Bericht Kanada Teil 2/ Alaska


09.8.2018, Tag 49, 69.895km - Ein sehr ereignisreicher Tag

 Da es bewölkt/ regnerisch war, machten wir uns von Whitehorse auf nach Dawson City über der Klondike Highway (Highway No.2). Was landschaftlich anfangs noch wirklich wie bisher atemberaubernd – trotz Wolken und leichtem Nieselregen – auf uns wirkte, entwickelte sich später zu einer Tortur, Slalom fahren, um heftige Schlaglöcher, sodass die Landschaft total in den Hintergrund trat und wir mussten hochkonzentriert und relativ langsam fahren. Zwischendurch waren wieder normale Straßenabschnitte, was wieder zum schneller Fahren verleitete und dann jetzt auf gleich wieder Strecken mit Schlaglöchern. Der Fahrbahnbelag wechselte minütlich zwischen Asphalt und Schotter. Ihr ahnt schon, was jetzt kommt....erstmal begann es stärker zu regnen und man konnte die Schlaglöcher nicht mehr sehen, weil eine Wasserschicht auf der Fahrbahn war. Und was kam???

Es erwischte uns. Rechter Vorderreifen platt. Und was könnte noch schlimmer sein???

Keinerlei Telefon, Internet, wieder mal in einem toten Punkt.

Und was könnte noch viel schlimmer sein???

Von Watson Lake bis Dawson City sind es genau 550km und es traf uns genau in der Mitte. Also in der Mitte von Nichts, denn davor und danach ist Nichts.

Wir retteten uns noch 5km auf einen Rastplatz, Gott sei Dank hatten wir einen Drucksensor auf den Reifen, sodass wir gewarnt wurden, dass die Luft raus geht und konnten uns so noch auf einen Rastplatz retten. Es goss in Strömen, es war kalt, 8°C. Unser Versuch, die Schrauben von den Reifen zu lösen schlug diesmal fehl, sie waren zu fest für unser Werkzeug (jeder, der Thomas kennt, weiß, dass er körperlich gehandicapt ist). Also stellte ich mich auf die Straße und hielt das erstbeste vorbei fahrende Auto an, was ein paar Minuten dauerte. Und es hielt ein nette kanadisches Pärchen. Sie boten sich an und versuchten die Schrauben zu lösen, was auch dauerte, denn eine der Schrauben war wirklich resistent und hatte etwas gegen uns. Nach ca. 20Min war unser Ersatzrad drauf.

Wir drückten den 2 Schutzengeln einen heißen Tee in die Hand und schenkten Ihnen unsere letzte Flasche Wein (auch sie waren durchgefroren und komplett durchnässt).

Wir bedankten uns noch vielmals und dann ging es weiter.

Das erste Auto, dass ich sah, hat angehalten und sofort geholfen. Was würde in Deutschland in so einer Situation passieren?

 Auch die weiteren 250km war die Straße ein reiner Horror. Wenigstens hörte es auf zu regnen.

Uns verfolgte jetzt ständig die Angst, dass noch ein weiterer Reifen kaputt geht und wir kein Ersatzrad mehr haben.

Gegen Abend kamen wir nach Dawson City und da es für die Reifenwerkstatt leider schon zu spät war, werden wir morgen früh um 8h unser Glück versuchen, um ein neues Ersatzrad zu bekommen.

Wir haben auf der Suche nach einem Waschsalon die Stadt (Entschuldigung, das Dorf, die 30 Häuser) angeschaut, die auf Retro total toll gemacht ist, wie eine Westernstadt aus dem Film, mit Saloon und Schwingtür und vielen anderen Details. Und jetzt wieder ein Hammer, der erste, den ich fragte, ein alter Mann mit Kaffeetasse vor dem Saloon, wo es hier einen Waschsalon gibt, sagte, kommen Sie mit, setzte sich in sein Auto und leitete uns wieder aus der Stadt raus, durch ein Industriegebiet durch, an 2 Campgrounds vorbei und direkt zu einem Waschsalon. Als ich ihm als Dank eine Kleinigkeit geben wollte, lehnte er ab und wünschte uns eine gute Reise, setzte sich in sein Auto und fuhr wieder zurück. Auch hier wieder, der erste, den ich fragte, half.

 

Gegen 21h war das Waschen und Trocknen erledigt und wir suchten uns eine Übernachtungsmöglichkeit, da wir uns nach wie vor gegen Campingplätze sträuben. Dabei fuhren wir nochmal an der Werkstatt vorbei, zu der wir morgen früh um 8h wollen. Wir sahen jemanden sein Auto putzen und fragten, ob er hier dazu gehöre. Das bejahte er mit einem warmen Lächeln. Und auf die Frage, ob wir vor der Werkstatt übernachten können und ihm den Hintergrund erklärten, sagte er selbstverständlich und fragte, ob wir Strom brauchen (!), er schnappte sich sogar den Reifen, gab Luft drauf, fand das Loch und sagte, das sieht nach Nagel aus, markierte die Stelle für morgen. Er nahm den Reifen gleich mit, sagte, mal schauen, das bekommen wir schon wieder hin. Dies alles mit einer Freundlichkeit, Gelassenheit und Wärme.

Wir selber sind dieses Mal entspannter als beim ersten Mal. Inzwischen glauben wir auch daran, dass ein geflickter Reifen halten kann. Wir haben uns dann ausgerechnet, dass wir noch genau 1.540 km mit dieser Art von Straßen kämpfen werden müssen, bis wir wieder auf normale Straßenverhältnisse stoßen werden. Sollte ein weiterer Reifen kaputt gehen, muss der Reservereifen kurz herhalten und dann werden wir unseren freundlichen Herren vom ADAC; Herrn Saße bitten, uns einen weiteren zu schicken. Sollten sie das lesen, Herr Saße, sind Sie vorgewarnt, wobei dieses Mal der Flughafen voraussichtlich Whitehorse, Fairbanks oder Dawson City wäre. Aber hoffen wir mal, wir benötigen das nicht ;-)

 

Wir freuen uns sehr darauf, morgen Dawson City nochmal genauer anzuschauen, wir können es nicht beschreiben, aber diese Gegend mit der Goldgräber Vergangenheit strahlt etwas aus, man hat sofort diese alten Western vor sich, man kann das fast noch fühlen. Fast erwartet man, dass ein Cowboy um die Ecke kommt und den Colt zieht. Man kann aber schon jetzt sagen, jeder, der mal in diese Gegend kommt, sollte sich das unbedingt anschauen. 

10.8.2018, Tag 50

 Gleich morgens um 8h sprachen wir mit der Werkstatt. Unser Reifen konnte repariert werden, um 11h konnten wir ihn abholen. Gleichzeitig haben sie es geschafft, vergleichbare Reifen zu finden und wir bestellten 2 davon, die per Expresslieferung am nächsten Donnerstag in Dawson City eintreffen (also in einer Woche). Das ist  genau die Zeit, die wir brauchen werden, von hier nach Tuktoyaktuk und zurück zu fahren. Auch wenn wir diese nicht leichte Strecke mit einem reparierten Ersatzreifen starten werden.

Nachdem wir in der Werkstatt alles erledigt hatten, fuhren wir durch Dawson City, um Fotos zu machen. Leider wurde das Wetter etwas schlechter. Aber die Häuser beeindrucken uns wirklich sehr und sie zu fotografieren macht Spaß. Nochmal volltanken (heißt hier Höchstpreis von 1,60/l und dann geht es um 15 h auf den Weg Richtung Tuktoyaktuk, über den Dempster Highway. bis man zu Beginn erstmal alle Warnschilder gelesen hat, vergeht etwas Zeit und ein leicht kribbeliges Gefühl im Magen stellt sich ein.

kein medizinischer Service auf gesamte Strecke von 750km, fahren Sie vorsichtig und rücksichtsvoll,

seien Sie vorsichtig, Caribou- Jäger auf der Strecke,

Achtung Caribou Jäger, schießen sie bevorzugt männliche Tiere und nur so viel wie sie für den Eigenbedarf benötigen

Achtung schlechte, rutschige Fahrbahn

Wir schauten uns an und sagten, das machen wir, das schaffen wir.

Nach ca. 5-6 km stand schon rechts das erste Auto und hatte einen Plattfuß. Da unser Auto ja 4t hat und wir eigentlich nicht genug Profil, sondern nur normale Straßen reifen haben, grübelten wir noch einige Zeit, macht das Sinn oder nicht?

Die ersten 75km waren der absolute Horror. So schlimm, wie wir es in unserem Leben noch nicht erlebt haben. Der normale Menschenverstand sagte, wir müssen hier umdrehen, das Bauchgefühl sagte das gleiche. Wellblechpiste wechselt sich ab mit Schlaglöchern, sodass man über beide Fahrbahnen Slalom fuhr, und es trotzdem bollerte. Das Problem, was sich aber auftat: eine Landschaft, die so was von atemberaubend, einmalig, weit, unberührt, einsam war, das wir nicht widerstehen konnten, immer noch ein paar km weiter zu fahren, sodass aus 75km irgendwann 100km wurden. Jetzt verbesserte sich der Zustand der Straße leicht. Wir haben versucht uns vorher über die Straßenzustände zu informieren, aber die einhellige Meinung war, dass es extrem wetterabhängig ist, der Zustand sich jeden Tag komplett verändert kann.

Es fahren nicht viele Autos hier, in der Regel meist Wohnmobile, aber auch Pickups, manche sehr schnell, einer davon, der uns entgegen kam, mit wirklich hoher Geschwindigkeit wirbelte dabei einen Stein hoch, der unsere Windschutzscheibe im unteren Teil traf und sich ringförmige Risse bildeten. Wir hoffen, dass sie sich nicht noch weiter ausbilden. Erst wollte ich nicht mehr weiter und Thomas schon und dann wollte Thomas umdrehen und ich nicht mehr.

Etwas später kamen wir an einem See vorbei, in dem eine Elchkuh mit ihrem Jungen stand, wir konnten sogar aus dem Auto aussteigen, um Fotos zu machen, sie hoben nur kurz den Kopf und ließen uns gewähren. Wir standen mindestens eine Viertelstunde dort, machten sehr viele Fotos. Hörten das Junge, wie es mit seiner Mutter kommunizierte.

Inzwischen waren wir schon 250km weit gekommen auf der Straße und wir tasteten uns einfach langsam weiter rein. Es wurde immer beeindruckender, die Rocky Mountains sind vergessen dagegen. Jetzt hatten wir von den 750km ein Drittel. In der Mitte der Strecke soll sich eine Tankstelle, Campingplatz und Motel befinden. Wir wollten es noch schaffen, dort heute anzukommen und fuhren bis Mitternacht. Jetzt sind wir schon so weit oben, dass es, obwohl schon August nicht mehr richtig dunkel wird.

Da die Straße eine zeit lang sehr schlammig war, d.h. die Schlaglöcher waren nicht mehr das Problem, aber jetzt schlitterte man sehr leicht, wie auf Seife. Wir haben es wirklich bis Eagle Plains geschafft. Thomas sitzt im Auto und flucht vor sich hin, das wäre das verrückteste, was er je gemacht hat und er hat schon einige verrückte Sachen gemacht. Obwohl wir echt müde waren, war es schwierig, sich so einfach ins Bett zu legen, da die Fahrt sehr unter Anspannung verlief. 

11.8.2018, Tag 51

 

Wir haben sehr lange geschlafen und starteten um 13h, nachdem wir nochmal vollgetankt haben...aus dem Faß...

die Straße war jetzt in einem leicht besseren Zustand, wir kamen gut voran und um  Tuktoyaktuk zu erreichen muss man zwei Flüsse mit Fähren überqueren. Als wir nachmittags an der Fähre ankamen, stellten wir fest, dass hier ganz viele Autos stehen... die Fähre fährt gerade nicht, der Fluß hat Hochwasser. Wir stehen hier jetzt in einer Reihe von Wartenden, haben noch ein schweizer Pärchen kennen gelernt, die schon seit 2 Jahren unterwegs sind. Wir hoffen, dass es morgen so weit ist, dass wir übersetzen können und die letzten 200km bis Inuvik fahren können. Von dort ist die Straße nach Tuk besser, weil neuer.

Unser heutiges Tierhighlight waren Lemminge. Sitzend am Straßenrand, über die Straße rennend, oder 2 auf der Straße, die ihren überfahrenen Kollegen fraßen.

5km ging es auf unserer Strecke durch absolut dichten Nebel. Das wäre mal ein neuer, spannender Ort für eine neue Reifenpanne gewesen. Aber ging alles gut bisher.

Wir haben heute auch den Polarkreis überquert. Wir sammeln Polarkreise, also Orte, an denen man den Polarkreis überqueren kann, letztes Jahr haben wir das in Norwegen, Schweden und in Finnland geschafft. Eigentlich ist es ja nur ein Punkt auf der Landkarte, aber es fühlt sich trotzdem besonders und spannend an. Das war die 5. Überquerung.

Wie man auf den Bildern sieht, sammeln sich ja viele Reisende an der Fähre, da sie wegen Hochwasser nicht fahren konnte. Man tauschte sich aus, alle waren total relaxt, obwohl manche sogar im Auto übernachten mussten und sich in die Büsche schlagen mussten, um auf die Toilette zu gehen. Keiner beschwerte sich, oder jammerte rum, im Gegenteil, es gab wirklich sehr interessante Gespräche, fast die gesamte Zeit über. Zum jetzigen Zeitpunkt wusste niemand, wann die Fähre wieder fährt, der Steg war komplett unter Wasser, Bäume treiben im Fluss. niemand wusste, wie lange die Wartezeit sein wird, man munkelte sogar 2-3 Tage.

Hier erfuhren wir auch, dass wir gerade etwas ganz Besonderes und Schwieriges machen. Der Dempster Highway ist bei Weltreisenden in aller Munde als eine der schwierigsten Pisten, die man befahren haben will. Die von uns bis jetzt gemachte Erfahrung bestätigt das. Thomas schimpft immer noch vor sich hin, dass er sich darauf eingelassen hat, weil 900km Oneway, 1800km hin und zurück, Schotterpiste der übelsten Art, Schlaglöcher bis zum Erbrechen, unterbrochen von Schlamm, jedesmal beteten wir, dass wir nicht stecken bleiben, oder von der Straße rutschen.

Die Straße kann nicht geteert werden, da sich darunter Permafrostboden befindet, der Asphalt würde kaputt gehen und noch schlimmere Straßenverhältnisse verursachen. Aber egal, die Hälfte der Hinfahrt haben wir ja schon hinter uns. Ach ja, wir haben kein 4x4, sondern nur Frontantrieb und eigentlich nur normale Straßenreifen. Deshalb ist es so „spannend“.

Relativ glücklich, dass wir es bis hierher geschafft hatten, gingen wir schlafen.

 

66°22'14.5"N 136°43'14.7"W

12.8.2018, Tag 52

 

Es hat geregnet zu allem Überfluß heute Nacht. Als ich mit Jerry morgens raus gehe, bleiben wir im Schlamm stecken und Füße und Pfoten kleben am Boden fest. Unser Auto innen sieht ganz schlimm aus.

 

Sonst ist die Lage relativ unverändert, der Wasserstand geht langsam zurück, man kann den Steg erkennen. Es sammelten sich über 40 Wohnmobile und Autos hinter uns. Man darf nicht vergessen, wir sind hier in einer absolut einsamen Gegend. Es gibt keine Internetverbindung, oder Telefon, man gewöhnt sich sehr schnell daran erstaunlicherweise. Eine der wirklich bereichernden Bekanntschaften haben wir mit einem schweizer Missionar gemacht, der seit 11 Jahren in dem Ort Fort McPherson, auf der anderen Seite des Flusses lebt und mit den First Nation People arbeitet. Er hat uns wirklich sehr gute Einblicke in die Hintergründe und Zusammenhänge gegeben, und sehr viele unserer Fragen, die sich schon seit Wochen vermehren, beantwortet. Auf unserem Rückweg über den Dempster Highway, werden wir ihn besuchen, wir sind sehr neugierig auf seine Arbeit und auf die Leute und freuen uns jetzt schon darauf. Hier ist es so einfach mit Leuten in Kontakt zu kommen.

 

Plötzlich kam Bewegung in die Sache, man hörte Beifall von der anderen Uferseite, LKWweise wurde Geröll und Erde aufgeschüttet, erst drüben, dann kam die Fähre mit dem Bagger drauf rüber zu uns und dort machte er weiter mit dem Aufschütten. Irgendwann war es so weit und die ersten Autos konnten von drüben rüber. Auf unserer Seite klatschten und winkten allen den Neuankömmlingen zu, es war eine richtige Partystimmung. Wir standen zwar ganz vorne, aber da wir ja Frontantrieb haben und nicht Allrad, wie alle anderen Autos hier und unsere Bereifung ja auch nicht den Anforderung entsprach, beschlossen wir erstmal, andere an uns vorbei zu lassen und zu beobachten, wie sie sich auf die Fähre mühten. Denn die Erde war zwar aufgeschüttet, aber nicht verfestigt. Und zudem auch noch nass. Bis auf einen, der stecken blieb, kamen alle anderen drauf, taten sich aber sehr schwer. Und wir beschlossen, nochmal 2-3 Fahrten zu warten. Mit der 4. haben wir es gewagt, das Auto hochgefahren (auf Luftfedern den Bodenabstand erhöht) und mit viel Gas beim 2. Anlauf geschafft. Die Erde war richtig glitschig, tiefe Spurrillen, schwammig. Das Seil, um ggf. auf die Fähre gezogen zu werden hatten wir schon bereit gelegt. Drüben angekommen war die Straße erstaunlich gut befahrbar, zwar auch glitschig, aber wir kamen gut voran, schafften sogar noch die 2. Fähre über den wesentlich breiteren McKenzie River. Die beiden Schweizer warteten an der Fähre auf uns und wir fuhren gemeinsam entspannte 100km und suchten uns dann einen Schlafplatz an einem kleinen See, es war inzwischen schon Mitternacht. Eigentlich wollten wir ins Bett, aber vor lauter Aufregung hatten wir vergessen zu essen alle 4. Und die beiden Schweizer machten ein Lagerfeuer und luden uns zu gegrillten Würstchen ein. Wir saßen noch bis 2h am Feuer, es wird nicht dunkel hier oben, es dämmert nur und wird dann irgendwann wieder hell.

Wir waren relativ glücklich, weil wir bisher heil hierher gekommen sind, jetzt sind es nur noch 250km bis Tuktoyaktuk. Wie Ihr an den Uhrzeiten seht, hat sich auch da was verändert, wir leben nicht mehr nach der Uhrzeit, wir passen unseren Schlaf eher an die Situationen an, die sich ergeben, was auch wirklich gut funktioniert, mal gehen wir früh, mal spät ins Bett, je nachdem, was wir gerade erleben.

 

67°43'16.2"N 133°52'49.1"W


13.8.2018, Tag 53 Km 70.8681

 

Morgens gegen 10h, dieses Mal waren wir mal die ersten, machten wir uns dann auf die letzten 200km. Nach 50km erreichten wir Inuvik, das letzte große Dorf vor dem arktischen Meer und das Ende des Dempster Highway (die kommenden 150km gingen aber genauso weiter).

Hier hatten wir Begegnungen mit Inuit (Eskimos). Man erkennt deutlich die unterschiedlichen Gesichtszüge. Da uns das Trinkwasser ausging, stand auch ein Einkauf an. Hier mal ein paar Preise (Can $ = 2/3 Euro):

Brot: 7 Can$

4L Trinkwasser 11 Can$

Dose Kondensmilch: 3 Can$

Heinz Ketchup: 9 Can$

Glas saure Gurken: 7 Can $

Ja.... dagegen war der Diesel fast ein Schnäppchen mit 1.55 Can$. Aber klar, hier muss alles extra her transportiert werden über den langen Weg.

Das Wetter ist durchwachsen. Und auch für die nächsten Tage ist schlechtes Wetter voraus geagt. Wir machen uns jetzt schon wieder Gedanen, wenn wir wieder zurück auf die Fähre müssen, wenn Regen wieder die Flüsse ansteigen lässt. Die Temperaturen sind hie, nicht wie bei Euch 30°C, sondern hier sind es 5°C. Oben an der Küste sogar nur noch 2°C (ich greife mal vor). Hinzu kommt ein eisigkalter Wind, sogar Jerry hüpft ganz schnell wieder ins Auto zurück.

Nach allen Besorgungen und nachdem wir dort sehr auffällig bestaunt wurden, fuhren wir weiter Richtung Tuktoyaktuk.

Thomas wartete während ich einkaufte draussen beim Auto, ich habe bisher noch überhaupt nicht erwähnt, dass es völlig anders ist als in Deutschland, wenn man einfach an der Straße steht, oder die Straße irgendwo überqueren möchte. Sobald man auch nur einen Millimeter Richtung Straße geht, halten die Autos an, um einen rüber zu lassen. Dass das ein paar Mal überhaupt nicht die Absicht war, sie zu überqueren, lässt uns jetzt bedachter unseren Warteort auswählen, oder mit Jerry nicht mehr direkt an der Straße laufen. Es ist für uns ein sehr befremdliches Gefühl, wenn plötzlich die Autos stoppen und uns erwartungsvoll ansehen, obwohl ich eigentlich nur darauf warte, dass Jerry pullert.

Die letzen 150km gingen auch ganz gut, obwohl die Straße mit groben Geröll aufgeschüttet war, wir hatten wieder Angst um unsere Reifen, Schlaglöcher gab es so gut wie keine mehr.

Und dann, ja und dann...kamen wir endlich am nördlichsten über Straßen erreichbaren Punkt Kanadas an. Wir stehen vor dem Ortsschild Tuktoyaktuk, wir sind happy, wir fahren durch das, zur Abwechslung mal sehr aufgeräumte Dorf, nicht vermüllt, kommen an das Ende der Straße. Und wenn wir jetzt weiter fahren könnten, würden wir am Nordpol raus kommen :-)). Wir sind am arktischen Ozean!

Wir stellen unsere Füße ins Wasser, es ist bitterbitterkalt, das Wasser und auch die Luft. Und windig. Ich komme mit einem Dorfbewohner ins Gespräch, er textet mich etwas zu, ist neugierig, irgendwann ist meine Kätegrenze erreicht, ich möchte ins Auto zurück. Ich sage ihm, ich friere, er sagt, was hast Du, es ist Sommer...

Die Leute hier oben sind freundlich, offen und zugänglich, sie winken uns.

Wir sind entspannt, weil wir und das Auto heil hier oben angekommen sind. Wohl wissend, dass wir das gleiche zurück nochmal vor uns haben. Es ist der nördlichste Punkt unserer Reise. Von hier ab geht es jetzt nochmal nordwestlich nach Fairbanks/Alaska, danach kommen wir vorübergehend der Heimat wieder etwas näher. 17.351km waren es jetzt bis hierher. Hat uns 2 Reifen gekostet und eine leicht gedetschte Windschutzscheibe. Ansonsten ist alles in Ordnung, wir drei sind gesund und sehr zufrieden.

Wir werden heute Nacht hier schlafen, direkt am Meer, mittlererweile sind auch noch 5 weitere Autos, die mit uns auf der Fähre waren, eingetroffen, man wärmt sich am Lagerfeuer, das seit 17h an ist, es wird draussen Gulasch gekocht, es ist eine Partystimmung hier. Wir haben uns zurück gezogen, um endlich mal unseren Reisebericht zu aktualisieren. Telefonieren ist seit Dawson City nicht möglich. Wobei ab und zu das Internet schwach geht, das eine oder andere Whatsapp geht raus, für das Hochladen des Textes braucht man Geduld.

 

Morgen beginnn wir mit der Rückfahrt nach Dawson City, sodass es voraussichtlich wieder 3-4 Tage dauern kann, bis wir uns wieder melden (...WENN die Fähre fährt...).

 

An Thomas und Yvonne, solltet Ihr das lesen, die Straße ist ein MUSS!!

 

69°27'20.8"N 133°02'11.4"W

I feel good!!....but cold...

die Megaparty am nördlichsten über Straßen erreichbaren Punkt Kanadas, -1°C, und das im Sommer, es wurde Gulaschsuppe gekocht für alle, draußen auf dem Feuer, jeder gab das, was er hatte dazu

Schaut mal: wir haben den ersten Schnee, letzte Nacht um 12Uhr auf dem Rückweg von Tuk. Es wird Winter :-(

Nächster Tag, kurz vor Dawson City, eine neue Bärenfamilie, ganz entspannt am Straßenrand, wir verbrachen eine halbe Stunde mit ihnen. Eingeladen - mitgenommen :-))

Der Dempster Highway an drei verschiedenen Punkten. So sieht er aus, nass, Schotter, rutschig, aber megatoller Ausblick. 1900 km gesamt hin und rück.Wir wurden oft belächelt mit unserem Vorderradantrieb und unseren Straßenreifen.

nein, das sind nicht wir. Aber das passiert, wenn man unachtsam oder zu schnell unterwegs ist.

eine traurige Geschichte, die heute immer noch in aller Munde ist und die ausdrückt wie groß und weit das Land ist und wie gefährlich es sein kann es zu unterschätzen

unsagbar schöne Landschaft entlang des Dempster. Leider auf dem Foto schwer richtig zu erfassen


14.8.und 15.8.18, Tag 54+55, 71,831km

 

Die Rückfahrt verlief problemlos. Wir übernachteten auf der Hälfte der Strecke, am Polarkreis, es ist auch hier immer noch sehr kalt, 1°C.

Da es ja hier nachts bis 2h hell ist, haben wir die Rückfahrt überwiegend spätabends/nachts bestritten, da wir nicht so oft überholt werden wollten, um unsere Windschutzscheibe zu „schützen“, denn dabei werden von den anderen Auto Steine hochgewirbelt. Zwischenzeitlich hatte es geschneit in den Bergen (die Fotos sind etwas dunkler als in Wirklichkeit, es war hell um 1h nachts). Insgesamt wurden wir auf den 900km nur 3mal überholt. Unser Kalkül ging auf.

Als wir den Dempster verlassen hatten und wieder eine normale Straße erreichten, feierten wir eine Stunde, tranken ein Bier und waren richtig happy und stolz. Diese Tage zählen mit zu den schönsten in unserem Leben, eine sehr große Erfahrung, in mehreren Dingen, den Weg bewältigt zu haben, andere Kulturen kennen gelernt zu haben, das Auto besser zu kennen und im Griff zu haben, bei Problemen zu wissen, was man machen muss.

Wir haben ganz intensiv gespürt: die Einsamkeit, das Abenteuer, die Nähe zu den Tieren, der Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft der Menschen unterwegs, wenn Probleme auftreten und auch an der Wartezeit an der Fähre.

Die Inuit gesehen zu haben und deren Kultur kennen gelernt zu haben, war Wahnsinn. Die Angst, die wir im Vorfeld und auch noch währenddessen hatten, dass etwas mit dem Auto passiert, bewältigt zu haben. Die Erkenntnis, mit Sorgfalt, Vorsicht und Weitsicht eine wirklich schwierige Aufgabe bewältigt zu haben, macht sehr stolz. Was Außergewöhnliches vollbracht zu haben. Tolle Menschen unterwegs kennengelernt zu haben, wie die beiden Schweizer Marlis und Sandro, mit denen wir ein paar Tage zusammen verbracht haben. Die beiden sind seit 2 Jahren auf Weltreise und starteten im Süden von Argentinien. Jetzt sind sie am Ende der Strecke angekommen (mit Wehmut) und werden durch Kanada zurück fahren und im Oktober wieder zuhause sein. Ihre Erfahrung, unsere Gespräche, waren sehr beeindruckend, da wir merkten, wie sehr sich Menschen in so einer Zeit verändern und den Blick für das Wesentliche bekommen, mit wenig zufrieden sind und ein schönes Leben führen, sich auf sich selber konzentrieren. Wer mehr über die beiden erfahren möchte: ontheroad-again.org

 

In Dawson City wieder angekommen, obwohl es schon spät war, konnten wir lange nicht schlafen. Und erwischten uns beide bei dem Gedanken, unabhängig voneinander, den Dempster nochmal zu fahren.

 

 

Geschafft!! Wir sind richtig glücklich, das gewagt zu haben

bisschen dreckig..innen auch


16.8.2018, Tag 56, 71.831km

 Endlich mal ausgeschlafen in Dawson. Danach haben wir uns dem Auto gewidmet. Es war so dringend nötig, es war außen und innen vollkommen verdreckt von der Fahrt. Wir haben außerdem alles umgeräumt und besser verstaut, ein paar Dinge entsorgt, die wir gar nicht brauchen. Nachmittags sind wir nochmal durch Dawson City geschlendert, es ist sooo schön hier, die Häuserfassaden sind so liebevoll gestaltet, kleine süße Geschäfte.

 Morgen werden wir, fürs Erste Kanada verlassen, um nach Alaska zu fahren, über den Top-of-the -world-Highway, erstmal nach Chicken, dann Richtung Fairbanks. Davon werden nochmal 100km Schotterpiste sein (irgendwie süß, nach 1800km Schotterpiste gerade...).

Später, nach Alaska werden wir nochmal nach Kanada zurück kehren, um dann an die Westküste der USA zu kommen.


Ein paar interessante Fakten von Inuvik, Tuktoyaktuk und dem McKanzie Highway:

 Wärmster Monat: Juli

Kältester Monat: Januar

Niederschalgsreichster Monat: August

Trockenster Monat: Februar

Jahresdurchschnittstemperatur: -9,7°C

Niedrigste Temperatur: -56,7°C

Höchste Temperatur: 32,8°C

Tage mit 24h Tageslicht: 56

Tage ohne Tageslicht: 30

 

 Rezept für Eskimo Donuts:

 Zutaten:

3 Tassen warmes Wasser

1 TL Hefe

1 TL Zucker

10 Tassen Mehl

1 Tasse Zucker

1 TL Salz

2 Tassen Milch

3 Blöcke Schmalz

 

Das warme Wasser mit Hefe und Zucker mischen, 10min stehen lassen. Eine Trockenmischung aus Mehl und Salz herstellen, in diese das Wasser/Hefe Gemisch und die Milch einrühren. Falls nicht fest genug, mehr Mehl zugeben, Teig 1 Stunden zugedeckt an einem wamren Ort gehen lassen, erneut kneten und wieder gehen lassen. Um die Donuts herzustellen, vom Teig Rollen formenund zu einem Kreis zusammen fügen. In geschmolzenem Schmalz in einer Pfanne oder einem Topf ausbacken.

 Check your Inuvik bucket list:

 

  • die Sonne im Winter das erste Mal wieder aufgehen sehen nach 30 Tagen Dunkelheit

  • den Polarkreis überschreiten

  • den Fußspuren der Eingeborenen folgen

  • den arktischen Ozean besuchen, zugefroren oder offen

  • den Dempster Highway im Herbst fahren, wenn sich alle Farben von grün in orange-rot verändert haben- Indian Summer

  • ein Lagerfeuer-Lunch haben mit 3000 Rentieren

  • mit einem Huskyschlitten über das zugefrorene Delta fahren

  • ein Tagestrip nach Tuktoyaktuk, um die Pingos zu sehen

 Der Dempster Highway: Seit seiner Fertigstellung im Jahre 1979 ist der mächtige Dempster Highway auf der Bucket List von unendlich vielen Reisenden. Als einziger öffentlicher Highway Kanadas auf dem man den Polarkreis überfahren kann, fährt man durch weite Tundragebiete und damit auch durch die unglaubliche Szenerievon Gebirge mit Wilblumen und Elchen und Grizzlies oder Caribous.

Der Highway startet 40km südlich von Dawson City, Yukon. Und verbindet somit den Yukon mit den Nordwest Territories. Der Dempster ist wie kein anderer Highway in Nordamerika. Die einzigartige Landschaft der kanadischen Tundra kombiniert mit dem wenigen Verkehr, der Einsamkeit und den atemberaubenden Ausblickegn, machen ihn für viele zu dem schönsten Highway überhaupt. Auf km 403 befindet sich der Polarkreis.

Der Highway ist ganzjährig offen, außer während es im Frühjahr taut. Eine kostenlose Fähre bringt die Autos über den Peel und McKenzie River von Juni bis Oktober. Im Winter kann man über den zugefrorenen Fluss fahren.

Der McKenzie Highway von Inuvik nach Tuktoyaktuk

 

Der neue McKenzie Highway, der Inuvik mit Tuktoyaktuk verbindet, macht es nun möglich, das gesamte Jahr über ans arktische Meer zu fahren. Vorher gab es nur eine Flugverbindung im Sommer. Er wurde erst 2017 fertig gestellt. Auf einer Länge von 71km ist er im Besitz der Inuvialuit. Es ist eine Landschaft jenseits der Baumgrenze, Mit weiten Ebenen, Büschen, Seen - eine Landschaft, die bisher nicht viele Menschen gesehen haben.

Um den Permafrostboden zu schützen, der sich unter dem Highway befindet und ihn nicht auftauen zu lassen, befindet sich das Straßenbett 1.8m aufgeschüttet über dem Boden. Es gibt 8 Brücken auf dem Highway und 68 Bereiche, in denen der Highway über Wasserrbereiche gebaut wurde. Dieses Mammutprojekt erforderte 1860 Mannjahre Arbeit und hatte den Haupdzweck, den Tourismus in diesem Gebiet aufzubauen

 

In ein paar Tagen werden wir Kanada verlassen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil noch vieles Schöne und Spannende auf uns wartet und weinend, weil wir ein aussergewöhnliches Land kennen lernen durften, in dem wir auch gerne noch viel länger verweilen würden. Was hat uns am meisten beeindruckt?

 

  • die Menschen, durch ihre Höflichkeit, Freundlichkeit und Offenheit.

  • der westliche Teil Kanadas mit seiner atemberaubenden Landschaft

  • die unendliche Weite

  • dass wir die Möglichkeit hatten, in Gebiete zu kommen, in denen noch nicht viele Touristen waren, den Dempster und McKenzie Highway gefahren zu sein und den arktischen Ozean erreicht zu haben.

  • In British Columbia und Yukon gab es für uns keine Regularien, wir durften überall, wenn nicht Privatbesitz übernachten, ein Camperland.

  • das unglaublich schöne Gefühl, vor einem Campfire zu sitzen in Mitten von nichts

  • einen Schwarzbären minutenlang direkt neben unserem Auto beobachten zu können

  • Kontakte mit anderen Kulturen gehabt zu haben, wie Inuit und First Nation

  • sehr angenehme Knotakte/ Abende mit ähnlich Reisenden wie uns

  • während der Durchquerung Kanadas kamen wir uns wie Zeitzonenreisen vor, es gab Tage, an denen wir täglich oder alle zwei Tage in einer neue Zeitzone waren, jedesmal bekamen wir eine Stunde geschenkt. Bei unserem Start in Halifax war der Zeitunterschied zu Deutschland 5h, in British Columbia 9h, in Alaska 10h.

 Was würden wir anderen empfehlen:

bis Calgary oder Vancouver fliegen, sich dort ein Wohnmobil mieten, durch die Rocky Mountains, British Columbia und den Yukon fahren. Das ist der schönste Teil Kanadas unserer Meinung nach.


Das ist der "Top-of-the-world-highway" von Kanada, Dawson City über die US Grenze, ca. 100km lang und auf einem Plateau entlang laufend. Man hat die ganze Zeit einen traumhaften Blick in die weite Landschaft. Ein Muss, wenn man in der Gegend ist. 

Grenzübergang Kanada/USA auf dem Top-of-the-world-Highway. Auf dem rechten Foto der keline Grenzposten. Wiedermal wurde nichts kontrolliert, wir bekamen aber endlich mal einen Stempel in den Ausweis (ungewöhnlich)

Alaska - Thomas beim Goldnugget suchen. hier wird überall noch immer nach Gold gesucht, im großen und im kleinen Stil.

Chicken - auf dem Wege nach Fairbanks von Dawson City, Goldgräberdorf. wird nur besucht von Goldgräbern oder Wohnmobilfahrern, die hierher fahren, da s so abseits liegt. 5 Hütten, 11 Dorfbewohner. Aber große Vermarktung.

hier mal einer unserer éinsamen Übernachtungsplätze am Fluss.

und hier einer am See. So in der Art sehen unsere meisten Übernachtungsplätze aus 

17.8.2018, Tag 57, 72.480 km

 

Morgens starteten wir in Dawson City Richtung Alaska und überquerten mit einer Fähre den Yukon River. Dann ging es auf den Top-of-the world-Highway. Leider hatten wir heute keine Sonne, es war bewölkt. Die Landschaft atemberaubend, die Straße schlängelt sich 100km auf dem Bergkamm. Man konnte rechts und links in die Weite blicken. Nach ca. 100km kam der Grenzübergang nach Alaska/USA. Es war wieder mal problemlos. Keinerlei Fragen, einfach nur Stempel in den Reisepass, kurz Hundepapiere angeguckt und die Grenzbeamtin lächelte und sagte, das richtige Land für einen Husky. Jetzt wurde die Straße sehr kurvenreich und schlängelte sich entlang eines kleine Flüsschens bis nach Chicken. Das ist das Goldgräberland hier. Im großen und kleinen Maßstab wird hier überall nach Gold gesucht immer noch. Wir hielten auch  ein paar Mal an und suchten echt nach Nuggets, haben aber nichts gefunden. Von Chicken ging es über den sehr gut ausgebauten Alaska Highway Richtung Fairbanks. Übernachtet haben wir dann an einem kleinen Fluss. Es wurde abends aber ganz schön kühl, 6°C, während es tagsüber sehr angenehme 20°C waren.

An diesem Abend hatten wir nach 57 Tagen das erste Mal eine Meinungsverschiedenheit. Nach 57 Tagen leben auf 12qm.

angekommen in Fairbanks!! 

18.8.2018, Tag 58, 72.810 km

 

Da wir die Nacht vorher etwas länger diskutiert hatten, standen wir heute etwas später auf. Es ging Richtung Fairbanks weiter. Eigentlich soll es hier Bisonfarmen geben, wir haben sie aber leider nicht gefunden. Gegen Nachmittag erreichten wir Fairbanks und hatten einiges auf der To-do-Liste, da wir nach langer Zeit endlich mal wieder einen richtigen Supermarkt hier hatten. Wir verbrachten eine Stunde mit Einkaufen, gönnten uns mal wieder McDonalds, jetzt war es ca. 18.30h, es ist ja sehr lange hell hier und wir schauten uns an und sagten: ein bisschen geht noch. Und so dachten wir uns, wir schauen uns mal den Dalton Highway an. wir hatten uns ausgerechnet, dass wir bis zum Arctic Circle 300km fahren müssen. die ersten 100km waren geteert, aber nicht so, wie man es kennt. Es war extrem wellig, alle Autos hüpften. Nach 100km wechselte der Straßenbelag in Schotter, jetzt wurde es schlammig und glitschig. Nach weiteren 60km kamen Schlaglöcher, wie wir sie noch nie gesehen haben, 10-15cm und tiefer und  teilweise einem Meter breit. Obwohl wir sehr vorsichtig und langsam gefahren sind, mehrfach extrem abbremsen, um nicht rein zu fahren. Gegen 21h beschlossen wir, das heute durch zu ziehen, weil wir auch sehr alleine waren auf der Straße (was sich auf dem Rückweg am nächsten Tag änderte) und so zog es sich auch durch bis zum Polarkreis, wo wir gegen 23.30h ankamen. Wir genossen noch eine gewisse Zeit die Ruhe und Einsamkeit hier oben und gingen dann schlafen am Polarkreis

Dalton Highway ab Fairbanks. Der Weg in Alaska zum arktischen Meer. Ist nicht mit dem Dempster zu vergleichen, ist keine Herausforderung. 

Es ist auch der Weg zum Polarkreis in Alaska. Wir sind ihn nur bis zum Polarkreis gefahren. 

Hier kann man selber nicht direkt zum arktischen Meer fahren alleine. 14km vorher ist Stop, dort wird Öl gefördert und die Region ist abgesperrt und wird 24h bewacht. Man kann sich ab dem Zaun von einem einzigen zugelassenen Touroperator kostenpflichtig ans Nordmeer fahren lassen. Der gesamte Highway (800km lang) führt entlang der Ölpipeline und man wird sehr oft von rasenden LKWs überholt. Er ist die Billigversion für die Nasenbären, die an den arktischen Ozean wollen und den Dempster nicht bis Tuktoyaktuk fahren wollen, da er um ein vielfaches anspruchsloser ist. 

Unseren 6. Polarkreis erreicht!!! Jetzt fehlt nur noch eine in Russland, dann haben wir alle. Also, alle über Straßen erreichbaren. 

Ein paar Eindrücke vom Dalton Highway.


19.8.2018, Tag 59, 73.116km

 

Wach geworden sind wir gegen Mittag durch Horden an den Polarkreis kutschierter Touristen, laufenden Motoren, lauten Menschen. Es wurde ein Teppich vor dem Schild ausgerollt, sie überschritten die darauf markierte Linie und stiegen wieder in den Bus. Dann kam der nächste, wir staunten und beobachteten eine Zeit lang das Treiben und beschlossen, die Rückfahrt nach Fairbanks anzutreten. 

Die Rückfahrt verlief problemlos, aber es war viel los auf der Straße. Gegen 20h parkten wir auf dem Walmart Parkplatz in Fairbanks, hier gibt es sogar Steckdosen in Massen für die Wohnmobile und sehr gutes Wifi, deswegen konnten wir uns mal austoben hier. Morgen ist mal ein Ölwechsel angesagt. 

Am Polarkreis hatten wir einen Kilometerstand von 72.797. Das ist unser nordwestlichster Punkt der Reise. Gefahrene Kilometer bis hierher:  19.280 in 59 Tagen. Von jetzt ab reduzieren wir erstmal die Entfernung nach Hause, die gerade 12.979 km (Luftlinie 7068 km) beträgt. Wir reduzieren die Entfernung jetzt erstmal um 5.170 km und kommen dem Zuhause näher, um dann die Westküste der USA Richtung Mexiko weiter zu fahren. 

Nach dem Ölwechsel geht es weiter nach Anchorage. Im Vergleich zum dem, was wir in Kanada an Entfernung zurück gelegt haben, kommt uns Alaska gerade sehr klein vorher. Auch hier ist ein großer Teil des Landes nicht befahrbar, weil es keine Straßen gibt, wie auch im Norden Kanadas. Tok - Fairbanks - Anchorage, je Strecke ca. 500km, das ist alles. Man kann noch einen kleinen Ausreißer auf die Inseln im Süden machen, aber das war es dann auch. Wieder mal ein falsches Weltbild gerade gerückt vom großen Alaska.

 

Alaska ist sehr stark bewaldet. Während Kanada sehr abwechslungsreich dagegen war. Im Allgemeinen haben wir uns Alaska etwas rauer vorgestellt, aber wahrscheinlich hat uns Kanada schon so geprägt, dass der Eindruck ein anderer ist. Für uns ist der Yukon, die North West Territories und British Columbia 1000 mal mehr authentisch. Sollten wir mal wieder auf die Idee kommen, sind das die 3 Provinzen (plus Neufundland), die wir besuchen würden. 

Mit Fairbanks sind wir ja das erste Mal so richtig wieder zurück in der Zivilisation, wo man alles bekommen kann, was man haben möchte (wir stellen fest, uns fehlt eigentlich gar nichts, außer der schon mehrfach erwähnten Badewanne). Wir merken, dass wir das bedauern, dass wir diese Einsamkeit, diesen 500km in die eine Richtung oder die andere bis zum nächsten Dorf, was uns am Anfang ein bisschen Angst gemacht hatte, vermissen werden. Es hat uns mit am meisten beeindruckt. Hier ist irgendwie alles viel einfacher und man passt sich automatisch an und ist zufrieden damit. 

Wir haben jetzt schon ein bisschen Bammel davor, wenn wir die Westküste Amerikas bereisen werden, dass wir dann überwiegend in dem "Ich kann alles bekommen" sind und in der Zivilisation sind und keine Einsamkeit mehr so finden werden. Aber das wird schon, wir lassen uns überraschen. 


Mal was anderes als Bären...

3 Füchse, die sich sonnten und kaum Angst hatten. Wir konnte sie lange beobachten, sie waren sehr neugierig und kamen bis fast ans Auto.


20.8.2018, Tag 60,       20.280 km

 

60 Tage!! Sind wir jetzt unterwegs!!

Nachdem wir unseren Ölwechsel erfolgreich für sagenhafte 44$ erledigt haben (Schnäppchen, in Deutschland kostet es 140€). Und auch DAS kann Walmart, die haben eine Riesenabteilung mit Zubehör und eine Werkstatt dabei, starteten wir gegen 11h noch bei Sonne Richtung Anchorage über den Highway No. 3. Es ging ziemlich schnell durch das Alaska Range Gebirge mit dem Mount McKinley, dem höchsten Berg Nordamerikas, 6194m. Die Straße schlängelte sich 300-400 km durch die Berge, eine umwerfende Aussicht. Leider wurde das Wetter schlechter und wir konnten kaum Fotos dort machen. Dieser Highway (No.3) ist eine absolute Empfehlung. Die Landschaft, der Eindruck ähnelt schon fast der der Rocky Mountains oder des Dempster. Man sitzt fast sprachlos im Auto und genießt. Gegen 15h begann es zu regnen und es regnet auch jetzt, um 22h immer noch. Das ist also unser 2. Regentag in 60 Tagen, eine sehr gute Bilanz, wenn man bedenkt, dass es hier im Sommer viel regnet. 

Wir sind jetzt am Pazifik, am Turnaround Arm, ca. 50km hinter Anchorage. Ein Arm, der ins Land reicht, mit kurviger Küstenstraße und sensationellen Ausblicken. Selbst bei dem Wetter kann man erahnen, wie schön es hier ist. Also im Sommer, im Winter schwimmen hier Eisschollen. Morgen werden wir diesen Weg weiter fahren, das Wetter soll sehr viel besser sein, es sind 15h Sonne angekündigt. 

 

Sorry, mehr haben wir nicht zu erzählen, deshalb mal das hier: 

Verrückte Gesetze in den USA 

... Radfahrer...in Connecticut dürfen von der Polizei gestoppt werden, wenn sie schneller als 100 km/h (!) auf ihrem Drahtesel unterwegs sind.


In Alaska ist es untersagt, Elche aus einem Flugzeug zu schubsen oder sie betrunken zu machen. Außerdem sollten Touristen wissen: Es ist illegal, von einem Flugzeug aus auf einen Elch herabzuschauen.

In North Carolina sollte nur derjenige in der Öffentlichkeit singen, der auch etwas davon versteht. Trifft der Sangesbruder nämlich den Ton nicht richtig, muß er Strafe zahlen.

In Florida dürfen Kinder nicht ohne das schriftliche (!) Einverständnis ihrer Eltern Harry Potter lesen, da angeblich unchristliche Rituale beschrieben werden.

Es empfiehlt sich, in Illinois wenigstens einen Dollar Bargeld bei sich zu führen. Ansonsten können Sie leicht wegen Landstreicherei verhaftet werden.

Sie haben vor, in Florida einen Elefanten an einer Parkuhr festzubinden? Dann müssen Sie für ihn auch die normale Parkgebühr entrichten!

Fische darf man in Tennessee nicht mit dem Lasso fangen.

Achtung! Auf den Highways in Utah haben alle Vögel "Vorfahrt".

Wollen Sie einem Gottesdienst in Georgia beiwohnen, dann müssen Sie ein geladenes Gewehr mitbringen. Sonst machen Sie sich strafbar!


21.8.2018, Tag 61, 74.057 km

 

Wir sind heute ca. 300km gefahren, es regnete die ganz Nacht und heute bis 14h. Wir sind durch Regen und Nebel gefahren. Die Landschaft hier, erst an er Küste entlang, dann durch eine kleine Gebirgskette auf der Kenai Halbinsel. Leider konnte man das nicht so richtig geniessen. Kurz vor Homer, weiter geht nicht, ab dort müsen wir den ganzen Weg wieder zurück, fanden wir DEN Traumplatz hoch 10, wo wir auch bleiben für die Nacht. An der Zufahrt zum Strand stand ein Warnschild, dass es nur mit 4x4 hier runter geht, aber Ihr kennt ja Thomas. Die Beschaffenheit der Straße war zwar gut, aber sie war sehr steil. Richtig heftig steil. Unten angekommen dachte ich, hier kommen wir nie wieder hoch, Thomas drehte und fuhr wieder hoch. Gut, dass wir uns für den starken Motor entschieden haben. Also alles gut, wieder runter und wir bleiben hier. Der Ausblick ist ein Traum. Ein Riesenstrand, gegenüber das Gebirge mit Schnee. Einer unserer schönsten Übernachtungsplätze überhaupt, obwohl es erst 14 h ist, bleiben wir hier, Zu schön. Und wir sind hier ganz alleine. Leider abends bisschen zu kühl, um ein Feuer zu machen und abends länger draussen zu verweilen, obwohl hier Feuerstellen sind.


Einer unserer schönsten Übernachtungsplätze, mal im Film mit Drohne festgehalten. Im Hintergrund das schneebedeckte Chigmit Gebirge


Ausblick von unserem Übernachtungsplatz. Im Hintergrund die Chigmit Mountains, schneebedeckt.

Eine Robbe, direkt bei unserem Übernachtungsplatz, die sich seelenruhig sonnt und putzt, ging leider nicht größer.

Mal was ganz anderes: als wir durch die Dörfer hier fuhren, dachten wir erst, hier wird demonstriert, viele Menschen stehen bei Regen an den Kreuzungen, winken den Autofahrern zu, winken und grüßen. Sie halten Wahlplakate hoch, hier sind die Primary Elections, irgendwelche Vorwahlen im ziemlich komplizierten Wahlverfahren. Wir haben sehr viele Menschen gesehen, die das gemacht haben, irgendwann haben wir dann mal 2 aus dem Auto heraus fotografiert. Irgendwie lustig, die Amerikaner, wer steht schon bei 8°C im Regen den ganzen Tag an der Straße und winkt fröhlich?


Seward, am Resurrection Bay, Pazifik, aber 200-300 amerikanische Wohnmobile (die großen), alle in Reih und Glied, so schlimm, wie wir es noch nie gesehen haben, sodass wir den Ort schnell wieder verließen. Aber der Weg dorthin war landschaftlich wirklich schön.

In Homer, westlichster befahrbarer Punkt Alaskas. eine etwa 2,5km lange Straße, die in eine Landzunge in den Pazifik reicht, rechts und links ca. 10-15m Strand. Bild 1, Ende der Straße und auf gleich der Rückweg. bild 2, kleine Holzhütten auf dem Steg, Geschäfte, Restaurants. Bild 3 links die Landzunge zu sehen. Aber es geht von dort nur zurück. 

Unerwartet - hier unsere ersten Bisons, fast vorbei gefahren. Sie sind eingezäunt, sie im Freien zu sehen ist so gut wie unmöglich (wie wir lernen mussten), dank des weißen Mannes fast ausgerottet. Sie sind sehr groß und bullig. eine Kuh ist klein dagegen

22.8.2018, Tag 62, 74.552 km

 

Heute hatten wir zur Abwechslung wieder kompletten Sonnenschein und 20°C. Erst legten wir die letzten 40 km nach Homer zurück. Homer ist der westlichste befahrbare Punkt Alaskas. Homer war ok, aber natürlich auch gut frequentiert von Wohnmobilreisenden. Bei einem längeren Plausch mit einem Taxifahrer, auf die Frage, was er uns hier empfehlen würde, fielen folgende Worte: es ist hier nur sehr kurz so schön wie jetzt gerade,normalerweise ist diese Gegend sehr unwirtlich im Turnagain Arm, eine sehr kurze Zeit, nicht den falschen Eindruck bekommen, sehr bald werden hier Eisschollen schwimmen. wir würden heute eigentlich einen falschen eindruck von Alaska bekommen. Er bedankte sich bei uns, dass wir hier sind und wünschte uns noch eine gute Reise:  Er sagte: Thank you for visiting us and have a nice trip.

In wenigen Wochen ist hier alles schon wieder vorbei, keine Touristen mehr, Kälte, Eis und Schnee. Man kann leicht den falschen Eindruck bekommen, wenn das Wetter so schön ist wie heute.  In Homer endet der Highway, man kann nur wieder zurück fahren. So machten wir uns auf den Rückweg. Kurz überlegten wir noch, ob wir wieder zu unserem tollen Übernachtungsplatz zurück fahren mit einer Ladung Camp Fire Holz, oder ob wir das tolle Wetter, das morgen schon wieder umschlagen soll, ausnutzen und die tolle Landschaft anschauen. Wir entschieden uns für die 2. Variante. Wir machten uns auf den Rückweg nach Anchorage. die ersten 100 km waren landschaftlich nicht unbedingt ansprechend, flach.  Dann kamen wir in das Kenai Gebirge, ein kleiner Traum, schneebedeckte Berge, Sonne. Zwischendrin hatten wir die Idee, eine Seitenstraße zu nehmen und nach Seward zu fahren, eine kleine Seitenstraße, 60km. Was auf der Landkarte aussieht wie ein kleines Fischerdorf und wir dachten, wir könnten dort ja mal romantisch Fisch essen gehen....und jetzt kommts...angekommen wurden wir von Wohnmobilen erschlagen, wir haben noch nie in unserem Leben SO viele Wohnmobile auf einem Haufen gesehen wie hier, drei-vierreihig am Wasser, 2.5km lang, überwiegend die ganz großen. Wir fanden noch eine kleine Lücke zum Anhalten, auch das war nicht einfach, denn die Bucht ist wunderschön, kristallklares türkises Wasser, schneebedeckte Berge im Hintergrund. Aber da Jerry und wir nicht kompatibel sind mit 1000 anderen Wohnmobilen im Abstand von 1m, ergriffen wir die Flucht und fuhren noch 50km weiter und stellten uns auf unseren alten Übernachtungsplatz, wo wir vor 2 Tagen auf dem Hinweg schon standen. 

Kurz bevor wir den Turnaround Arm erreichten, ging Thomas in die Bremsen, warf den Rückwärtsgang ein, und da waren sie, unsere ersten Bisons /Buffalos, eingezäunt auf einer Wiese. Sie muffeln ein bisschen. Sind wirklich unglaublich groß, wirken aber sehr entspannt. ein tolles Gefühl so unverhofft. Leider eingezäunt. Aber unsere Versuche, sie in freier Natur zu sehen, sind bisher alle gescheitert, dank des weißen Mannes, der sie nahezu ausgerottet hat. Sie sehen übrigens sehr friedlich aus, vergleichbar mit unseren Kühen, nur größer und bulliger, vielleicht hätte man sie streicheln können, aber sie waren leider hinter dem Zaum .Oder Gott sei Dank, so haben sie wenigstens die Chance zu überleben.

Als ich einen Bison direkt am Zaun fotografieren wollte, der seitlich zu mir lag, drehte er langsam den riesigen Kopf, ein schwarzes Auge sah mich an, es schien zu sagen, was willst Du von mir. aber auch, dass er sah,  dass keine Gefahr von mir ausging, er blieb liegen. Das waren nur 3-4 Meter von mir.

wir hatten viel Glück bisher mit den Tieren , Eigentlich fehlen uns nur 2 Tiere, von denen, die wir auf dem  Plan hatten, das sind der Grizzly und der Orca. Sonst haben wir alle Tiere in freier Natur, bis auf die Bisons  (hinter Zäunen) gesehen und gespürt.

 


23.8.2018, Tag 63,

Regentag. Strecke gemacht, von kurz vor Anchorage bis Tok auf dem Alaska Highway No. 1. Die Strecke ist, sofern man was sieht, schön, abwechslungsreich, sehr viele Seen. Wir sind an einem sehr großen Gletscher vorbei gefahren. Da wir jetzt noch ca.100km in Alaska vor uns haben und morgen Alaska verlassen werden, ist das unser letzter Tag heute in Alaska. Wir müssen, um in die USA zu kommen wieder zurück nach Kanada, um durch den Yukon und British Columbia nach Washington USA zu kommen.

Obwohl noch August, merkt man deutlich, wie schnell es jetzt geht und es wird bald Winter. Das Wetter ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Wir könnten uns nie vorstellen hier zu leben, vermutlich sind nur 2-3 Monate im Jahr so, das wir uns wohlfühlen würden. Die Strecke, die wir heute gefahren sind war sehr einsam, entlang der Strecke einige Campgrounds oder Resturants, vieles davon zu verkaufen, verfallen oder unbewohnt. Wahrscheinlich lohnt es sich nicht, in der kurzen Saison hier genug zu verdienen für das ganze Jahr und wir sind so gut wie alleine auf der Strecke. Ab und zu sehen wir einen Pickup, so gut wie keine Wohnmobile. Die Stskßen sind häufig nicht in einem guten Zustand, sehr wellig, das Auto hüpft wieder rauf und runter, auch der Alaska Highway. Immermal wieder extreme Schlaglöcher, man muss sehr wachsam fahren. Zusammen mit dem Dauerregen sehr anstrengend.

Wir haben uns Alaska als sehr teuer, was Lebensmittel und Benzin betrifft vorgestellt im Vergleich zu dem Rest der USA und sogar im Vergleich zum schon wirklich sehr teuren nordwestlichen Kanada, dort wo alles extra hingeliefert werdne muss, wie z.b. in den Yukon. Aber erstaunlicherweise wurden wir eines besseren belehrt. Das Benzin variier zwar auch hier von Tankstelle zu Tankstelle, aber an man findet wirklich günstige mit 3.21$/ Gallone, also unglaublichen 0,62 €/L, das ist ungefähr der halbe kanadische Preis.

 Auch die Lebensmittel sind nicht extrem teuer, sicher in anderen Staaten der USA war es billiger, aber es kommt nicht an Kanada heran.

 Wenn die Sonne da war, waren es sehr angenehme 20°C, sobald sie untergeht, ist es kalt, meist unter 10°C und unwirtlich. Und das im August.

Auf unserer Landkarte ist Alaska relativ groß, wovon geschätzt aber nur 1/5 über Straßen erreichbar ist, der Rest geht mit kleinen Wasserflugzeugen.

Wir haben eigentlich die meisten vorhandenen Straßen befahren.

Wr haaten uns in Homer erkundigt, was ein Flug mit einem Wasserflugzeug kostet, zu dem Katmai National Park, dort gibt es sehr viele Bären und auch Fischtreppen. Die Wahrscheinlichkeit, dort Bären zu treffen ist sehr groß. Der Preis für den Trip, 6-7 Std, davon je 1h Hin- undd Rückflug liegt bei 725 US$ p.P. Da wir aber schon einige Bären auch so gesehen haben, haben wir uns dagegen entschieden.

Ja, es war gut, mal hier gewesen zu sein, um sich eine richtige eigene Meinung bilden zu können. Es beeinhaltet ja auch den westlichsten Punkt unserer Reise. Auch waren die Gespräche mit den Einheimischen sehr interessant. Das Land ist rauer, als wir anfangs dachten.

Wir haben uns dan heute mal das erste Mal seit wir unterwegs sind so richtig was gegönnt abends in Tok, ein superleckeres Steak mit Salat und Pommes. Bezahlt haben wir 60$, eigentlich nicht anders als in Deutschland

Alaska Fakten in Kürze

Alaska ist ein Land der Superlative. Es übertrumpft andere Reiseziele mit noch größeren, längeren, höheren, zahlreicheren oder besseren Attraktionen; zu den Highlights gehören Parks. In Alaska gibt es 15 Nationalparks, Schutzgebiete und Naturdenkmäler sowie State Park Land, das eine Fläche von 312.950 Quadratkilometern einnimmt.

Lake Hood befindet sich in Anchorage und ist der weltweit meistgenutzte Flughafen für Wasserflugzeuge. An einem geschäftigen Sommertag finden hier ca. 800 Abflüge bzw. Landungen statt.

Der Rekordschneefall in einer einzigen Saison wurde in der Nähe des Thompson Pass nördlich von Valdez verzeichnet. Im Winter von 1952/53 fielen hier 25 Meter Schnee.

Die zwei landesweit größten National Forests befinden sich in Alaska. Der Tongass National Forest in Southeast Alaska bedeckt eine Fläche von 69.000 Quadratkilometern und der Chugach National Forest in Southcentral Alaska eine Fläche von 20.000 Quadratkilometern.

Es gibt über drei Millionen Seen in Alaska. Der Illiamna-See in Southwest Alaska ist der zweitgrößte Süßwassersee in der USA.

Die 1.290 Km lange Trans-Alaska Pipeline hat seit ihrer Fertigstellung am 31. Mai 1977 mehr als 13 Mrd. Barrel Öl von der North Slope zum Hafen von Valdez in Prince William Sound befördert. Das Öl fließt mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 9 Km pro Stunde und braucht knapp sechs Tage, bis es die Tanker im Hafen von Valdez erreicht.

Fast drei Viertel des Angelsports in Alaska findet in der am dichtesten besiedelten Region, in Southcentral Alaska, statt.

In Alaska befinden sich 80 Prozent aller aktiven Vulkane der USA. • Dutch Harbor/Unalaska ist der landesweit bedeutenste Hafen für kommerziellen Fischfang.

In Alaska gibt es 12 verschiedene Arten Großwild: Elche, Karibus, Schwarz- und Braunbären, Dall-Schafe, Moschusochsen, Vielfrasse, Wölfe, Schneeziegen, Schwarzwedel- und Rothirsche.

Die höchste je in Alaska gemessene Temperatur betrug 38 C und wurde 1915 bei Fort Yukon gemessen; die niedrigste gemessene Temperatur betrug -63 C und wurde 1971 bei Prospect Creek gemessen.

Große Fläche, wenig Einwohner

 Alaska kommt von „Alyeska“, was so viel wie „großes Land, großer Staat“ bedeutet. Und das ist es auch! Er ist mit Abstand der größte Staat der USA, Deutschland passt mehr als viermal hinein.  Dennoch sind viele Teile des Staates unbewohnt und nur ca. 700.000 Menschen leben dort. Die meisten Menschen (250.000) leben in Anchorage,

Juneau, die Haupstadt ist schwer zu erreichen

Juneau ist die Hauptstadt des Staates und nur mit dem Schiff oder dem Flugzeug zu erreichen, wie viele anderen Teile des Staates auch. Es ist die zweitgrößte Stadt nach Anchorage.

Lufttaxen sind das wichtigste Fortbewegungsmittel

Wie die Gondel in Venedig oder die Tube in London, so sind Lufttaxis hier eins der wichtigsten und meist benutzten Fortbewegungsmittel. Für viele Dörfer ist dies auch die einzige Möglichkeit Lebensmittel oder anderen Dinge, die man zum Leben braucht, zu bekommen.

Von Elchen bis Karibus: Tiere kann man direkt vor der Haustür entdecken

Die Tierwelt in Alaska kann man direkt vor der Haustüre beobachten, man muss noch nicht mal in den Zoo. Morgens von Karibus in der Einfahrt geweckt, zu spät zur Arbeit, weil eine Elchfamilie die Straße blockiert oder ein Schwarzbär in Downtown Anchorage? Das alles ist ganz normal. Entlang des Küstenhighways kann man auch oft Wale in der Bucht schwimmen sehen. Mehr als 30.000 Weißkopfseeadler leben hier, das Symbol der USA. Es ist daher auch verboten eine Feder dieser majestätischen Tiere zu besitzen, nur den Ureinwohner ist es erlaubt.

Warum gehört Alaska zu den USA?

Russisch-AmerikaAlaska gehört seit 150 Jahren den USA. Für 7,2 Millionen US-Dollar wird aus russischem Land amerikanisches Land. ... Etwas holprig übergab Russland vor 150 Jahren, am 30. März 1867, was Zar Alexander II. an die US-Amerikaner verkauft hatte: Alaska, größte Exklave der Welt.

Warum hat die USA Alaska gekauft?

Danach verkaufte das Zarenreich Alaska für 7,2 Millionen Dollar (entspricht etwa einem heutigen Gegenwert von 120 Millionen Dollar) an die Vereinigten Staaten (Alaska Purchase). Dieser Kauf war mit einem Preis von nur 4,74 Dollar pro Quadratkilometer einer der billigsten Landkäufe der Geschichte.



24.8.2018, Tag 64, 75.768 km

 

Das Wetter war heute gut, allerdings spürt man, dass der Herbst kommt. Als wir auf dem Weg hier hoch waren, hat man noch nicht gesehen, dass das Laub der Bäume sich verfärbt, jetzt schon, einige sind jetzt gelb. Schade, denn diese komplette Verfärbung des Laubes werden wir wohl nicht mehr sehen hier.

Wir fuhren heute von Tok bis nach Whitehorse, ca. 600km. Relativ bald nach Tok kommt die Grenze zu Kanada. Erst die amerikanische. Dort wollten wir, wie bei unserer ersten Einreise in Maine im Juni vom Grenzbeamten geraten, unser US Visum, das 6 Monate Gültigkeit hat, zurückgeben und bei der Wiedereinreise in die USA nach Kanada in Washington ein neues 6 Monatsvisum beantragen. Einfach, um freier zu sein und nicht irgendwann unter Druck zu kommen, ausreisen zu müssen. Reicht ja schon, wenn irgendwas kaputt geht am Auto und wir müssen sehr lange auf ein Teil warten. Aber dieser US Grenzposten war desinteressiert. Tür und Fenster zu, eigentlich sollte man nur vorbei fahren. Ich ging rein und wollte unser Anliegen schildern. Aber so geschlossen wie das Fenster war auch der Beamte drinnen. Es interessierte ihn überhaupt nicht. Also gingen wir unverrichteter Dinge wieder. 30 km später kommt erst der kanadische Grenzposten. Dieser war sehr nett, konnte uns aber auch keinen Rat geben. Also behiehlten wir unser US Visum und werden versuchen das Ganze bei der Einreise in den Staat Washington zu klären. Unser B2 Visum gilt 10 Jahre und wir können in dieser Zeit ein und ausreisen, aber sobald man wieder über die US Grenze kommt und man kein vom Beamten zeitlich ausgestelltes Visum hat, muss ein neues ausgestellt werden und die Dauer dieses Visums dann liegt im Ermessen des Beamten. 6 neue Monate wären also toll gewesen jetzt, einfach um alles, was noch so passieren kann etwas zu relativieren und den dann möglicherweise entstehenden Zeitdruck raus zu nehmen.

Die Straße nach der Grenze war einige Zeit nicht sehr gut, Bodenwellen, Schlaglöcher, geteerte Straße wechselt sich ab mit Schotter. Irgendwann wurde es besser. Die Landschaft war wieder wunderschön, Berge, sehr viele Seen, Schön fürs Auge. Zusammen mit der Sonne heute macht es ein bisschen das Herz schwer, dass wir jetzt auf dem Rückweg sind, diese Landschaft sich bald verändern wird und wir den schönen Norden Kanadas verlassen müssen.


25.8.2018, Tag 65, 76.414 km

 

heute sind wir von Whitehorse auf dem Highway No. 1 (Alaska Highway) Richtung Dawson Creek gefahren und haben 646 km geschafft. Erst durch einen Teil des Yukon, dann durch British Columbia. Das Wetter war gut, es wird ein bisschen wärmer je weiter wir südlich kommen. Und dann, abends, wir wollten heute ein bisschen länger fahren, um näher an die US Grenze zu kommen, sahen wir sie am Straßenrand. Mehrere Warnschilder kündigten die Möglichkeit an, es waren zwei wilde Bisonherden, direkt am Straßenrand, freie Tiere, nicht hinter Zäunen, mit Jungtieren, friedlich grasend am Straßenrand. Ein unglaublich tolles Gefühl, sie nur ca. 5 m von uns entfernt beobachten zu können.

An einem Rastplatz lasen wir auf einem Informationsschild, dass es um das Jahr 1800 ca. 168.000 Bisons hier gab. In den 90ern wurden 49 Tiere hier ausgewildert, heute umfasst die Herde ca. 100 Tiere. Uns fehlen die Worte, wie konnte es nur dazu kommen, dass so eine Menge Tiere einfach verschwand.

Zusätzlich sahen wir noch 2 Stachelschweine, auch Premiere.

 

Übernachten werden wir heute an einem Fluss, wir stehen inmitten von Bisonkacke, vielleicht bekommen wir ja noch Besuch...


26.8.2018, Tag 66, 76.545 km

 

Heute haben wir sehr lange geschlafen (Gott sei Dank, denn sonst wäre der Tag anders verlaufen) fuhren uns erst gegen Mittag weiter. Wir fuhren keine 10km, da stolperten wir wieder über die beiden netten Schweizer, die wir auf dem Dempster kennen gelernt haben. Sie waren auch gerade im Aufbruch und waren die Nacht vorher nur wenige km von unsweg auf einem Capmpground. Sie erzählten uns, dass sie die letzten Tage in Watson Lake festhingen,weil dort ein großer Waldbrand herrschte, alles Umliegende gesprerrt war und evakuiert wurde. Wir beschlossen kurzerhand, uns einen gemeinsamen Übernachtungsplatz zu suchen und noch mal einen Nachmittag und Abend zusammen zu verbringen, das Wetter war bewölkt, es regnet aber nicht. Trotzdem dürfen wir kein Feuer machen, es ist wieder Fire Ban über ganz British Columbia, obwohl es geregnet hat, aber es gibt immer novh so viele Feuer überall. Leider, denn es war wirklich ganz schön kalt. Den Nachmittag verbrachten wir mit Angeln, Kanu fahren, Austausch darüber, was wir alle in der Zeit seitdem wir uns getrennt hatten erlebt haben, Kochen (Chili, Salat und in der Pfanne gebackenes Brot, Rezept siehe unten) und gemeinsamen Essen. Gegen 21h wurde es draussen ohne Feuer, so kalt, dass wir uns alle in die Autos verzogen.

In der Nacht verschliefen wir die Polarlichter. Leider.

 

Brot aus der Pfanne

 

1 Tasse Mehl

½ EL Backpulver

½ TF Salz

evtl. Kräuter beifügen, z.b. Thymian

1 Tasse Wasser

1-2 EL Öl

 

 

mit Schneebesen vermengen und ca. Handfläche große Teigmenge in Pfanne mit zerlassener Butter geben und von beiden Seiten braun backen. Zu dem Chili direkt heiß aus der Pfanne war das perfekt!!


27.8.2018, Tag 67, 76.555 km

 

Wir standen zwar früh auf, aber haben noch mit Marlis und Sandro ewig geredet, irgendwie fiel das Trennen schwer, denn jetzt liegen unsere beiden Wege so, dass wir uns nicht mehr über den Weg laufen werden. Wir fahren Richtung Süden, die beiden Richtung Osten, nach Halifax, um von dort im Oktober mit dem Schiff nach Deutschland zu fahren.

 

Wir fuhren erst gegen Mittag los, eine landschaftlich schöne Straße, aber eine sehr schmal und eng und kurvenreich. In Worten – wir fahren jetzt schon 8 Tage zurück und haben immer noch 2000 km vor uns, bis wir die Waagerechte zwischen Calgary und Vancouver erreichen und wir kommen nicht voran. So ein schönes langes schnurgerades Stück Autobahn wäre mal toll, um endlich mal etwas mehr vorwärts zu kommen. Nein, wir sind noch nicht auf dem Rückweg nach Hause, wir sind nur dabei, von unserem nördlichsten Punkt zurück zu fahren, um dann irgendwann mal nach Amerika zu kommen. Und endlich, gegen 16h erreichten wir Fort Nelson, und endlich geht es längere Zeit mal gerade aus, es wird zunehmend wärmer, also gaaanz lagsam, wir haben jetzt 17°C.Wir träumen ein bisschen davon, mal abends im T-Shirt draussen sitzen zu können und das dann aber mal ohne Mücken.

Landschaftlich ist es hier etwas eintöniger, rechts und links Wälder, aber nicht mehr so spektakuläre Nadelwälder wie weiter oben, sondern eher so, wir man Wald aus Deutschland kennt.

 

Es wird übrigens jetzt auch deutlich früher dunkel, es ist sehr auffällig, man kann es sehr gut mitverfolgen. 


28.8.2018, Tag 68, 77.203 km

 

Übernachtet haben wir in Fort St. John, bei Walmart. Heute ist mal wieder Wäsche waschen angesagt. Es gibt einen Waschsalon hier. Und die wollen 8 Can$ pro Maschine, so teuer habe ich noch nie gewaschen, aber die Menge ist jetzt so groß, dass ich dringend muss.

Gegen 11h fuhren wir los in Fort St. John, auf dem Highway 97, Richtung Prince George.

Es fällt auf, dass hier sehr viele Autos und LKWs in Straßengraben, teilweise auf dem Dach liegen, was wir nicht verstehen, da es eigentlich eine sehr gut ausgebaute Straße ist. Thomas meinte lachend, hier muss wohl vor ein paar Tagen ein Rennen gewesen sein.

Wir fahren bis kurz vor Valemount und haben eine wunderschönen Übernachtungsplatz, wieder mal durch unsere App „IOverlander“ gefunden. In dieser App können alle Reisenden ihre gefundenen Plätze eintragen und wir haben das schon sehr häufig genutzt und sehr viele schöne, einsame Plätze gefunden.

 

Wir sind jetzt wieder in den Ausläufern der Rocky Mountains. Um uns herum sieht man schon die hohen, schneebedeckten Berge.


29.8.2018, Tag 69, 77.838 km

 Nachdem wir nochmal an einem kleinen Fluss, wunderschön einsam in den Rocky Mountains übernachtet haben, machten wir uns heute auf Richtung USA. Auch unser unendlich langes 22stündiges Hörbuch, „Das geheime Evangelium“ neigt sich, man glaubt es kaum, auch dem Ende, es hat uns die letzten 3 Tage begleitet.

Es fällt uns sehr schwer, Kanada zu verlassen, wir hängen beide unseren Gedanken und Erinnerungen nach. Es war eine wirklich wunderschöne Zeit hier, besonders die einsame Natur, die Tiere, aber auch die Freundlichkeit der Menschen hat uns geprägt und beeindruckt. Wenn wir in die USA kommen, wird es so eine Einsamkeit nicht mehr geben. Wir ziehen eine Art Resumee.

Wir haben zwar schon einiges über Kanada geschrieben hier, trotzdem möchten wir unsere Gedanken hier nochmal nennen:

 Kanada ist unendlich groß, unendlich weit, unendlich einsam im oberen nordwestlichen Teil.

Während man bei uns an jeder Ecke immer alles kaufen kann, muss man hier oft 300-400km weit fahren dafür. Folglich muss man viel mehr planen und voraus denken, oder improvisieren.

Das Land ist vielfältig. Blaue Seen, Flüsse, große, kleine.Unendliche, verschiedenartige Wälder, Landwirtschaftszonen, unzugängliche Zonen, Tundragebiete, im Sommer schneebedeckte Berge, Es ist teilweise noch sehr ursprünglich, besonders im Norden, Weitestgehend leben die Menschen hier MIT den Tieren, sie schützen sie.

Wir werden es vermissen, wenn wir irgendwo angehalten haben, dass ein Auto hält und uns fragt, ob wir Hilfe brauchen. Denn eine solche Art der Hilfsbereitschaft haben wir noch nie irgendwo auf der Welt kennen gelernt wie hier. Thomas hat den Spruch geprägt, es sind Menschen von einem anderen Stern. Diesen Konkurrenzkampf unter Menschen, den wir von Europa kennen sieht man hier nicht.

Jetzt, Ende August, in Deutschland Spätsommer, ist hier Herbst, die Blätter werden gelb, das Laub fällt, die Tage werden kürzer, es ist kühler, teilweise, je nachdem wo man ist, sogar richtig kalt. Es geht hier alles schneller, der Sommer ist sehr kurz.

 Was hat uns nicht gefallen?

 Wir überlegen....lange...

ok, wir konnten kein Feuer machen aufgrund des Fire Ban. Es ist so schön abends an einem Feuer zu sitzen. Aber wir verstehen die Gründe natürlich, dafür haben wir zu oft Rauch gesehen. Und kilometerlange Bereiche mit schwarzen Baumgerippen.

 

Die Lebenshaltungskosten sind schon ganz schön hoch hier. Es fällt auch nach über 2 Monaten im Supermarkt immer noch schwer, nicht schluckend vor dem Regal zu stehen, besonders vor dem Gemüse- und obstregal. Man muss immer schauen, ob man nicht irgendwo ein Schnäppchen findet, und das findet man, irgendwas ist immer sehr reduziert, man kauft dann eben den Apfel, der gerade reduziert ist und nicht den, der 3mal so viel kostet, aber der Lieblingsapfel ist.

 

Als wir in die Rocky Mountains fuhren, tauchten so viele Touristen auf, besonders viele Chinesen, Inder. Hier war es sehr schwer, die Schönheit der Natur zu geniessen, es war eher ein Kampf, einen Platz zum Fotografieren zu finden. Denn wenn wir hielten, taten das sofort 3-4 andere Autos auch, weil sie dachten, wir halten, weil es irgendwas Interessantes zu fotografieren gibt. Das war wirklich anstrengend und wir konnten die Rockies nicht so geniessen, wie wir es gerne getan hätten.

 

Alles in allem sind das aber keine wirklich gravierenden Dinge, es sind Kleinigkeiten.

 

 

Was hat uns am Besten gefallen?

 

Wenn wir am Anfang dachten, die Rockies sind DAS Highlight, da die Landschaft dort uns völlig in Bann geschlagen hat, aber alles wurde durch ein einziges Abenteuer relativiert,

Wir fuhren mit dem Fahrrad durch New York, eigentlich ein Highlight, etwas Einmaliges, wir sassen mit Anthony bei 40°C in Virginia und tranken Bier, etwas Einmaliges, wir befuhren Straßen, auf denen die nächste Tankstelle/Ort nach 400km kommt, etwas Einmaliges für uns, wir trafen Bären, die wir lange beobachten konnten, die auch bei uns blieben im Abstand von 2-3m, ein Highlight, die freilaufenden Bisons, die so nah bei uns waren und die wir so lange gesucht haben, ein Highlight. Wir waren an einer Stelle in Alaska, an der die riesengroßen Lachse auf dem Weg zum Laichen vorbei kommen, man kann sich die Größe der Tiere kaum vorstellen. Leider ist es auch ihr Weg in den Tod, denn nach dem Laichen sterben sie. Wir waren mit den Füßen im Pazifik. Wir waen in Dawson City, der ehemaligen Goldsucherstadt, wir haben im Yukon nach Nuggets gesucht, wir haben tolle Menschen kennen gelernt, die genauso reisen wie wir.

 

Aber all das verblasste und kommt uns jetzt nicht mehr so groß und aussergewöhnlich vor, nachdem wir den Weg zum artischen Meer auf dem Dempster Highway zurück gelegt haben. Das hat uns und unsere Sichtweise verändert. Das hat die Messlatte sehr sehr hoch gesetzt und jetzt auf dem Rückweg seit Alaska bis runter an die US Grenze, ist es ein komisches Gefühl, dass nichts mehr so richtig Spannend ist. Die Einzigartigkeit der Landschaft und Tierwelt nimmt aber auch in Richtung Norden stark zu.

 

Wir sind jetzt fast 70 Tage unterwegs und nicht ein Tag davon war langweilig, jeder Tag ist neu und anders, man weiß morgens nicht, was kommen wird, nur die Richtung m Navi. Jeder Tag war schön auf seine Weise, spannend und eine Herausforderung.

Jerry ist auch wie ausgewechselt, man merkt ihm seine 15 Jahre nicht an, der hüpft hoch, sobald er die Handbremse hört, hat sich mit unserem Leben hier sehr gut arrangiert, er ist genauso neugierig wie wir und entdeckt jede neue Ecke, an der wir halten auf seine Weise.

 

Wenn man unsere Lebenshaltungskosten mal dahin gehend betrachtet, dass hier meist alles 30 bis 50% teurer ist als zuhause, haben wir relativ günstig gelebt. Bis auf die Genussmittel, klar, aber die Preise sind auch unglaublich hoch.

 

Dass wir uns entschieden haben, unser eigenes Wohnmobil mit hierher zu bringen, hat sich als richtige Entscheidung herausgestellt. Zum Einen konnten wir alles im Auto mitbringen, Klamotten, Bad- und Küchenzubehör, zum Anderen wären die Kosten, wenn man mal 70 Tage bis jetzt rechnet sehr hoch. Wenn man 100 Euro pro Tag rechnen würde, was eher ein niedriger Ausleihpreis ist, wären wir jetzt schon bei 7000 Euro, plus den Kosten für die Ausstattung.

 

Daran, dass man oft nur gelegentlich Internet und Telefon hat, besonders im Norden, hat man sich auch sehr schnell gewöhnt

 

Wir sind dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, dieses Land so lange und so ausführlich bereisen zu können.

Die bereits vor einiger Zeit beschriebene Sache, mit dem Glücklichsein ist immer noch so. Wir sind viel glücklicher und entspannter als zuhause. Heimweh hatten wir nicht eine Sekunde.

 

 

Das war dann unser letzter Bericht Kanada Teil 2/ Alaska, zukünftig geht es weiter unter der Rubrik USA.

 

 

 


 Nächste Route : Fairbanks - Vancouver

Start : Fairbanks - Anchorage - Homer - Anchorage -Tok - Whitehorse - Fort Nelson - Dawson Creek - Hinton - Kamloops - Vancouver

Straßen Nr. 3-1-97-43-40-93-5

voraussichtlich 5.170 km


Start km  53.517  Halifax    derzeit km 78.590= km  25.073  69 Tage    363  km Durchschnitt

 Start 20.06.18

Ausgaben :

Lebensmittel- 2.006 €  (davon 602 €  Zig,Alk,Wein)

Benzin-1.894 €

Übernachtung - 529 €

Essen gehen -286 €

Maut/Fähre - 427 €

 

aktualisiert    29.08.2018   weiter bei USA (auf der Startseite)