Mongolei

Türkei-Iran-Aserbaidschan-Georgien-Armenien-Kasachstan-Mongolei-Russland

Fortsetzung von Block 12.Russland Teil 1

Монголд тавтай морилно уу

Willkommen in der Mongolei

 

49°42'38.7"N 89°12'03.1"E

49.710761, 89.200849

06.05.19   135.735 km  Tag 286

                                                     Was ist langsamer als langsam?

An der mongolischen Grenze angekommen, trafen wir die vor uns durchgelassenen 5 Fahrzeuge wieder. Und hier hatten wir das Glück, dass ein wirklich gut englisch sprechender Russe sich uns annahm und das was der erste Grenzbeamte der Mongolei zu berichten hatte, an uns weiter gab. Die Sache ist jetzt so: wir können jederzeit einreisen, aber wenn wir hinter der Grenze sind, nach wie vor in die Quarantäne fahren würden. Die aber heute Abend um 20 Uhr voraussichtlich aufgehoben werden soll, weil es keine weiteren Fälle gab. So war der Stand um 10 Uhr.

Es besteht die Möglichkeit, die Grenzformalitäten jetzt abzuwickeln und im Zollbereich bis heute Abend stehen zu bleiben mit der Möglichkeit, dass wir jederzeit wieder zurück könnten, auch wenn die Quarantäne verlängert werden sollte. Der englisch sprechende Russe, der uns immer auf dem Laufenden gehalten hat und für uns auch übersetzt hat, wenn wir Fragen hatten, wählte diese Variante und wir schlossen uns dieser an. Wir stehen zur Zeit in der Mongolei, auf dem Zollhof, nennen wir es mal so und warten ab, was heute Abend für Informationen kommen.

Jetzt zu den Formalitäten des Grenzübertritts:

Erstmal wurde unser Auto von aussen desinfiziert (100 Rubel), dann bekamen wir eine Immigrationskarte zum Ausfüllen und eine Selbstauskunft über den gesundheitlichen Zustand.

Diese beiden Formulare wurden wieder eingesammelt noch vor der Grenze. Und nachdem 4 von den 5 Fahrzeugen, die vor uns waren abgefertigt worden waren, was ungefähr 2 Stunden gedauert hat, durften wir rein fahren. U.a. konnten wir beobachten, wie eins der Fahrzeuge komplett aueinander genommen wurde und wir dachten schon, ohjee, das geht aber ab dieses Mal. Wir stoppten am Gebäude, durften beide gleichzeitig aussteigen (warum ich auch, frage ich mich jetzt noch, denn es ging nur um das Auto und den Hund). Zuerst setzte sich der Quarantäneinspektor mit uns auseinander, nahm das Gesundheitsformular und kopierte die Hundepapiere. Das alleine dauerte schon eine halbe Stunde. Was dauerte eine halbe Stunde? Lediglich das entgegen nehmen der Papiere und die Kopie des Hundeausweise. Dafür hat sie sage und schreibe eine halbe Stunde gebraucht. Aber es kommt noch schlimmer.

Zu unserem Glück sprach sogar jemand von den Grenzbeamten deutsch, der sich unserer auch gleich annahm. Denn jetzt ging es um das Auto. Fahrzeugschein, Führerschein und Reisepass von Thomas wurden in den Computer gehämmert, nein nicht gehämmert, sondern geschlafwandelt. Es dauerte unfassbar lange, dann wurde die Zollbescheinigung ausgedruckt, und die 3 notwendigen Stempel dauerten wieder alleine 5 min, Stempel holen, Datum einstellen, unvorstellbar langsam. Alles super höflich, aber in einer Geschwindigkeit, ääh Langsamkeit, die selbst den ausgeglichendsten Menschen rasend machen kann. Nachdem die Papiere fertig waren, gingen wir im Schneckentempo zu unserem Auto. Es wurde nur einfach kurz rein geschaut und gut und wir bekamen unsere Dokumente und können jetzt im Zollbereich warten bis das mit der Quarantäne erledigt ist. Einen Stempel in unserem Pass haben wir noch nicht, den bekommen wir erst, wenn wir die Grenze wirklich passiert haben.

Die Autos, die hinter uns standen ausserhalb der Borderzone stehen übrigens immer noch. Denn nach uns ist man geschlossen, wir können es wirklich nicht beschreiben, noch langsamer als Zeitlupe, ca. 500m in die Kantine zum Mittagessen gegangen. Grenze ist so lange beiseitig geschlossen. Das während der ganzen Prozedur da drin fleißig von den Grenzbeamten MahJong gespielt wurde, wollen wir jetzt mal unter den Tisch fallen lassen. Fazit : ganze 5 Autos sind vom Öffnen bis zur Mittagspause abgefertig worden. Alleine das erleben zu dürfen, dass sowas geht und die Geschwindigkeit mit der hier gearbeitet wird, ist wirklich nicht zu fassen. Der Grenzübertritt ist ein Abenteuer anderer Art. Aber sie waren von vorne bis hinten immer höflich und zuvorkommend, nur eben nicht die Schnellsten. Der Grenzübergang ist in sich wirklich easy, aber man sollte viiiel Geduld haben.

Mehr später.... 

49°29'35.9"N 89°36'16.2"E

49.493317, 89.604511

direkt nach der mongolischen Grenze konnten wir beim Reinfahren beobachten, wie mehrere Personen in Schutzkleidung und Atemschutz einen Laden ausräumten und desinfizierten. 

unsere erste Nacht in der Mongolei mitten im Nichts, ca. 20 km hinter der Grenze

Bild 1: Denkmal in Ölgii

Bild 2 und 3: unsere ersten Jurten

man kann die Weite sehen. Viele, viele Tiere, Pferde, Schafe, Ziegen, Rinder, Yaks, Kamels und so gut wie keine Menschen

Das ist die Ortseinfahrt von Ölgii. Die erste Stadt nach der Grenze bei Tashanta, in der man alles bekommt, Geldautomat, Banken, Simkarten, mehrere Supermärkte, Tankstellen. Alles einfach, aber funktional. Vom Ulaanbaishint Checkpoint in der Mongolei aus 95 km entfernt.


07.05.19   135.790 km  Tag 287             Heute wurden wir schön verarscht

Heute wurden wir schön verarscht, denn unsere Idee war, wir fahren einfach mal so weit rein, wie wir Spaß haben und Rudi nicht so sehr gequält wird. In Ölgii bekamen wir den Rat von Einheimischen, nicht die von uns gedachte, nördliche Straße Richtung Ulaan Bataar zu nehmen, sondern die südlichere über Khovd, Altai, Bajanchongor und Arwaicheer (praktisch durch die Wüste Gobi). Die ersten 20 km waren auch der Hammer, siehe Foto unten, danach ging es nur noch NEBEN der neu gebauten Straße, die noch nicht für den Verkehr freigegeben ist auf einer Schotterpiste übelster Sorte über 150 km. Lediglich die letzten 100 km waren dann nagelneue Straße. Und jetzt heißt es, fahrt die untere, die südliche Straße nach Ulaan Bataar, denn von den 1700 km sind 1400 km asphaltiert. Nun wissen wir natürlich nicht, ob diese 150 km Schotterpiste, die wir heute hinter uns gebracht haben, schon dazu zählen und somit die Hälfte von unangenehmen Straßen vollbracht ist, oder nicht. Wenn wir jetzt umdrehen, fahren wir wieder 150 km Schotterpiste zurück...oder haben wir bereits die Hälfte davon hinter uns??????

Den Vormittag verbrachten wir damit, eine Simkarte zu kaufen. nicht leicht. Überall hängen Schilder mit dem Logo von dem Anbieter "Mobicom", wenn man dann in den Laden (Supermarkt, Drogerie o.ä.) reingeht, weiß keiner was, keiner kann helfen. In einer Drogerie bekam ich zwar eine Karte, aber sie schaffte es nicht, sie freizuschalten und Datenvolumen darauf zu laden, so hat sie mich nach 2h kurzerhand in ein Taxi gesetzt, dass mich direkt zu einem Mobicom Store fuhr. Dort zieht man eine Nummer. Die aktuelle Nummer war 106. Meine lautete 125. Und die Beratungen dauerten ewig, die ganze Familie war jeweils dabei. Sehr viele Leute warteten und das gleiche Tempo wie an der Grenze erlebte ich wieder. Entnervt ging ich zu dem wartenden Taxifahrer und versuchte ihm mit Google Translater zu sagen, dass das hier sicher 3 Tage dauernd wird, ich nicht so lange warten möchte und ob es noch andere Möglichkeiten gibt. Er verstand nicht und sagte nur "Simcard". Ok, was tun? Was für Möglichkeiten habe ich, wenn ich nicht jeden Shop in diesem Ort abklappern will? Also wieder rein. plötzlich nimmt mich die Verkäuferin wahr und fragt mich auf englisch, wie sie helfen kann und setzt mich direkt an ihren Schreibtisch. Ich kann mein Glück nicht fassen. 10 min später war ich wieder on. Die ganze Prozedur dauerte insgesamt 3h. Das und die Straßenverhältnisse später führten dazu, dass wir heute nur 300 km schafften

Die Landschaft ist wirklich eindrucksvoll und die vielen vielen Tiere links und rechts der Straße faszinieren uns. Von Ölgii bis Khovd sind es ca. 200 km Steppe, Wüste, keine Menschen und auch kaum Autos. 

Eins haben wir noch: als wir gestern Abend ins Bett gingen, bzw. heute Morgen aufstanden, klagten wir beide über leichte Kopfschmerzen. Im Hinterkopf ging uns dann gleich diese blöde Geschichte mit der Pest herum und wir achteten sehr auf uns, ob das schlimmer wird.  Die Lösung ist aber, wir sind auf 2.500m über dem Meeresspiegel und der Körper reagiert darauf. Das blickten wir aber morgens, weil wir das Gleiche schon mal erlebt haben in Russland. Und natürlich kam auch erstmal ein tiefes Durchatmen.  Gegen Nachmittag, als wir dann bei einer Höhe von 1.300m ankamen, ließen auch die Kopfschmerzen bei uns beiden nach. 

Außerdem hatten wir Kopfkino, machen wir das gerade richtig hier, oder schätzen wir die Situation falsch ein, denn als wir die Grenze dann abends passieren durften, d,h, die Quarantäne wurde um 20 Uhr aufgehoben, konnten wir sehen, wie Läden ausgeräumt wurden von Personen in Schutzkleidung und Atemschutz, an denen wir vorbei fuhren. Die Läden wurden danach desinfiziert. Nach den ersten 20 km kamen wir an eine Kontrolle von Militär, Ärzten und Polizei und wurden darauf hingewiesen, dass wir durch den nächsten kleinen Ort durchfahren sollen, ohne anzuhalten. Woraufhin wir fragten, die Quarantäne ist doch vorbei, was soll das? Wir wollen uns nicht anstecken, dann drehen wir lieber um und fahren wieder raus. ein sehr gut englisch sprechender Arzt versicherte uns, dass wir keinerlei Gefahr ausgesetzt seien und dass alles aufgehoben sei, das seien nur noch Restarbeiten. Es hätte keine weiteren Vorfälle gegeben.

 

Übernachtet haben wir oberhalb von Khovd von hier sind es 100 km Luftlinie nach China

47°58'54.9"N 91°42'54.8"E

47.981920, 91.715210

Von den bisher gefahrenen 1000 km waren 700 km so und 300 km die Hölle, nämlich gar keine Straße, sondern einfach  über die Steppe, mehr oder minder mit Kompass.

unsere ersten Yaks. Sie sind doppelt so schwer wie Rinder. Der Körper ist seltsam quadratisch, trotzdem wirken sie Agiler als Kühe und  einfach schön zu beobachten.

das war der erste Tag mit 175 km Piste zwischen Ölgii und Altai, im Altaigebirge, die aber nicht so schlimm war, weil man sich hier besser orientieren konnte. 

Steppe und Altaigebirge. Landschaftlich ein Traum, Höhe auf 2.600m und stundenlang keine Menschen, sondern nur weidende Tiere überall, wie Kamele, Pferde, Rinder, Yaks, Ziegen, Schafe in riesigen Mengen. 


08.05.19   136.108 km  Tag 288

Morgens wurden wir geweckt, naja, es war ja auch schon 9 Uhr, von Sträflingen, die unter Aufsicht, Müll einsammeln mussten, in Riesengruppen schwärmten sie aus in orangefarbener Kleidung.Das war uns etwas unangenehm, weil wir praktisch mittendrin standen, sodass wir uns erstmal ohne Frühstück auf den Weg machten. Wir hatten auch erstmal eine richtig gute, neue Straße für 440 km (bis Altai) und kamen  an eine Abzweigung. Den Ortsnamen Altai gibt es hier scheinbar häufiger. Geradeaus ging es nach Altai, an der chinesischen Grenze und rechts in das Altai, das wir ansteuern wollten (wir sind ja im Altaigebirge). Und wir fuhren auch erstmal in Richtung des falschen Altais, in Richtung der chinesischen Grenze, so ca. 70 km vor der Grenze sagte Thomas "Stop", die hier liegende Stadt liegt auf der falschen Seite der Straße. Laut Karte müsste sie nämlich rechts liegen. Daraufhin stoppten wir, schauten genauer auf der Karte nach und uns fiel auf, dass es zwei Altais gibt und China ist nicht unser Ding zur Zeit (haben ja kein Visum und einen Hund, den sie nicht rein lassen) und so drehten wir um und fuhren rechts. Es war eine wunderschöne Fahrt auf einer nagelneuer Straße durch Steppe und Wüste, in den Tausende von Tieren weideten. Allerdings mussten wir ständig anhalten, weil die Straße ein beliebter Aufenthaltsort war, besonders die Bullen waren sehr störrisch, wenn es darum ging, den Platz frei zu geben. Ca. 30 km vor unserem eigentlichen Ziel, wurden wir durch eine eingestürzte Brücke gestoppt (sie ist schon seit zwei Jahren eingestürzt). Zuerst sah es auch so aus, als wäre hier wirklich kein Weiterkommen und wir müssen alles wieder zurück fahren (auch die 175 km Schotterpiste, die wir am Tag vorher gefahren haben). Es gibt wirklich nur diese eine Straße hier unten. wir verweilten sehr lange dort und Thomas grübelte und grübelte. PKWs und LKWs fuhren auch wieder zurück. Nur der eine oder andere 4x4 quälte sich dort irgendwo durch. Das Problem war nicht der Fluss, sondern die steile Anhöhe danach auf der anderen Seite. Durch unsere Luftfedern konnten wir das Auto um 10 cm hochfahren und das war unsere Rettung. Mit viel Speed (Film folgt), schafften es Thomas und Rudi auf die andere Seite. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht, weil das Auto hinten richtig abhob.

Total happy machten wir uns auf den Rest des Weges nach Altai(83 km). Da Altai sehr gewöhnungsbedürftig und sehr einfach war, wurde nur getankt, einkaufen fiel aus. Das Dorf hat eine Art Expeditionscharakter. Weitere 90 km nach Altai begann dann das Abenteuer hoch 10. die Straßen sehen auf der Karte anders aus als in der Realität und verlaufen auch anders teilweise. Unser großes Glück war, dass wir noch mit LKW-Fahrern versuchten zu sprechen (Karten zeigen und Hand und Fuß), sodass wir die oberhalb verlaufende Straßen nahmen und nicht die allgemein übliche, etwas weiter unten verlaufende Straße A0303, die auf der Karte auch viel größer aussieht. Denn dort hätten wir nach 300 km Pist umdrehen müssen, weil dort ein großer Fluss die Straße 4 mal unterbricht und wenn er viel Wasser hat, die Straße nicht passierbar ist (wir sagen hier Straße, weil es auf der Karte so eingezeichnet ist, es gibt keine Straße, sondern nur Steppe, durch die man fährt). Wie wir gegen Abend gesehen haben, führt der Fluss gerade richtig viel Wasser.

Unsere Route verlief jetzt quer Beet durch die Wüste/Steppe, orientiert haben wir uns mit einem Kompass und der App Maps.me, mit der App konnten wir beobachten, ob die sich Kilometer zum eingegebenen Dorf Buutsaghan (wo garantiert keiner von uns leben möchte) reduzierten. Dadurch dass bei der Brücke sehr viele umdrehen mussten, war kaum ein Mensch hier mehr unterwegs und wir quälten uns, im wahrsten Sinne des Wortes die ersten 70 km bis zum Dunkelwerden durch die Steppe. Einen Nachtplatz suchen brauchten wir nicht, sondern einfach nur stehen bleiben, wo man gerade stand. Einziger Nachteil, keinerlei Internet. wir fielen total schnell und erschöpft in den Schlaf. wohlgemerkt. mitten auf der Piste, aber hier fährt niemand.

Nach gefahrenen 150 km Piste (Piste, genau wie unten beschrieben im Bid mit dem Feierabend) ist die Brücke zusammengebrochen...vor 2 Jahren, wie wir heraus fanden. wir haben etliche LKW- und PKW Fahrer gesehen, die umgedreht haben und Thomas hat lange analysiert und es dann doch gewagt. Die Überquerung des Wassers war nicht das Problem, sondern der ziemlich steile Hügel, der auf der anderen Uferseite war.  

Bild 1: mitten in der Wüste Gobi eine Jurte

Bild 2: Taxi für Pferde ;-)

Bild 1: überall findet man diese Gebetsstätten

Bild 2: jede größere Stadt hat ihr eigenes Tor

Eindrücke Wüste Gobi


09.05.19   136.720 km  Tag 289

Geweckt wurden wir von LKW Fahrern, die an uns um 6 Uhr vorbei rauschten mit beeindruckendem Tempo. Die kamen aus der entgegen gesetzten Richtung. Dieser Tag bestand dann dahin mit einer Geschwindigkeit von 10-20 kmh sich Richtung Bajanchongor zu arbeiten (200km). Keine guten Aussichten und keine Ahnung, ob wir das heute überhaupt schaffen, oder da ankommen können, weil vielleicht wieder ein Bach, Fluss, Graben, Brücke oder irgendwas anderes uns den Weg versperrt. Zeitweise fuhren wir eine ganze Stunde ohne eine Staubwolke zu sehen. Eine Staubwolke war immer ein anderer Leidensgenosse (In "Mongolei Info" haben wir den genauen Straßenverlauf, Straßenzustand dokumentiert). 

Wir beide waren zwischenzeitlich so genervt und fertig, dass wir am Liebsten uns hier raus beamen wollten und eine richtig negative Einstellung der Mongolei gegenüber bekamen. Und so richtig keine Lust mehr hatten überhaupt weiter zu machen. Das Problem ist nur, umdrehen ging nicht mehr. Also mussten wir uns widerwillig weiter durch die Steppe arbeiten. Gegen Nachmittag, als wir den Fluss   Baydrag Gol  erreichten, der sehr viel Wasser führte, kam schon die Panik in uns hoch, dass es auch hier nicht weiter gehen könnte. Uns ganz hinten am Horizont war ein schwarzer Strich zu sehen. Je näher wir dem Fluss kamen, desto mehr wurde der schwarze Strich zu einer Straße. Und jetzt schauten wir uns an beteten, dass es eine Möglichkeit gibt, über diesen Fluss zu kommen und auf diese Straße. Und siehe da, es gab eine nagelneue Brücke, an die sich eine 70 km lange, nagelneue Straße anschloss. Gut.... zu früh gefreut, es gab nochmal einen Nachschlag. Nach den 70 km, kamen noch mal 26, richtig harte Schotterkilometer. Und dann durften wir nochmal 50 km über die neue Straße in den Ort Bajanchongor einrollen. Wir sind so fertig wie schon lange lange lange nicht mehr, aber relativ glücklich, denn von hier über Ulaan Baatar richtung Grenze Russland sind es noch 1000 km befestigte Straße (laut Einheimischen). In welchem Zustand die Straßen wirklich sind, wird sich dann weisen. 

Bajanchogor ist eine größere Stadt, die Straßen hier sind relativ neu. Es gibt kein fließendes Wasser, sondern ein Wasserhaus, wo jeder sind sein Wasser in Kanistern holen kann. Bezahlt mit einer speziellen, wie EC Karte aussehenden Karte. Zum Duschen gibt es ein Badehaus. Da es hier in der Mongolei kaum Brunnen oder Aussenwasserhähne gibt, müssen wir genau schauen und überlegen, woher wir Wasser für unseren Tank bekommen, das ist jedes Mal ein richtiger Auftrag. 

Wie man auf dem Foto unten aber sieht, stehen wir als Belohnung für diesen blöden Tag an einem kleinen Fluss, total einsam vor der Stadt und haben tatsächlich noch das internet der Stadt. 

Auch hat sich unsere negative Einstellung etwas gelegt, denn wir sind wieder "runter gekommen" und fühlen uns jetzt auch wieder wohl hier. 

 

46°10'48.3"N 100°43'49.8"E

46.180077, 100.730506

so sieht das dann aus, rechts die eigentliche Straße ist nicht befahrbar und auch immer nur bruchstückhaft vorhanden auf 150 km geht das so. Man kann sich an dieser Straße also auch nicht orientieren, weil sie bald aufhört. Die anderen Wege verzweigen sich immer mehr und werden immer kleiner.

Bild 1: eine von uns befahrene ....

Bild 2: das ist der Staub, der von uns aufgewirbelt durch die Fahrt, weil der Wind so stark ist, sieht man nichts.

Bild 3: Mitten aber wirklich mitten in der Wallachei steht dieses Schild.

Bild 4: entgegenkommender LKW

Bild 5: Rudi bekommt den nächsten Segen

Bild 6: sie stehen gerne genau dort, wo man langfahren möchte

Nach 270 Km Piste  eine Neue Straße

Straßen zustand:

Grenze bis Ulaanbaishint Check Point 5 km  Schotter 

Ulaanbaishint Check Point  bis Ölgii  95 Km  davon 25 Schotter, dann gute Straße

Ölgii  bis Chowd  220 Km davon 150 km Piste, Rest neue Straße (die 150 km Piste ist bald Geschichte, denn die neue Straße war fertig, aber noch nicht offen).

Chowd bis Altai  445 Km nagelneue Straße

40 Km vor Altai eingestürzte Brücke ist nach 2 Jahren immer noch nicht für alle passierbar. Die Stelle wird ab und zu mit einer Notbrücke befahrbar gemacht, diese aber auch ständig wieder vom Fluss weggespült. 

46°30'59.6"N 95°19'41.0"E

46.516560, 95.328060

Altai bis Delger  95 Km Neue Straße 

Ab Delger unbedingt Richtung Buutsagaan /Bömbögör/ist Piste bis Fluss Baydrag Gol ab dort neue Brücke

46.175480, 99.260710   Neue Brücke/beginn Neue Straße

und neue Straße  bis Bayankhongor ist noch mal  unterbrochen  mit 26 Km Piste  

Die auf den Karten und bei Google unten langlaufende Straße ist nur Piste mit 4 Flussübergängen .

In Bajanchongor angekommen: ein buddhistischer Tempel. Was man auf dem Foto nicht so sieht, es ist alles ziemlich vernachlässigt.

Feierabend nach dem härtesten ritt meines Lebens. die gefahrenen 242 km und ca. 10 Stunden, mit ca.

20 kmh durch die Steppe der Mongolei. Staub, Sand, Hitze, Schotter, Flussbette, Steine, Krater, nach Kompass fahren, Wellblech, extrem starker Wind und die ständige Angst um das Auto und zusätzliche immer noch die Angst, dass man wieder umdrehen muss und alles zurück fahren muss. 

Bajanchongor, unser Übernachtsplatz. Wir saßen bei ca. 20°C und hatten einen schönen Sonnenuntergang. Morgens wurden wir von Pferden geweckt, die um das Auto herum grasten. 


10.05.2019 136.962 km Tag 290            Ersten kommt es anders und zweitens als man denkt.

 

21.500 km bis hierher jetzt noch 1.000 km  in der Mongolei und dann 9.500 in Russland zurück über

Baikalsee-Irkutsk-Krasnojarsk-Nowosibirsk-Omsk-Jekateria Burg-Sankt Petersburg und dann schaun wir mal.

 

Etwas später als sonst machten wir uns vormittags auf in Richtung Ulaan Baatar. Auf einer Straße, naja, nennen wir es mal Schlagloch-Slalom-Hubbel-Piste, aber nach den gefahrenen 300 km durch die Steppe, waren dieses Mal nicht unglücklich, auch wenn wir nur zwischen 30 und 40 kmh auf einer auf der Landkarte rot markierten Straße fahren konnten. Und bei wirklich angenehmen 15°C und Sonnenschein rollten wir so vor uns hin. Weiter durch die Wüste Gobi. Gegen 12 Uhr mittags waren es 17°C und noch Sonne und jetzt begann ein richtig heftiger Wind. Da wir gerade einen sandigeren Teil durchfahren, war das dort ein richtig übler Sandsturm. 13.30 Uhr, es beginnt zu schneien. 15 Uhr, nichts geht mehr, -4°C und wir stehen genau vor einer Baustelle, das heißt, wir werden von der Straße herunter geleitet und müssen, wie wir in Erfahrung bringen konnten 20 km über den Acker fahren. Da man aber die Hand vor Augen kaum noch sieht, aus dem Sandsturm ist jetzt ein richtiger Schneesturm geworden, entscheiden wir uns, diese 20 km Baustelle nicht unter diesen Voraussetzungen in Angriff zu nehmen und parken rechts und beobachten die Situation erstmal. aus dem Auto aussteigen ist kaum möglich, der Wind ist so stark und eisig, dass man fast von der Straße geweht wird.  Auch ist unser Abfluss eingefroren, d,h, das Brauchwasser läuft nicht mehr ab. Aber das ist im Moment unser geringstes Problem. Die Situation wird immer chaotischer. Autos rutschen nur noch so rum und obwohl wir sehr abseits stehen und parken, bekommen wir Angst, dass uns einer rein rutscht. Auch haben wir hier kein Internet, was es uns nicht ermöglicht, die Lage besser einschätzen zu können, z.B. die Wettervorhersage der kommenden Tage zu checken und so beschliessen wir, auf einen Pulk LKWS zu warten, uns dahinter zu klemmen und so wieder zurück zur nächsten Stadt zu fahren. Bis mal wieder ein Schwung kam, dauerte es ca. 2 Stunden. Dann ging es im Schneckentempo hinter dem LKW her und  rechts und links lagen die Autos schon im Graben und rutschten. Nachdem wir 20 km (1,5 Stunden) uns wirklich sehr sehr vorsichtig zurück gearbeitet hatten, erreichten wir einen Parkplatz mit dem Stadttor, hier haben wir wieder Internet und so entschlossen wir uns, hier für die Nacht zu bleiben. Es ist inzwischen schon halbwegs dunkel und wird immer glatter, kälter und der Schneefall nimmt extrem zu. 20 min später sammelten sich neben uns LKWs und wir atmeten tief durch, dass wir nicht mehr alleine hier stehen. 

Nach der Wettervorhersage sieht es so aus, als würden wir hier 2-3 Tage fest sitzen. Zum nächsten Dorf sind es noch 18 km. Wir saßen eine ganze Zeit noch vorne im Auto und beobachteten, wie immer noch Autos versuchten auf der inzwischen wirklich kaum noch zu befahrenen Straße weiter zu kommen. Gegen 21 Uhr klopfte es.und man bat uns um Hilfe, eine schwangere Frau mit Kleinkind und ein englisch sprechender Mongole fragten, ob sie sich bei uns im Auto aufwärmen dürften, denn ihr Auto hatte eine Panne und wurde gerade von jemandem repariert. Da es draußen mittlerweile schon -7°C waren, was durch den Wind ja noch verstärkt wird, war es selbstverständlich, dass wir ihnen Asyl gaben und sie ca. 1,5 Stunden bei saßen während wir Tee zusammen tranken. Dann war das Auto repariert und sie quälten sich weiter Richtung Stadt. 

Mal eine Anmerkung,was uns immer wieder auffällt hier, hier in der Mongolei bedankt man sich scheinbar nicht. Man geht einfach. Haben wir öfters erlebt und uns immer verblüfft angeguckt. Wir sind irgendwie entsetzt darüber, aber es scheint hier so zu sein. Von den Leuten , denen wir Kaffee gaben, oder denen wir anboten, etwas im warmen Auto zu verweilen, was nicht wenige waren mittlerweile, hat noch nicht einer Danke gesagt, sie gehen einfach.

Zum einen sind wir glücklich, dass wir es in unserem Auto warm haben und genügend Vorräte an Bord. Zum anderen ist die Situation aber sehr unübersichtlich und wir machen uns auch so ein bisschen Gedanken darüber, wie es weiter geht. 

46°24'48.6"N 102°50'09.9"E

46.413510, 102.836080

Hier war noch alles gut, +++15°C. 

Bild 3: bis dahin sind wir später wieder zurück gefahren bei -4°C, ca. 3 Stunden später.

Nichts geht mehr. 19 Uhr, wir drehen um und versuchen einen Platz zu finden, wo wir sicherer stehen. Denn es ist jetzt schon klar, dass es 2-3 Tage dauern wird. Zu unserem Glück gesellten sich nachher noch einige LKW Fahrer zu uns, die auch die 2-3 Tage warten müssen und die gleiche Richtung haben, sodass wir hoffen, dass sie uns in die Mitte nehmen, wenn es weiter geht. 

Binnen 3 Stunden von +15°C auf -4°C, später -10°C. Das Foto gibt den Schneesturm leidet nicht wirklich wider. Durch den extrem starken wind kommt der Schnee quer. Und man erkennt nicht mal mehr, wo man fährt oder steht, es ist nichts mehr sichtbar.

Wir retteten uns zurück und hier stehen wir jetzt seit 2 Tagen und warten auf besseres Wetter, was für morgen auch angekündigt ist, es sollen wieder 15°C werden. Wir machen uns ein bisschen Sorgen wegen der 20 km Baustelle, wo wir wieder über den Acker müssen, wenn jetzt die Erde schlammig wird. Auf dem Rückweg von der Straßensperre, ca. 20 km, rutschten, schlitterten viele andere Autos und LKWS, wir arbeiteten uns im SChneckentempo bis zu dem Tor zurück. 

Bild 1: LKW Fahrer, denen wir warme Getränke und Essen gegeben haben

Bild 2+3: eine echte Notsituation, das Auto hatte einer Panne und musste repariert werden, es ist so kalt, dass es ist Auto ohne Heizung nicht auszuhalten ist und so haben sie bei uns Asyl bekommen für mehrere Stunden, denn wir können ja Gott sei Dank heizen.


11.05.2019  137248 km Tag 291

 Nach einer den Umständen entsprechend eigentlich guten Nacht, waren wir gegen 10 Uhr wach und widmeten uns der neuen Situation und stellten relativ schnell fest, dass heute noch kein Weiterkommen ist. Es besteht zwar die Möglichkeit, 18 km zurück in die nächste Stadt zu fahren, aber da wir mit den LKW Fahrer inzwischen schon ein gutes Agreement haben und die Hoffnung, dass sie uns, wenn sie weiterfahren in die Mitte nehmen, bleiben wir fürs erste Mal hier stehen. Wir könnten auf der Straße problemlos fahren, aber unser Problem sind die 20 km Baustelle, wo die Straße wieder über den Acker geleitet wird und wir sehen durch den Schneesturm nicht genug. Morgens gab es Kaffee pus eine Stunde aufwärmen bei uns für die LKW Fahrer. Und Mittags habe ich gekocht und jeder kam zum Essen plus Aufwärmen plus Kaffee. Sprachlich ist leider nichts machbar, somit nahmen wir ein Blatt Papier und malten Situationen auf, so konnten wir uns ein kleines bisschen verständigen. Zur Zeit ist es hier 17 Uhr (in Deutschland 11 Uhr) und wir harren aus und hoffen, dass es morgen weitergehen kann, wir über diese schlammige Piste kommen. Gott sei Dank hatten wir viele Vorräte und auch Wasser/ Gas an Bord, weil wir diese Pestgeschichte noch in Russland unsere Vorräte extrem aufgestockt haben, um weniger hier kaufen zu müssen. 

 

Um es klar zu sagen, die Situation ist zur Zeit nicht angenehm. Zwar haben wir es im Auto kuschelig warm und das Gas reicht auch für 1-2 Tage, aber sobald man aus dem Auto geht beginnt der Kampf ums Überleben im wahrsten Sinne des Wortes. Unsere Kleidung, die uns in Deutschland problemlos durch den Winter bringen würde, ist hier absolut nichts wert. Der eisige Wind geht durch alles durch und es dauert keine 30 sek. und friert und zittert. Hundeleine halten tut weh trotz Handschuhe, warten bis der Hund endlich einen Haufen gemacht hat, kommt einem wie Stunden vor. Rauchen fällt aus, weil nicht möglich. Wenn man eine Minute draussen ist, muss man wieder rein, sonst hat man das Gefühl, man erfriert.

 

46°24'48.6"N 102°50'09.9"E

46.413510, 102.836080


12.05.2019  137248 km Tag 292

Uns geht es gut! Sind aus der Eishölle raus, hatten heute übrigens wieder 15 Grad ab ca 13 Uhr. Und sind hinter Ulan Bator bei der Statue von Chinggis Khan, wo wir auch direkt unten drunter schlafen. Netter Ausblick. Später mehr, wir sind ziemlich groggy. Die Bilder sprechen ja für sich. Und Rudi brauchte heute auch noch einen neuen Schuh, Riesenloch im Reifen. 

 

Nachtrag: 

Wir haben uns extra den Wecker auf 5 Uhr gestellt, Sonnenaufgang, damit wir die LKWs nicht verpassen, mit denen wir ja mittlerweile befreundet waren und die uns zwischen sich nehmen sollten. Und siehe da, der Himmel war wieder blau, kein Wind, die Sonne gerade aufgegangen, die Temperaturen aber immer noch bei -10°C. Thomas ist in der Nacht zweimal aufgestanden und hat das Auto für eine Viertelstunde laufen lassen, da durch die Temperaturen unsere Starterbatterie schon im roten Bereich war und er wollte (und hat) verhindern, dass die Batterie am nächsten Tag nicht mehr geht.

Die Straße ist vollkommen vereist, zwischen 4 und 5 cm Eisschicht. Wir überlegten eine zeitlang, warten wir auf die LKWs oder versuchen wir es selber, denn bei den Fahrern rührte sich noch nichts. Da Thomas nicht so schnell auf dem Eis fahren wollte und wir aus Erfahrung davon ausgingen, dass die LKWs hier sicher auch wieder schneller fahren als wir möchten und auch noch kein Verkehr auf der Straße war, entschlossen wir uns, in Schrittgeschwindigkeit, voraus zu fahren. Denn sollten wir uns irgendwo festfahren, kommen sie ja irgendwann an uns vorbei und würden uns sicher helfen, wieder raus zu kommen. Unser RIESENGROSSES Glück war, dass man diese 20 km Baustelle wegen der Situation und der vielen umgefallenen LKWs aufgehoben hat und die Straße wieder für den Verkehr freigegeben hat. Man musste nur noch 2 oder 3 Mal für ein paar Hundert Meter durch tiefen Schnee, was aber gut machbar war, weil noch alles gefroren war. Wie Bilder unten zeigen, fuhren wir an etlichen umgekippten LKWs, u.a. auch einem Tanklaster und zahlreichen festgefahrenen PKWs vorbei. Die Bilder sind nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was wir sahen. Nach ca. 100 km war die Straße nicht mehr vereist, die Temperaturen inzwischen auch wieder bei 0 Grad. Schlagartig war alles wieder normal, warm, als wäre nie etwas gewesen.

Wir durch fuhren einen sandigen Teil der Wüste Gobi und näherten uns mit großen Schritten Ulaan Baatar, auf fester Straße, aber naja, holperholper und Schlagloch. Was uns aber egal war, Hauptsache nicht mehr ab von der Straße über Piste. Unser Ziel heute war die Chinggis Khan Statue, die 50 km hinter Ulaan Baatar steht, dafür mussten wir Ulaan Baatar einmal durchqueren, was 2,5 Stunden dauerte. Ulaan Baatar ist eine moderne Stadt, allerdings nicht mit guter Infrastruktur, auch hier überall Schlaglöcher und jeder fährt wie er will, wir nennen es mal die Stadt ohne Regeln. Besonders schön, interessant oder einladend haben wir sie nicht gefunden.

Auch hier mussten hier die Straße wegen einer Baustelle für 20 km verlassen und auf Schotterpiste fahren und hier passierte es, Thomas wurde von einem Wahnsinnigen, der uns mit Gewalt überholte, auf einer Schotterpiste, so breit ist wie 2 Autos. Er musste hektisch lenken und nach rechts ausweichen. Dabei bekam Rudi vorne rechts einen Plattfuß. Er hat zwar verhindert, dass wir eine Beule im Auto haben, aber dafür haben wir jetzt einen Platten. Wir retteten uns auf die nächste Tankstelle. Da Thomas sich nicht Bücken und Heben kann, machte ich mich dran, den Reifen zu wechseln, bis mir jemand auf die Schulter tippte. Der Tankwart, er übernahm den Reifenwechsel für uns und 10 min später war alles gut. Wir steckten ihm 10$ und eine Tafel Schokolade zu als Dank. 5 km später wurde dann der mitgeführte Ersatzreifen auf die Felge aufgezogen, sodas wir jetzt wieder einen einsatzbereites Ersatzrad haben. Der kaputte Reifen ließ sich nicht reparieren, da das Loch mit mit mehr als 3 cm zu groß war. Auch das dauerte nur 10 min und der Mechaniker bekam 10$. Wir haben gar nicht über Preis verhandelt, sondern ihm einfach 10$ in die Hand gedrückt und er war damit zufrieden und für uns war es das in dieser Situation wert.

Gegen 19 Uhr standen wir dann endlich unter unserem Ziel, Chinggis Khan, unter dem übrigens Kamele weideten.

In Edelstahl und 25 m hoch sitzt der Feldherr auf seinem Pferd und schaut mit fast grimmiger Miene nach Osten. Wir parkten ganz frech unten drunter am Zaun und genossen den Rest des Abends und waren wirklich glücklich, dass wir das hier erreicht haben. Wir sind einmal quer durch die Mongolei gefahren, obwohl wir zu Anfang gar nicht so tief rein wollten, weil wir dachten, das bekommen wir mit Rudis Frontantrieb nie hin. Die Mongolei ist wirklich ein klassisches 4x4 Land. Jetzt liegen noch 400 km auf, laut Karte roter Straße (Asphalt) vor uns, wir gehen zwar davon aus, dass der Zustand grottenschlecht ist, aber denken, dass wir zumindest nicht mehr über den Acker fahren müssen. Wir wollen morgen so weit wie möglich Richtung Grenze kommen. Mal sehen, wie weit wir kommen morgen.

47°48'22.0"N 107°32'20.6"E

47.806110, 107.539050

nach Tagen Schneesturm tauchte die Sonne wieder auf. Und das ist das Ergebnis, Bagger vom LKW runter gefallen, umgekippter Tankwagen, und zig eingeschneite, festgefahrene PKWs und Kleinlaster. Durch unser umsichtiges Verhalten ist uns sowas Gott sei Dank erspart geblieben. Wobei auch für uns die Situation wirklich nicht ohne war. 

die nächsten 70 km gingen über diese Eispiste, 3 cm dick, im Schneckentempo. 

Impressionen aus der Eiswüste

Bild 1: das nächste eingeschneite Dorf, hier mussten wir auch teilweise immer mal wieder von der Straße runter und über die Piste durch den Schnee.

Bild 2: Rudi als die Sonne wieder auftauchte

4 Stunden später und ca. 150 km, dann das Bild, die Wüste Gobi von ihrer sandigen Seite, wieder 15°C

Hier sieht man einen Hinweis, dass wir wirklich in der Wüste Gobi sind. Dieses Wetter mit Eis und Schnee bringt man im Kopf kaum mit Wüste zusammen

Tiertransport, sieht man ständig hier, so oft wie bei uns Taxis.

hier enden die unzähligen Ziegen, Schafe, Kühe. hier werden gerade Felle sortiert. 

hier haben wir mal einen Test gemacht. Wir haben eine Panne simuliert und wollten mal schauen, ob einer anhält und hilft. Fazit nach einer halben Stunde: nicht ein einziger hat angehalten. Thomas hatte dich extra unter das Auto gelegt, damit man sieht, hier stimmt was nicht.

xxx

unser östlichster Punkt ist erreicht!! Wir stehen jetzt direkt unter dem Monument des Chinggis Khan, 50 km östlich von Ulaan Baatar. Und direkt unter seinem Kopf haben wir auch übernachtet. Er hat ganz toll auf uns aufgepasst und wir hatten eine wirklich ruhige Nacht. 

Seht Ihr den bösen Blick?

wir sind glücklich es tatsächlich bis hierher geschafft zu haben!!! 


13.05.2019  137.729 km Tag 293

Ziel heute

Grenze Altanbulag Border Port                    

Da wir ja gestern 2,5 Stunden gebraucht haben, um durch Ulaan Baatar durch zu fahren (1,5 Mio. Einwohner und total chaotischer Straßenverkehr), haben wir uns dazu durchgerungen, heute morgen ganz ganz früh (6.30h) loszufahren und uns erstmal durch Ulaan Baatar zurück zu arbeiten. Hell wird es hier schon um 5.30h. Es war eine tolle, ruhige, entspannte Nacht unter dem Chinggis Khan Monument, das nach Osten gerichtet ist. Ja, das ist dann auch unser östlichster Punkt, den wir in unserem Leben erreicht haben. Ok, zurück... die Durchquerung der Stadt dauerte dieses Mal auch „nur“ eine Stunde. Unser heutiges Tagesziel hieß einfach nur so nah wie möglich zurück zur Grenze nach Russland (XXX). Hier in der Mongolei weiss man nicht, was als nächstes passiert, wie die Straße nach 5 km aussehen wird, ob sie überhaupt noch existiert, ob es noch die Brücke über den nächsten Fluss gibt (heute hatten wir wieder eine zusammen gebrochene Brücke) und es bleibt immer dieses Risiko bei diesen Straßenverhältnissen, ob Rudi das überhaupt durchsteht. Es waren 400 km bis zur Grenze und die Straße war wieder grottenschlecht, sodass man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40-50 kmh hatte. Lediglich die letzten 90 km bis zur Grenze waren 1A. Wir nannten es „Vorspielung falscher Tatsachen“, denn wer jetzt von der Grenze kommt und diese Straße fährt, bekommt einen ganz falschen Eindruck. Obwohl wir gemütlich versuchten, jedem Schlagloch auszuweichen, standen wir um 15 Uhr an der Grenze und waren selber überrascht, denn das hatten wir nicht erwartet, dass wir das heute erreichen. Und da kein einziges Auto vor uns war und der Grenzbeamte am Zaun uns in ein Büro rüber leitete, haben wir ganz unverhofft und ohne weitere Vorbereitung den Grenzübergang vorgenommen. In diesem Büro wurde irgendwie unser Auto notiert, was aber 10 min dauerte (in einem Buch eine Zeile auszufüllen) und als wir wieder raus kamen, wurden wir sofort weiter gewunken. Da es sprachlich wirklich wieder ein Problem war, merkten wir nicht, dass ihnen ein Fehler unterlaufen ist. Denn wir haben keinen Laufzettel bekommen. Jetzt kam der Zoll als erstes. Und hier wurde festgestellt, dass unser Laufzettel fehlt, was man uns aber nicht mitteilte aus Sprachproblemen. Auch war es wohl ein Problem, dass wir über eine andere Grenze eingereist sind, als wir jetzt ausreisen. Scheinbar hat man mit uns Europäern hier wirklich noch Probleme, es scheint die Routine zu fehlen und wirklich nur sehr wenige im Jahr über diese Grenze zu kommen. Jedenfalls wurden immer noch weitere Leute von der Beamtin geholt, die ihr helfen mussten, uns Europäer in ihren Computer zu bringen. Nachdem dieses dann geschafft wurde und der Laufzettel von einem anderen gebracht wurde, gings weiter Richtung Passkontrolle. Dauer der Aktion ca. 20 min, dann noch die Passkontrolle, das Auto wurde ganz kurz mit 3 Blicken inspiziert und wir durften fahren. Dauer des ganzen mongolische Grenzübertritts 50 min. In Internet findet man Berichte, die beschreiben, dass dieser Übergang 5 Stunden und länger dauert. Hier im Anschluss noch unser Resumee, was wir über die Mongolei gezogen haben. Der russische Grenzübertritt und der Rest des Tages dann im Blog „Russland 2“.

50°19'18.0"N 106°29'24.8"E

50.321666, 106.490227

auf dem Weg von Ulaan Baatar nach Russland: so sehen 80% der 400 km aus plus Bodenwellen, die man hier jetzt nicht sieht. Achja und auch wieder eine eingestürzte Brücke, wo man wieder über den Acker fahren muss

Bild 1: ein Salzsee mit einer Windhose

Bild 2: endlich mal ein Stück Straße, was sich gut befahren lässt.

Bild 3: einer von 1000 überladenen Lastern, wo man Angst hat, dass etwas runterfällt und durch die Windschutzscheibe knallt bzw. beim Überholen was runterfällt. 


Resumee

Das ist ein tief in uns sitzendes Gefühl. Ein Gefühl, dass auch viele andere Menschen in sich haben. Einmal die Mongolei zu besuchen. Wir haben auch lange überlegt, warum das so ist, warum will man unbedingt mal in die Mongolei. Das ist schon seit Kindheit in uns drin. Diesen Wunsch haben wir uns mit dieser Reise jetzt erfüllt. Die Entfernung von Deutschland zur Mongolei auf direkten Weg sind ca. 8000 km. Also mit dem Auto durchaus erreichbar.

Was haben wir erwartet?

Viele freilaufende Tiere, wie Kamele, Yaks usw., ein Land, das kaum besiedelt ist, wo hier und da mal eine Jurte steht, auch haben wir schlechte Straßen erwartet, viele schöne Abende in der freien Natur, draußen vor dem Auto und herzliche, aufgeschlossene Menschen.

 

Was haben wir erlebt bzw., vorab wir bereuen die Reise in die Mongolei und das Land erkundet zu haben nicht, sind also auch richtig glücklich hier gewesen zu sein, würden es aber nicht wieder besuchen wollen. Dafür haben wir schon zu viele andere Länder besucht, die uns mehr ansprechen. Auch wenn die folgenden Worte etwas kritischer sein werden, wir sind froh hier gewesen zu sein, um uns eine objektive Meinung bilden zu können.

Was die Tiere betrifft, hat sich alles bestätigt, was wir erwartet haben, Tausende von Tieren, Kamele, Pferde, Rinder, Yaks, Ziegen, Schafe laufen frei in der Steppe. Auch wenn wir sie nicht berühren konnten, und immer höchstens bis auf 2-3 m heran kamen, da sie sehr scheu sind.

Das Land ist wirklich kaum besiedelt, wir sind stundenlang durch einsame Steppe gefahren ohne einen Menschen zu sehen. Konnten überall links und rechts von der Straße runterfahren, man kann überall in der Steppe fahren, und stehen, man erlebt keinerlei Restriktionen,

Was die Straßen betrifft...ja...wenn man von der Grenze Richtung Ölgi kommt, Richtung Altai, ist man gerade dabei, eine nagelneue Straße fertig zu stellen. Wir hatten leider das Pech, dass 150 km der fertig gestellten Straße noch nicht befahren werden durften und wir uns praktisch an der Straße entlang auf einer Piste, immer mit Blick auf die schöne neue Straße bis Khovd quälen mussten. Von Khovd bis Altai war die Straße wieder nagelneu und befahrbar. Und jetzt gibt es noch 300 km (wenn man über Buutsaghan fährt nur 150 km), in denen man einfach über die Steppe fahren muss, was auch mit einem normlen Frontantrieb möglich ist, man braucht keinen 4x4, aber die Geschwindigkeit liegt dann so bei 20-30 kmh. Ab Delger unbedingt Richtung Buutsagaan /Bömbögör/ist Piste bis Fluss Baydrag Gol ab dort neue Brücke

46.175480, 99.260710   Neue Brücke/beginn Neue Straße

 ist die Straße dann wieder top bis nach Bajanchongor. Von Bajanchongor bis Ulaan Baatar ist die Straße alt, es gibt immer wieder Schlaglöcher. Letztendlich fährt man diese Straße mit durchschnittlich 50 kmh. Man sollte sich bewusst sein, die Fahrt durch die Steppe ist nicht so easy. Es ist alles machbar, aber es ist sehr sehr anstrengend.

Die Fahrt von Ulaan Batar bis zur Grenze (400km) geht über eine uralte geteerte Schlaglochsstraße. Lediglich die letzte 90km sind easy going.

Was die gemütlichen Abende betrifft, war es zu unserer Zeit tagsüber 20°C, aber sobald die Sonne weg war, kühlte es auch ganz gut runter, sodass wir uns abends im Auto aufhielten. Wir haben in keinem der zahlreichen Reiseberichte gelesen, was hier für ein extremer Wind herrscht, der einem den Sand in die Augen treibt und sie sofort tränen läßt.

Ein Beispiel zu dem Wind. Als wir über die Pisten fuhren, wirbelten wir extrem viel Staub auf, eine zeitlang stand der Wind so, dass wir nichts sehen konnten, weil der Staub nach vorne geweht wurde.

Die Sache mit dem Lagerfeuer: in der ganzen Mongolei findet sich kaum ein Baum, also auch kein Holz und selbst wenn ,wäre das bei dem Wind auch kein Spaß. Aufgrund der Erfahrung zu Beginn unserer Zeit in der Mongolei und der Sache mit dem Pestausbruch, sind wir dann auch völlig davon abgekommen, getrockneten Kameldung zu sammeln und damit ein Feuer zu machen, was die Alternative zu Holz gewesen wäre.

Was die Freundlichkeit der Mongolen betrifft: ja, ca. die Hälfte winkt, aber wir haben auch gesehen, dass viele am Straßenrand eine Panne hatten und auf sich alleine gestellt waren, man hilft sich hier nicht so, wie wir das aus anderen Ländern kennen. Auch hatten wir ein Erlebnis, dass wir jemandem halfen, über einen Fluss zu kommen und als er seinerseits uns hätte helfen können. Stattdessen und ohne sich zu bedanken, in die andere Richtung blicken, fuhr er einfach weiter einfach. Erlebnisse dieser Art hatten wir mehrere. Wobei nicht alle so sind, es gab auch den einen oder anderen Netten, der uns das Gefühl gab, ich helfe Euch, wenn Ihr mich braucht. Aber die Mehrheit winkt ab und guckt weg.

Das, was wir in der Türkei und im Iran ganz stark gespürt haben, Gastfreundschaft und Hilfe ohne Gegenleisung, ist hier so gut wie nicht vorhanden, oder uns nicht begegnet. Im Gegneteil, man hält sehr stark die Hand auf für die geringste Kleinigkeit und es wirkt sehr Ich-bezogen.

Fairerweise müssen wir dazu sagen, den Besuch einer Jurte und den Menschen dort haben wir gestrichen für uns aufgrund der Situation mit der Pest, da wir kein unverpacktes Essen und Getränke konsumieren wollten. Dort wird man freundlich empfangen, bekommt Milchtee mit Salz, vergorene Yakmilch und wird als Gast behandelt, was man ja auch nicht ablehnen sollte aus Höflichkeit. Aber das was wir sehen konnten, wie man mit der Situaiton und Hygiene umgeht hat uns so gut gefallen. Wir wollten also auch die Menschen nicht brüskieren, weil wir diese Zeremonie nicht mitmachen. Deshalb umgingen wir die ganze Situation einfach komplett.

Das klingt vielleicht blöd, aber wir standen nach der Grenze in einer Straße mit vielen Shops und konnten sehen, wie dort von Menschen in Schutzanzügen und Mundschutz Lebensmittelläden ausgerräumt wurden und die Läden desinfiziert wurden. Das haben wir selbst jetzt noch im Kopf.

Beim einkaufen von Getränken wurde ich zwiemal hintenrum in den Laden durch eine Küche geführt. Die hygienischen Zustände, die ich dort sah, waren katastrophal.

Das Land ist sehr sehr einfach. In den meisten Städten, wir reden jetzt nicht von Ulaan Baatar, gibt es kein fließendes Wasser, sondern ein Badehaus und ein Wasserhaus, wo jeder sein Wasser holt.

Beim auffüllen des Wassertanks an einem Wasserhaus sagte uns ein Einheimischer, dass es normal ist, hier sein Wasser zu holen, da es weitestgehend keine Wasserleitungen zu den Häusern gibt.

Relativ, sagen wir mal, primitiv. Z.b. wollte ich 2-3 mal in einer Stadt nicht einkaufen gehen, da alles wirklich schmuddelig und unhygnienisch wirkte. Und wer unsere Reiseberichte gelesen hat, weiß, dass wir eigentlich nicht zimperlich sind.

Auch sind die Mongolen sehr gleichgültig und extrem langsam. Dann aber auch wieder extrem egoistisch, was wir im Straßenverkehr und auch beim Einkaufen wahrnehmen konnten. So wie wir es hier jetzt erlebt haben, haben wir es noch nie irgendwo anders erlebt. Wir sind offen und suchen den Kontakt, aber meistens war das Ergebnis sehr unangenehm.

Natürlich ist hier eine Kommunikation so gut wie gar nicht möglich, vom Eindruck ist auch die Schulbildung nicht so hoch. Aber während ein Russe es meist versucht hat, uns zu verstehen oder mit dem Translater umzugehen, war das hier nicht möglich, weil es direkt geblockt wurde. Es schien gar kein Interesse vorhanden.

Alles in alllem ist das hier im Moment ein Abenteuer, es ist mit das anstrengendste Land, was wir bis jetzt besucht haben. Touristisch erschlossen: so gut wie gar nicht. Es gibt die Möglichkeit z.b mit dem Flugzeug nach Ulaan Baatar zu fliegen und dann einen Advanturetrip in die Wüste Gobi zu machen. Wir haben keinen weiteren Touristen oder Individualreisenden wie uns getroffen.

Nicht jedes Land muss einem gefallen. Von den vielen, die wir besucht haben bisher, ist das eins was wir nicht unbedingt nochmal brauchen. Obwohl wir das Individuelle und Einsame suchen, aber hier ist es einfach zu unwirtlich.  

Wir sind froh, jetzt die Mongolei zu verlassen und wieder in Russland zu sein, auch wenn es das Russland ganz tief im Osten ist. Denn jetzt wird wieder alles kalkulierbarer für uns. Die Straßen werden besser und zuverlässiger, die Kommunikation wird für uns wieder einfacher, Russen sind aufgeschlossener, die Lebensmittel entsprechen wieder mhr unserem Standard, auch hält man sich in Russland wieder an Regeln, was in der Mongolei oft nicht der Fall war, z.b. beim Autofahren. Wir hätten NIE gedacht, dass wir das mal sagen. Die Mongolei war wirklich schön und interessant und wir haben richtig viel gelernt. Eigentlich suchen wir immer das Ursprüngliche und Freie, aber ich sags jetzt mal so: das war zu ursprünglich und zu frei.