russische Tor auf und wir betraten entweder weiterhin Niemandsland oder schon mongolischen Boden für 5 km, wir wissen es nicht. Der Straße nach wird es mongolisch sein, weil es nur eine Schotterpiste war.

 

Good bye Russland, wir kommen wieder!! Es hat uns sehr gut gefallen!!

 

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