Kasachstan

Türkei-Iran-Aserbaidschan-Georgien-Armenien-Kasachstan-Mongolei-Russland

Fortsetzung von Block 10.  Aserbaidschan/Georgien/  Armenien +Kurz Russland

kurz vor der russischen Grenze mussten wir eine Pontonbrücke überqueren. Alles was über 4t ist, muss einen Umweg von 2x30 km flußaufwärts fahren. Das hat ganz schlimm geschwankt, die Platten bewegen sich, man muss sehr aufpassen, da auch scharfkantige Teile nach oben stehen zwischen den Platten. 

Қазақстанға қош келдіңіз

Willkommen in Kasachstan

als wir abends die Grenze geschafft hatten, waren wir total happy und hatten einen richtig starken Glücksflash, dass wir jetzt schon so weit gekommen sind und die Mongolei nicht mehr so weit ist. Da wussten wir noch nicht, was uns am anderen Tag erwartet. 

Heimlich fotografiert, Grenze Kasachstan, ca, 10 km nach der russischen Grenze. Die ersten Worte der Grenzsoldaten waren eine sehr warmes und freundliches "Welcome to Kasachstan", dann fragten sie uns, woher wir kommen und mussten lange überlegen wo Deutschland ist ..wo Girmani ist.

23.04.19   130.682 km  Tag 273 

Grenzübertritt Kasachtan, nach 10 km im Niemandsland standen wir dann vor der kasachischen Grenze und wurden von einem jungen Soldaten mit einem total herzlichen „Welcome to Kasachstan“ begrüßt, bekamen einen kleinen Zettel in die Hand (jeder) und konnten rein fahren. Auch dieser Grenzübergang ist take it easy. Kleine Ausnahme gabs.

Ich muss aussteigen und zu Fuß durch das Gebäude, Thomas und Jerry fuhren zur ersten Station, gaben Reisepass und Führerschein ab, dauerte 5 min, kurzer Blick ins Auto und die beiden waren durch. Bei mir gestaltete sich das etwas anders. Ich war auch die einzige in der Halle, gab meinen Ausweis ab. Jetzt verlangte der durchaus nette Beamte ein Visum. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich kein Visum brauche zur Einreise seit 2017. Ich konnte durch die Scheibe sehen, dass Thomas schon durch war und wartete. In meinem Kopf startete ein Karussel, wieso ist er einfach durch gekommen und ich nicht uud was jetzt? Ich versuchte, auf englisch zu erklären, dass ich ein Visum brauche, irgendwann holte der Beamte seinen Kollegen und der nickte das zum Glück ab. Scheinen noch nicht viele Deutsche hier vorbei gekommen zu sein. Aufenthalt in Kasachstan erhält man übrigens für 30 Tage, nicht nur für 15.

Ok, ich bin durch, Dauer bei mir 20 min, bei Thomas und Jerry 10 min.

Direkt hintter der Grenze konnten wir dann unsere Autoversicherung abschließen, 30 Tage 35€. Und es gab auch eine Handykarte umsonst plus Aufladen von 4€, was aber nicht finktionierte, war das jetzt alles Fake? Wir wissen es nicht, aber 4€ sind zu verkraften.

 

Nach 100 m kam ein kleiner Parkplatz, links gegenüber eines Polizeigebäudes. Dort durften wir dann auch übernachten. Wir waren richtig glücklich, dass wir das jetzt erreicht haben und freuten uns schon, denn jetzt haben wir das Gefühl, die Mongolei kommt immer näher.

46°33'16.6"N 48°46'08.1"E

46.554600, 48.768903


24.04.19   131.403 km  Tag 274 

 

Wir sind in Kasachstan in quälen uns die Straße nach Atyrau über eine endlose Schlaglochpiste über 350km, die Straßenverhältnisse hier sind eine Katastrophe, 1000 schlimmer als in Armenien. auch haben wir Gedanken, muss das wirklich sein, sollen wir das wirklich durchziehen?

 

Voller Vorfreude stürzten wir uns in unser neues Abenteuer Kasachstan. Wobei die Freude nur kurz währte, denn relativ schnell realisierten wir, das wird kein Spaß. Die vor uns liegenden 300 km sollten zu unserem absolutem Albtraum werden. Landschaftlich ist es flach, sehr sandig, wüstenartig, viele viele Tiere, Pferdeherden, Kühe, Schafe, Ziegen, Kamele lauen hier frei über die Steppe/ Straße. Die Landschaft gefällt uns sehr, sie ist so weit, wenn da nicht die Straßenverhältnisse wären. Wir hoppeln so in Schrittgeschwindigkeit, versuchen alle Schlaglöcher zu umfahren, was natürlich nicht möglich ist bei der Anzahl. Wir sind überrascht, mit welcher Geschwindigkeit die Einheimischen in ihren Autos über diese Löcher fliegen, eigentlich müsste hier alle paar hundert Meter ein Auto mit gebrochener Achse liegen. Aber nur alle paar Kilometer sieht man mal jemanden einen Reifen wechseln. Die meisten Autos haben auf ihrem Dachgepäckträger 1 oder 2 Reifen liegen. Warum wohl.

Auch realisierten wir schnell, dass wir unser Tagesziel Atyrau nicht erreichen werden. Aber das ist nicht schlimm, man kann einfach überall von der Straße abfahren und dort schlafen. Trotz absolut langsamen und vorsichtigen Fahrens, erwischte es uns nach 140 km, ein Stoßdämpfer war abgerissen. Es hielt sogar sofort wieder jemand an, ein junger Mann, schaut sich auch den Schaden an, sagte, es seien noch 60 km bis zum nächsten Dorf und 140km bis in die Stadt Atyrau, wo es einen Fiat Händler geben soll. Er fragte nach der Fahrzeugidentnummer, dem Baujahr, und gab diese Daten an den Fiathändler durch. Vermuten wir, da das alles mit Händen und Füßen ging.

Im Schneckentempo machten wir uns auf den Weg zum nächsten Dorf in 60 km. Und hofften dort eine Werkstatt zu finden, um das Problem zu lösen. Uns wurde aber schnell klar, dass das Problem nicht auf herkömmliche Weise zu lösen ist, denn hier ist eigentlich nichts. Als wir uns bis zur Werkstatt durchgefragt hatten und von drei Einheimischen der Schaden begutachtet wurde, wurde uns signalisiert, dass man uns helfen kann und irgendwie waren wir jetzt nur noch Zuschauer, da die Kommunikation sehr schlecht war. Ratzfatz war das Ding ausgebaut und wir stellten auch fest, dass der Stoßdämpfer nicht mehr reparabel ist, sie diskutierten 10 min. Dann signalisierten sie uns, dass sie gleich wiederkommen, wir saßen ca. 15 min alleine vor der Werkstatt und jeder der Männer fuhr in eine andere Richtung los. Nach 15 min kamen sie mit 3 verschiedenen Stoßdämpfern, einer davon hatte die gleiche Größe wie unserer. Um es gut verschrauben zu können, musste noch ein Teil angeschweißt werden. Nach einer Stunde war Rudi wieder funktional. Man konnte erkennen, die Jungs verstehen genau, was sie tun. Der Stoßdämpfer, den sie eingebaut haben war auch wirklich in Ordnung. Als wir die Leistung und die Hilfe bezahlen wollten, winkten sie erst ab, aber Thomas drückte ihnen 4000 Rubel (55€) in die Hand und bestand darauf. Lustig war noch im Vorfeld, als wir signalisierten, dass wir kaum kasach. Währung Tenge dabei haben und nach dem nächsten Geldautomat fragten und sie diese Frage dann irgendwann verstanden, war großes Gelächter, sie winkten ab und lachten sehr laut. Gibt wohl keinen hier...Und obwohl sie wußten, dass wir keine Tenge zum bezahlen haben, machten sie sich an die Arbeit.

Das Gute an der Sache ist, durch diesen blöden Anlass sind wir in ein Dorf gekommen, 5 km abseits der Hauptstraße, in das wir sonst nie gekommen wären. Hier steht die Zeit still, wir haben kasachsiches Dorfleben gesehen, keine Straßen, nur Wege, wenn es hier regnet, möchte ich hier nicht sein, dass ganze muss ein Schlammbad sein. Kamele und Kühe laufen frei durch das Dorf. Alles ist auf das Einfachste reduziert. Relativ zufrieden und glücklich, dass die Situation sich für uns erstmal wieder verbessert hat, suchten wir uns in der Steppe einen Schlafplatz und erholten uns von dem nicht einfachen Tag. Während wir vor dem Auto saßen und den Tag an uns vorbei ziehen ließen, hatten wir einen Fuchs direkt neben uns, den nicht mal Jerry wahrgenommen hat, da er schon halb im Traumland war, auch er ist erschöpft von dem Geruckel während der Fahrt.

Das Geruckel war auch nicht unbedingt gut für Thomas Rücken und wir machen uns so unsere Gedanken, ob wir diese Straßenverhältnisse wirklich über 5000 km weiterfahren werden, oder die Route ändern und ab Atyrau nach Norden zurück nach Russland und über Russland in die Mongolei fahren werden. Wenn wir in Atyrau sind werden wir uns über die Straßenverhältnisse erkundigen. Die Straße war jetzt 300 km wirklich absoluter Horror. Der Dempster Highway in Kanada ist wirklich nichts dagegen.

 

 

47°03'46.3"N 50°46'18.7"E

 47.062860, 50.771870

eine von uns aus Versehen überfahrene Schlange. Das war nicht die einzige, die wir gesehen haben

350 km geht diese Straße in diese Qualität, vom Grenzübergang bis Atyrau, der nächstgrößeren Stadt, die wir anfahren müssen, da wir uns dort auch registrieren. Spätestens 5 Tage nach Einreise muss man sich registrieren lassen. 

ich denke, diese Bilder sprechen jetzt für sich, gibt keine andere Straße, wir haben den ganzen Tag für 200km gebraucht, 9h Fahrt. Man kann nur wirklich zwischen 20 und 30 kmh fahren. Das ist die A27, eine Hauptverbindungsstraße

nach 200 km dieser Teufelsstraße/ Höllenstraße kommen wir wirklich im Moment ins Grübeln, ob das so sinnig ist, was wir hier machen. Da Einheimische uns sagten, dass es so weiter gehen wird. Das ist für Kasachstan normal. Wollen wir wirklich 5000 km auf solchen Straßen fahren?

Nach 140km hat Rudi sich das Knie gebrochen, Stoßdämpfer ist abgerissen. 60 km in Schrittgeschwindigkeit bis zum nächsten Dorf. Und wenn wir Dorf schreiben, meinen wir das auch so, es sah erstmal nicht danach aus, als ob hier irgendwo Hilfe zu finden ist. Mit den einfachsten Mitteln wurden ein Stoßdämpfer zusammen gebaut und der abgerissene ersetzt. Die ganze Aktion dauerte ca. 1h, auch hier ließ man wieder, obwohl schon längst Feierabend, alles liegen, half uns, besorgte ein Ersatzteil und reparierte das Auto

hier laufen die Kamele wie Kühe auf der Straße herum und sind auch nicht schreckhaft. Man kann sie anfassen. 

so sieht das Dorf aus, in dem Rudi einen Doktor fand. Wir möchten das hier nicht im Regen erleben. 


25.04.19   131.403 km  Tag 275

Jetzt sind es noch 110 km bis nach Atyrau. Die ersten 60 km davon waren genauso schlimm wie am Vortag, die letzten 40 km waren etwas, aber nicht viel angenehmer zu fahren. Wir fahren in Atyrau direkt zur Registrisierung, die man innerhalb von 5 Tagen nach Einreise erledigen muss. Das kann mehrere Tage in Anspruch nehmen während der Pass einbehalten wird, Wir hoffen aber, es ist am nächsten Tag erledigt. Das Wetter ist zum Glück sehr gut, 21°C, Sonne, ein paar Wolken.

.47°06'35.7"N 51°51'28.2"E

 

47.109902, 51.857845       Registrierung

An der Registrierungsstelle angekommen wies man uns darauf hin, dass wir schon 2 Stempel auf der Immigrationskarte haben und das nicht nötig sei. Jetzt erinnerten wir uns auch, dass wir im Internet in Berichten gelesen hatten, wenn man es schafft an der Grenze bei der Einreise 2 Stempel auf die Karte zu bekommen, ist eine weitere Registrierung nicht mehr notwendig. Es heißt, wenn man unregistriert das Land verläßt, kostet das eine Strafe von 100$. Schaun wir mal.

In der Registierungstelle waren zufällig 3 Leute, die englsich sprachen, sodass wir wir Fragen los werden konnten, u.a., ob es hier einen Laundromaten gibt oder ein Hotel, das Wäsche wäscht. Erstmal wusste keiner wo und ob es hier so etwas gibt, dann, als wir bereits am Auto waren, kam ein Mann zu uns, der dieses Gespräch mitbekommen hatte und sagte, er kennt einen Waschsalon, er würde vor uns herfahren und uns dort hin bringen. Leider entpuppte sich das als eine Reinigung, die pro Stück 2€ wollte und insgesammt 2 Tage brauchen wollte, um die Wasche dann gewaschen zur Verfügung zu stellen. Das wäre bei der Menge, die wir gesammelt haben viel zu teuer und dauert uns auch zu lange. Es sieht wirklich so aus, als ob es hier keine Waschsalons gibt. Also ist Handwäsche angesagt. Danach machten wir uns dann auf den Weg zur Werkstatt um prüfen zu lassen, ob wir mit dem Stoßdämpfer weiter kommen, oder ob wir einen neuen benötigen. Bei der Werkstatt war richtig viel los. Man nahm sich aber trotzdem unseres Problemes sofort an, alle Mechaniker unterbrachen ihre Arbeit und widmeten sich unserem Problem. Einen neuen Stoßdämpfer zu bestellen würde ca. 1 Woche dauern, aber man befand den eingebauten als funktional, ein Austausch wäre aus ihrer Sicht nicht notwendig.

Unser nächstes Thema waren die Straßenverhältnisse, wir holten die Landkarte raus und zeigtef, über welche Grenze und Straße wir gekommen sind und sie schlugen die Hände über dem Kopf zusammen, das sei eine so schlechte Straße, dass sie nur mit 4x4 Autos zu befahren sei. Sie zeigten uns Fotos von kaputten Autos, die sie von der Straße geholt haben. Nun erfragte man wo wir hin wollen und begann auf unserer Straßenkarte, die Straßen zu markieren, die in Ordnung sind. Was aber auch Umwegen von 200-400km bedeutet, weil wir teilweise gegen unsere Richtung fahren müssen, um gute Straßen zu erreichen. Soviel vorweg, wir haben uns an den Rat gehalten, Umweg 400km, aber eine nagelneue Straße, kein einziges Schlagloch, wir kommen gut voran, also es geht doch. Auf der Karte ist sie gelb einezeichnet, parallel gibt es noch eine rote Straße. Wir sollen die gelbe nehmen, weil sie besser ist. Das hätten wir ohne Rückfrage genau anders rum gemacht. Kasachstan ist 6x so groß wie Deutschland, aber so viele Straßen gibt es hier nicht, die quer durch das Land gehen, eigentlich nur 2-3 Stück. Jetzt wurden wir zum Essen eingeladen, aber da wir ja noch aus der Stadt raus wollen und nicht nachts fahren wollen, lehnten wir das ab.

Thomas bat die Mechaniker danach noch, ob man das Auto vorne aufbocken kann, um die Lenkung zu kontrollieren. Dabei wurde festgestellt, dass sie ausgeleiert ist und es wurde uns geraten, nach Uralsk in der Nähe der russischen Grenze zu einer Bosch Werkstatt zu fahren, die das genauer prüfen und auch ggf. reparieren können. Das ist ein Verschleiß, der irgendwann kommen musste, da wir nicht immer nur Autobahn fahren.

Wir hatten noch ein Erlebnis mit unserem ersten korrupten Polizisten. Während Thomas alleine das Auto zur Werkstatt holte, hierzu 100m zum nächsten Kreisel fuhr, um zu drehen, ich stand zu der Zeit schon in der Werkstatt bei den Mechanikern, wurde er von einem entgegen kommenden Polizeiauto gestoppt und dieser Polizist machte auf bitterböse. Da wir definitiv nichts falsch gemacht hatten, suchte der Polizist förmlich nach Argumenten, wie er uns jetzt Geld aus der Tasche ziehen kann. Bei Kontrolliren des Autos sah er ein Päckchen Zigaretten. Zeigte darauf und sagte: Protokoll, Strafe. Thomas hätte im Auto geraucht und das wäre ein Verbot, was er aber nie macht. Und was hier auch kein Vergehen wäre. Als die Mechaniker sahen, dass der Polizist Thomas gestoppt hat, rannten sie los, ich hinterher und sie schrien: Ohjee. Am Auto angekommen, redeten sie auf den Polizisten ein und Thomas bekam die Papiere zurück und die Sache war erstmal erledigt. Auf unsere Nachfrage, was denn jetzt eigentlich verkehrt gewesen sein soll, sagten sie: korrupt.

 

Also dieser Polizist hatte es wohl versucht, wir möchten aber ganz klar sagen, dass wir schon viele Polizisten hier kennen gelernt haben, die freundlich waren. Auch wurden wir noch von den Mechanikern darauf hingewiesen, wenn wir parken, die Autoreifen gerade zu stellen, das wäre auch eine beliebte Masche, Geld zu kassieren, wenn die Reifen eingeschlagen stehen. Oder eine Zigarette auf den Boden zu werfen. Man ist hier sehr sehr kleinlich. Also: Planänderung, Straße Richtung Norden, Richtung Russland, wie von den Einheimischen beschrieben, Richtung Uralsk. Von diesen 500 km schafften wir heute noch 100 km, die Straße war einwandfrei. Als es dämmerte, fuhren wir wieder ab von der Straße in die Steppe, setzten uns vor das Auto. Das Wetter war den ganzen Tag perfekt, immer zwischen 20 und 25°C. Wir überlegten, was wir bei der nächsten Konfrontation mit so einer Art Polizisten machen, und beschlossen, ein Protokoll zu fordern, nach dem Namen fragen und seines Vorgesetzen, und ihm erklären, dass an der Grenze ein Schild mit einer Telefonnummer steht, an die man sich wenden soll, wenn man Probleme mit Korruption bekommen sollte.   

 

Übernachtung hier:47.96279 51.68244

47°57'47.6"N 51°40'54.6"E

47.963222, 51.681825


26.04.19   131.634 km  Tag 276

auf dem weg ach Uralsk

Dem Rat entsprechend fuhren wir die gelbe Straße  ( P 103) bis zum Ort Inderbor , dort wechselten wir auf die rote (A 28) Straße, es war gut zu fahren die gesamte Strecke. Landschaftlich blieb es flach, das Wetter sehr angenehm, 25°C, blauer Himmel. Gegen 16h erreichten wir Uralsk und man nahm sich trotz starken Betrieb sofort Zeit für uns, Rudi wurde auf einer Hebebühne nach oben gefahren. Man stellte fest, dass auf der rechten Seite der Vorderrad Aufhängung  defekt ist und ausgetauscht werden muss. Ansonsten aber alles ok ist. Wir entschlossen uns, gleich den provisorischen hinteren Stoßdämpfer austauschen zu lassen, also beiden hinteren, da sie als Doppelpack geliefert werden, einen Ölwechsel machen zu lassen und die Hinterradbremsen zu erneuern, die inzwischen ziemlich runter waren. Das alles wird incl. Arbeitszeit umger. 209€ kosten und wir hatten einen Termin am Folgetag um 10h. Die Stoßdämpfer sollen aus Samara, Russland im Laufe des Vormittags geliefert werden. Wir parkten das Auto im Hinterhof, ab 20h ist hier nichts mehr los, es wurde ruhig. Wir sind sehr glücklich und erleichtert, dass nichts Größeres kaputt ist.

Was man noch erwähnen muss, der Tag bestand darin, dass jeder Polizist, der uns gesehen hat, sei es entgegen kommen, von hinten, rechts oder links, Gas gegeben hat, um uns zu stoppen und versucht hat irgendwie etwas zu finden, um uns Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir wurden 9 mal gestoppt, davon war 3x Hände schütteln und der Rest war wirklich korrupt. Einmal ging die Situation sogar so weit, dass trotz Thomas Beharrlichkeit der Polizist weiter versuchte, Geld aus uns zu pressen. Vorwurf war, rauchen im Auto, was ja gar nicht statt gefunden hat. Und übrigens auch nicht verboten ist. Erst als herbei eilende Passanten, die das mitbekamen, sich bei uns sammelten, immer mehr wurden, gab dieser Polizist klein bei und verschwand ohne ein weiteres Wort. 

51°15'06.3"N 51°24'16.9"E

51.251747, 51.404685

Diskussion, welche Straßen im besseren zustand sind, was aber auch bedeutet, wir haben einen Umweg von 300 km.


27.04.19   132.056 km  Tag 277                      ----wieder zurück nach Russland----

Wir haben heute erstmal einen halben Ruhetag, da wir darauf warten, dass Rudi wieder fit gemacht wird und nutzten die Zeit, um uns Gedanken über die weitere Route zu machen. Die letzten Tage waren sehr sehr anstrengend, sei es von der Straßenqualität und auch von den Polizeikontrollen, kommt auch noch hinzu, dass wir einen Tierarzt für Jerry brauchen. Unter seinem rechten Augenlid wächst eine Warze, die in den letzten Tagen schnell größer geworden ist, das reibt und das Auge ist leicht entzündet. Da es in Omsk eine größere Tierklinik gibt, fiel die Entscheidung bei Ilek wieder zurück über Russland zu fahren und durch Russland, parallel der kasachischen Grenze Richtung Mongolei weiter zu fahren. Wenn wir von der Mongolei wieder zurück kommen, könnten wir, wenn wir Zeit und Lust haben wieder durch Kasachstan zurück, die Option bleibt. Aber die gestern stattgefundene Jagd von der Polizei auf uns hat uns die Lust, weiter durch Kasachstan zu fahren ersrtmal genommen. Ja, auch in Russland gab es viele Kontrollen, aber nie hatten wir das Gefühl, man will uns Geld aus der Tasche ziehen und nie wurden wir so arrogant und unfreundlich behandelt von Polizisten wie hier.  

Gegen 14h bekamen wir Rudi wieder zurück und wir fuhren Richtung Ilek, eine ganz kleine Grenze, 130km von hier. Ihr werdet es nicht glauben, die Straßenverhältnisse waren wieder katastrophal. Es war ein reines Gehoppel und Slalomfahren. Ich habe ja den freundlichen, englischsprechenden Kasachen in der Autowerkstatt gefragt, wie die Straße bis nach Ilek ist, er sagte grinsend, Oh, nach der Grenze wird sie gut. Das war dann auch so.

Da wir Kasachstan verlassen erstmal, auch ein bisschen früher als geplant, nochmal ein paar Worte zu Kasachstan.

Kasachstan ist das neuntgrößte Land der Welt, aber mit nur 18 Mio Einwohnern (6,5 Einwohner/km2), dünn besiedelt. Kasachstan hat eine Länge von 12000 km. Die Hauptstadt ist Astana, eine Art künstliche Stadt, die erbaut wurde, da der Präsident befand, die vormalige Hautpstadt, ganz im Südosten des Landes, Almaty, liege zu weit im Osten. Der Präsident ist seit 1990 an der Herrschaft, eine Herrschaft auf Lebenszeit (dort ändert sich aber gerade was)..

Die von uns gefahrenen Strecke in Kasachstan war komplett flach, man konnte immer in alle Richtungen den Horizont sehen. Was auch wunderschöne Sonnenuntergänge mit sich brachte, eigentlich wie am Meer. Teilweise war die Steppe grün, aber überwiegend wüstenartig, sandig. Wir hatten auch einen etwas windigeren Tag, der Wind trieb den Sand vor sich her und es brannte in den Augen. Landschaftlich aber etwas Ungewöhnliches und Sehenswertes für uns Europäer.

Die Tierwelt in Kasachstan hat uns sehr beiendruckent. Schon kurz nach der Grenze sahen wir das erste Kamel, und wir sahen so viele in unserer Zeit dort, dass man sie nicht zählen konnte. Das war das erste Mal für uns, dass wir Kamele in freier Natur sahen. Dazu kommen immer wieder große Herde freilaufender Pferde, Kühe, Schafe, Ziegen. Auch einen Wüstenfuchs sahen wir, der uns direkt am Auto besuchte. Die Menschen leben mit und von den Tieren, abends laufen die Tiere, auch die Kamele nach Hause in ihren Stall, man hört lange lautes Muhen und Blöcken, bis alle dort ankommen sind, wo sie hinwollen.

Die größeren Städte unterscheiden sich kaum von unseren, aber sobald man aus ihnen heraus ist, wirkt das Land wie um 100 Jahre zurück versetzt, alles ist einfach, die Menschen sind sehr reserviert und es braucht eine Zeit, aber wenn sie dann aufgetaut sind, sind sie überdurchschnittlich hilfsbereit und gesprächig. Das äußere Erscheinungsbild der Menschen ist überwiegend asiatisch hier.

Was das Übernachten betrifft, war alles sehr easy, entweder gab es Sträucher in der Steppe, hinter denen wir uns ein bisschen verstecken konnten, oder auf dem einen oder anderen Rastplatz, die hier sehr spartanisch ausgetattet sind, war übernachten auch möglich. Lediglich der Straßenzustand und die korrupte Polizei rauben einem ein wenig den Spaß und die Gelassenheit. Was man noch erwähnen sollte, als wir Russland betreten haben, haben wir ein russisches Zolldokument für Rudi bekommen mit 2 Stempeln, das auch in Kasachstan gilt. Was soviel heißt, wenn man die Grenze von Russland nach Kasachstan überquert, ist keine weitere Handlung notwendig, weil das Auto in schon eingeführt ist und Russland und Kasachstan ein Abkommen haben. Wichtig, dieses Formular wird bei der Ausreise aus der russischen Föderation wieder benötigt, man muss darauf wirklich achten, dass es nicht bei einem der Grenzübergänge währenddessen einbehalten wird (was uns beinahe passiert wäre), denn wir haben festgestellt, dass bei den kleinen Grenzübergängen, die wir gewählt haben,zwar die Abwicklung superschnell war, teilweise nicht länger als 10 min dauerten (und das hier in Russland/Kasachstan), man aber mit Europäern überfordert war und nicht wirklich wusste, welche Formalitäten anders sein könnten. z.B. bestand die Fahrzeugkontrolle daraus, dass ein Grenzbeamter ins Auto schaute, als er unseren Fernseher, die Toilette sah, völlig erstaunt war, seine Kollegen holte, ihnen das zeigte und die eigentliche Kontrolle war vergessen. Wir konnten es kaum glauben, aber es machte wirklich den Eindruck, als ob man hier solche Autos noch nie gesehen hat, was wir uns andererseits kaum vorstellen können.

Kasachstan ist das erste Land, in dem wir so gut wie keine Hunde antrafen und Jerry dadurch etwas mehr Freiraum hatte und wir nicht ständig aufpassen mussten.

Die Toilettenentsorgung gestaltet sich schwierig, wir haben unser WC ohne Chemikalien verwendet und täglich in der Natur entsorgt.

Wäsche waschen, es ist schwieriger als wir es kennen, es gibt keine Waschmachinen, die man nutzen kann, sondern nur ab und zu Reinigungen, die aber viel zu teuer sind und zu lange brauchen (2 Tage).

In den großen Städten gibt es riesige Supermärkte, man bekommt alles, ganz vieles auch tiefgefroren, aber unverpackt, so kann man z.b. Pommes Frites, Brokkoli, Garnelen, Pasteten wie auf dem Wühltisch in eine Tüte packen und abwiegen lassen. Aber trotzdem, nach der langen Durststrecke mit oft nur kleinen Dorfläden und vollkommen begrenzter Auswahl, ist das hier wie Schlaraffenland.

Jede 2. Tankstelle hatte Euro 5 Diesel, wobei man darauf achten sollte, früh genug zu tanken, dann wir hatten auch Tankstellen, an denen der Kraftstoff ausgegangen war. Der Liter kostet umger. ca. 0,40€.

Wie ja schon im Reisebericht erwähnt, ist die Polizei hier sehr auf Touristen fokussiert und nicht alle, aber die meisten haben versucht, den geringsten Verstoß, wie z.B., dass der Reifen nicht gerade steht, wenn man parkt, Zigaretten auf den Boden wirft, oder die Linie berührt mit den Reifen, dazu zu verwenden, um den Geldbeutel zu erleichtern. Uns ist es gelungen, durch extreme Beharrlichkeit und den Hinweis, dass wir ein Protokoll haben wollen, damit wir das der Botschaft zur Prüfung zur Verfügung stellen können, drum herum zu kommen. Aber wir haben etliche Versuche erleben müssen.

Den üblichen Müll am Straßenrand gibt es hier nicht, wie in vielen anderen Ländern.

Internet: hat ganz gut funktioniert, manchmal etwas schwach. Wir hatten eine Karte von Beeline, 5GB für 6€.

Visum: keins nötig, einfach reinfahren, 30 Tage Aufenthalt möglich

Der Grenzübertritt von Kasachstan nach Russland (bei Ilek) war easy going, dauerte keine 10 min., war auch durchaus höflich. Und wir waren raus aus Kasachstan.

 

Rest des Tages, die Weiterreise nach Russland: siehe Russland Blog

 

 

51°31'35.0"N 53°32'14.0"E

51.526400, 53.537210

Bild 1: Adeus, Kasachstan! 

Bild 2 und 3: Zollerklärung Auto